Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669): Selbstbildnis (Detail) © Kupferstichkabinett

LEBENSLINIEN von Rembrandt in die Druckplatte gegraben

Rembrandt, Greis mit der Hand am Barett 1639

Ungeschönte Gesichter, Krüppel und Bettler und die eigene alternde Person

Mit einer Lupe öffnet sich dem Auge eine Welt voller dichter feiner Striche, aus denen sich bei einem Schritt zurück Bärte bilden, Haare, Nasen, Münder und Augen, also Gesichter von Menschen, wie sie im 17. Jahrhundert gelebt haben. Man sieht auf den ersten Blick, dass es sich zum guten Teil um einfache Leute handelt, die alles andere als dem Schönheitsideal ihrer Zeit entsprachen. Wer wollte sich schon verwahrloste Bettler und alte Weiber mit hängenden Brüsten anschauen? Trotzdem wurden sie zum Thema. Selbst der Künstler, der sie verewigt hat, war zu sich schonungslos. In seinen Selbstporträts blickt er mit düsterer Strenge auf den Betrachter, mit allen Anzeichen fortschreitenden Alters. Ganz im Gegensatz dazu steht die geniale Lichtführung, wie man sie in grafischen Arbeiten selten findet.

Rembrandt, Weibllicher Akt, auf einem Erdhügel sitzend

Die Heiligen und Jesus selbst tauchen ihre Umgebung in ein Strahlen, wie es in dieser Intensität nur Himmlische schaffen. Lediglich der hl. Hieronymus darf in finsterer Stube, auf seinen Löwen gestützt, seinen Studien nachgehen. Bild für Bild ist eine Zeitreise, geführt von der Meisterschaft eines ganz Großen der bildenden Kunst.

 

Es handelt sich um Kupferstiche von Rembrandt Harmensz. van Rijn, dessen Todestag sich am 4. Oktober zum 350. Mal jährt. „Lebenslinien – Rembrandt in den Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien“ ist der Titel dieser Miniaturausstellung (bis 22. September 2019). Gezeigt werden 37 der 170 originalen Rembrandt-Radierungen, die das Kupferstichkabinett bewahrt. Highlights sind das „Hundertguldenblatt“ oder „Der Heilige Hieronymus in der Landschaft“.

Rembrandt fand zu seiner Zeit erstaunlich großes Interesse an diesen Darstellungen. Bürgerliche Sammler, die sich möglicherweise ein Gemälde nicht leisten konnten oder wollten, griffen zu. Es waren auch die Kollegen, die vom Meister immer wieder variierte Vorlagen gerne als Studienobjekte annahmen. Immerhin hat Rembrandt die Druckgraphik revolutioniert. Als erster Künstler nutzte er das Medium schöpferisch, überarbeitete seine Druckplatten und experimentierte mit Schraffuren, Ätztechniken und Duckabstufungen. Die ungewohnten Sujets, deren penible Aufarbeitung und das Sichtbarmachen des Bildfindungsprozesses lassen uns einem „modernen“ Künstler gegenüberstehen, der über die Jahrhunderte nichts von seiner Faszination verloren hat.

Rembrandt, Selbstbildnis mit Mütze, Schal und beschattetem Gesicht (1633)
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