Kultur und Wein

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Figaros Hochzeit (aber nicht die Oper) Ensemble © Alexi Pelekanos

FIGAROS HOCHZEIT aber nicht die Oper, Gott bewahre!

Katharina Haindl, Tilman Rose, Marthe Lola Deutschmann © Alexi Pelekanos

Eine gaudiger Opernführer, angemessen einem tollen Tag

Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais war nicht ganz unschuldig an der Französischen Revolution. In „La folle journée ou Le mariage de Figaro“ wird mit einer derart unglaublichen Schärfe der Adel in seiner Unmoral und Dekadenz karikiert, dass nur ein schmerzhafter Aufschrei der Betroffenen und ein Verbot des Stücks die Folgen sein konnten. Ein paar Jahre später (1786), in Frankreich war man intensiv damit beschäftigt, einander die Köpfe per Guillotine abzuschlagen, brachte Wolfgang Amadée Mozart zu einem Libretto des großen Menschenkenners Lorenzo Da Ponte die Oper „Figaros Hochzeit“ in Wien auf die Bühne. Freilich hatte man auch hierzulande vom Kaiserhaus abwärts keine rechte Freude mit dem Verriss, berauschte sich dennoch an der Musik und kritisierte auf gut Wienerisch nichts als gewisse technische Mängel bei der orchestralen Umsetzung und die doch beachtliche Länge der Oper. Vielleicht tolerierte man die frechen Bissigkeiten deswegen, weil der Text italienisch gesungen wurde und damals wie heute die Sprache zwar geliebt, aber nicht verstanden wird.

Tilmann Rose © Alexi Pelekanos

Einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zum „Verständnis“ der vertrackten Handlung hat nun Regisseur Philipp Moschitz geleistet. Er hat für das Landestheater Niederösterreich „Figaros Hochzeit (aber nicht die Oper)“ als „Die Geschichte eines revolutionären Friseurs“ respektlos, aber doch gekonnt verblödelt. Nachdem er jedes große Anliegen und allen tieferen Sinn radikal gestrichen hat, ist daraus ein Schwank entstanden, der einfach unterhält und das Premierenpublikum begeistert hat. Es fängt bei den Kostümen an, bei denen Isabella Kittnar mit abenteuerlichen Perücken über weiß gepuderten Gesichtern nicht die geringste Scheu vor historischer Übertreibung kennt. Auch bei der Musik wurde von Boris Fiala großzügig zugegriffen und ein Crossover von Opern, Pop und Musical, live und eingespielt, gemixt. Dass der Arrangeur und Komponist, sofern er nicht Cello oder Keyboards bedient, auch als Marcellina den armen Figaro partout heiraten will, ist der knappen Besetzung geschuldet. Katharina Haindl erprobt als sexy Disco Queen, pardon, Gräfin Almaviva ihre Verführungskünste am 18 Jahre alten Cherubin, der sich das nicht zwei Mal sagen ließe, käme nicht ständig was dazwischen, zum Beispiel der Graf und das ungeliebte Offizierspatent.

In der Sopran-Arie „Voi che sapete che cosa è amo“ beweist Andreas Thiele auf Italienisch, Deutsch und Tschechisch, dass an ihm ein internationaler Counter verloren gegangen ist. Als Graf Almaviva und verhinderter Lover peilt Michael Scherff treffsicher die Spitzentöne der Königin der Nacht an, mit heiserem Bass halt ein bisserl tiefer. Bella Figura macht auch das geplagte Hochzeitspaar, mit Tilman Rose in der Rolle des Figaro und seiner zum Verlieben süßen Susanna Marthe Lola Deutschmann.

Figaros Hochzeit (aber nicht die Oper) Ensemble © Alexi Pelekanos
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