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HJöllenzeichnungen Ausstellungsansicht

HÖLLENZEICHNUNGEN Düstere Ansichten von Dantes Inferno

Joseph Anton Koch (1768 –1839): Luzifer (Detail) © Kupferstichkabinett d. Akad. d. bild. Künste Wien

Sünder und ewige Sündenstrafen vom Maler Joseph Koch anschaulich gemacht

Wenn es um die Darstellung von Paradies, Fegefeuer und Hölle ging, haben sich die Künstler ganz eindeutig im Feuer der Verdammnis am wohlsten gefühlt. Die Seligkeit der Frommen im Himmel gibt ja wirklich nicht viel her. Eine hübsche Gegend mit Engeln und blassen Heiligen, wen interessiert das schon?! Das Purgatorium, also die zeitlich begrenzte Quälerei von Seelen, um sie nach entsprechender Läuterung in den Himmel aufzunehmen, erscheint doch irgendwie theoretisch und theologisch hochgezogen. Aber da unten, wo alle die bösen Existenzen ihre letzte Bleibe gefunden haben, in Gesellschaft sadistischer Teufel, die für sie die schmerzlichsten Foltermethoden erfunden haben, da kann sich die Phantasie entfalten. So sind auch, ganz unliterarisch gesehen, die neun Höllenkreise der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri als Lesestoff weit interessanter als der Läuterungsbereich und das Paradies.

Der Eintritt durchs Höllentor © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Der aus Tirol stammende Landschaftsmaler Joseph Koch (1768-1839) war ein Experte, was Dantes Commedia betraf, kannte weite Textstellen auswendig und setzte diese detailliert in Zeichnungen um. Das Hauptinteresse lag auch bei ihm im Inferno. Er schuf für den Dichter eine ansprechende Figur mit neugierigem Blick und schickte diesen hinein durch das Höllentor, wo man an sich alle Hoffnung fahren lassen muss, da es üblicherweise von dort kein Entkommen mehr gibt.

Dort begegnet er „Am Pechsee der Tauschkrämer Ciampolo von Navarra“, der im 5. Graben des 8. Höllenkreise in Harz gesotten wird. Von den Teufeln werden die Betrüger mit Bratspießen untergetaucht, so auch Ciampolo, der sich diese Behandlung als Amtmann des Königs von Navarra offenbar redlich verdient hat. Falsche Ratgeber wie Ulisses und Diomedes werden grausam in unauslöschlichen Flammen gemartert. Diebe und Viehräuber, so der dafür bekannte Cinafa Donati, wurden in Drachen verwandelt, um sich auf andere Missetäter des gleichen Fachs, in diesem Fall Agnello Brunelleschi, zu stürzen.

Dante und die drei Tiere © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Zum Schauen und wohligem Gruseln gibt es in der Ausstellung des Kupferstichkabinetts mit dem Titel „Höllenzeichnungen“ (bis 12. Jänner2020) also genug. Die Akademie der bildenden Künste Wien besitzt einen der größten Bestände an Zeichnungen von Joseph Koch, die größtenteils als geschlossenes Konvolut aus dem Nachlass des Künstlers in die Sammlung gekommen sind. Unter dem Federstrich ist auf ihnen noch die graue Vorzeichnung zu sehen.

Diese Skizzenhaftigkeit lässt sie spontan und damit ungemein lebendig erscheinen. Sie stehen in ihrem Ausdruck an der Schwelle vom Klassizismus zur Romantik. Obwohl Koch während seines Aufenthaltes in Rom, wo er auch gestorben ist, als Mentor der Nazarener angesehen wird, unterscheidet sich seine Darstellensweise doch grundlegend von den meisten anderen eher blutleeren Malereien dieser Richtung. Ausgeführt wurden von ihm übrigens Wandbilder mit Ausschnitten aus der „Göttlichen Komödie“ für die römische Villa Massimo, von deren Vorstudien sich ein Blatt in der aktuellen Ausstellung befindet.

Die Sünder gegen die Natur © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
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