Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht "Rendezvous mit der Sammlung" © Kunstmeile Krems, Foto: Walter Skokanitsch

Ausstellungsansicht "Rendezvous mit der Sammlung. Kunst von 1960 bis heute" © Kunstmeile Krems, Foto: Walter Skokanitsch

Rendezvous mit der Sammlung: 100 Jahre NÖ und Kunst seit 1960

Erwin Wurm © Landessammlungen NÖ, Foto: Christoph Fuchs, Bildrecht Wien, 2022

Erwin Wurm, Mr. Mutt, 2010 © Landessammlungen NÖ, Foto: Christoph Fuchs, Bildrecht Wien, 2022

Ein Best-of und noch nie Gesehenes aus rund 100.000 Objekten

In drei Stockwerken der Landesgalerie Niederösterreich wird das 100jährige Bestehen eines Bundeslandes opulent gefeiert. Besonders stolz ist man dabei auf die spektakuläre Gestaltung der gigantischen Ausstellung, wie sie nur das eigenwillige Gebäude am Donaustrand in dieser Form ermöglicht. Die neue Direktorin Gerda Ridler und die Leiterin der Sammlung „Kunst nach 1960“, Alexandra Schantl, haben dafür, so die beiden Kuratorinnen, „die dem Ort immanente Dynamik auf das Raumgefühl übertragen“. Entstanden ist damit ein „zurückhaltendes Setting, das sowohl einer großzügigen Präsentation von Kunst als auch der Architektur des Museums gerecht wird“, um damit an das auch schon bisher erfolgreich beherzigte Anliegen ihrer Vorgänger anzuschließen, „die Kunstsammlung bestmöglich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Mit „RENDEZVOUS MIT DER SAMMLUNG. Kunst von 1960 bis heute“ (bis 5. Februar 2023) wird, wie der Titel schon sagt, der Schwerpunkt auf die jüngere Vergangenheit und die Gegenwart gelegt.

Peter Weihs, Ausflug von Schwarz, 1969 © Landessammlungen NÖ

Peter Weihs, Ausflug von Schwarz, 1969 © Landessammlungen NÖ

Deborah Sengl © Landessammlungen NÖ, Foto: Christoph Fuchs, Bildrecht Wien, 2022

Deborah Sengl © Landessammlungen NÖ, Foto: Christoph Fuchs, Bildrecht Wien, 2022

Unter den Exponaten gibt es großformatige Gemälde, Skulpturen, Videos und textile Kunst. Ausgewählt wurden dazu die Arbeiten nicht nur von prominenten Kunstschaffenden wie Bruno Gironcoli, Brigitte Kowanz und Hermann Nitsch, sondern bewusst auch solche, die es erst zu entdecken gilt, zum Beispiel das geniale Chaos von Padhi Frieberger oder den karikaturhaft geführten Pinsel von Gerlind Zeilner.

Ordnung in den Parcours bringt eine thematische Gruppierung, die „das diskursive Potential zeitgenössischer Kunst aufzeigen“ soll. Verzichtet wurde hingegen auf „eine strenge Chronologie und ein übergeordnetes Generalthema“, denn „Kunst schreitet nicht in nacherzählbaren Entwicklungslinien voran, sondern schöpft in ihrer jeweiligen Entstehungszeit aus umfassenderen Bezugssystemen, die entweder gegenwartsbezogen, retrospektiv oder auf die Zukunft hin ausgerichtet sein können.“ Der Ausstellung liegen also hehre Gedanken zugrunde, von denen der schaulustige Besucher allerdings nur unbewusst begleitet wird. Eine Assemblage von Daniel Spoerri, die Bestien in der Arche Noah von Deborah Sengl oder der breithüftige Mr. Mutt von Erwin Wurm ziehen von sich aus die Blicke auf sich. Fazit: Es darf einfach Spaß machen, in großen hellen Räumen durch eine ansehnliche Fülle toll arrangierter Äußerungen kreativer Fantasien unserer Zeit zu wandeln und sich dabei eventuell mit so mancher bisher kritisch bedachten Position anzufreunden.

Arnulf Rainer, Kreuz (ohne Titel) © Landessammlungen NÖ

Arnulf Rainer, Kreuz (ohne Titel) © Landessammlungen NÖ

Cool, 2004

Isolde Maria Joham, Cool, 2004

ISOLDE MARIA JOHAM Durchscheinendes und Zweideutiges

Isolde Maria Joham, Ausstellungsansicht

Isolde Maria Joham, Ausstellungsansicht

Eine Ausstellung fördert die verkannte Größe der überzeugten Visionärin zutage

Mit Niederösterreich verbindet Isolde Maria Joham ihre Wahlheimat Hainfeld. 1968 hat die geborene Steirerin den damals 23jährigen angehenden Bildhauer Gottfried Höllwarth geheiratet. Nach einem Zwischenspiel in Wien zog das Paar 1973 ins Gölsental, um dort gemeinsam zu leben und für sich eigenständig zu arbeiten. Man darf es verraten: diese Frau wird heuer ihren 90. Geburtstag feiern. Die Ausstellung, die ihr bis 9. Oktober 2022 in der Niederösterreichischen Landesgalerie in Krems gewidmet ist, bedeutet aber weit mehr als ein anlassbedingtes Geschenk, meint zu Recht die neue Direktorin Gerda Ridler. Es ist vielmehr eine längst fällige Schuldigkeit gegenüber einer Künstlerin, deren umfang- und facettenreiches Werk in Hinblick auf seine Bedeutung in keiner Weise so gewürdigt wurde, wie es der nun mögliche Blick darauf spontan einfordert.

Isolde, Gottfried, Daisy und Donald, 1977

Isolde, Gottfried, Daisy und Donald, 1977

Die Frage der Systeme, 1984

Isolde Maria Joham, Die Frage der Systeme, 1984

Im Mittelpunkt steht das malerische Œuvre von Isolde Maria Joham. Dazu kommen Beispiele aus der Glaskunst, die sie mit Feingefühl und technischer Brillanz ständig weiterentwickelt hat. Zierliche, das Licht brechende Objekte, Glasfenster und Mosaike zeugen von der Meisterschaft, Kunst in Form der Angewandten auszuüben. Die wuchtigen Eyecatcher sind jedoch monumentale Leinwandarbeiten; durchwegs Formate, die man der zierlichen Frau nicht zutrauen möchte. Vereint sind darin Klarheit und Witz der Pop-Art, fotografischer Realismus und die schonungslose Aufarbeitung von brennenden Fragen, die bis heute keine schlüssige Antwort erfahren haben.

Regenbogen, 1978

Isolde Maria Joham, Regenbogen, 1978

Die Frage der Energie, 1982

Isolde Maria Joham, Die Frage der Energie, 1982

Isolde Maria Joham selbst sagt: „Ich möchte keine eindeutigen Bilder malen, sondern zweideutige.“ Eigentlich sind ihre Gemälde vieldeutig. Man muss nur genau hineinschauen in das Gedränge von Motiven, wie im „Traum vom künstlichen Menschen“. In der Mitte dominiert eine humanoide Figur aus Gold, flankiert von zwei dicken Robotern. Verquickt sind darin zwei Filme: Fritz Langs Maschinenmarie aus Metropolis und zwei Passagiere aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Die Deutung steht dem Betrachter offen, ein entscheidender Hinweis kommt dennoch von der Künstlerin selbst. Sie zeigt uns damit zwei Seiten eines Traums, von dem man nie sicher sein kann, ob der gut oder schlecht ausgeht.

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