Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Stefan Fleischhacker als E.T.A. Hoffmann © Christa Fuchs

HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN Short stories eines hoffnungslos Verliebten

Elena Schreiber (Giulietta), Gebhard Heegmann (Dapertutto) © Christa Fuchs

Wenn aus Olympia eine Kunstpfeiferin wird

Üblicherweise beginnen die Kritiken bei uns mit einer launigen Einführung in das jeweilige Stück. In diesem Fall kann darauf locker verzichtet werden, da die gesamte Inszenierung im L.E.O., also dem „Letzen Erfreulichen Operntheater“, auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist. Das Publikum in der ehemaligen Backstube nimmt an kleinen Tischchen Platz, stellt darauf ein Achterl Weißen ab und ist bereit, alles mitzumachen, was ihm von Elena Schreiber aufgetragen wird. Diese Frau ist nicht nur eine tolle Sopranistin, sondern in ihrer ganzen absolut nicht unauffälligen Erscheinung eine Komödiantin, die dieses Fach wirklich ernst nimmt. Wenn sie die Handlung erklärt, ist es witzig und dennoch bestens recherchiert. So kann sie über den Erbauer der Puppe Olympia, den Physiker Spalanzani, ein Kurzreferat halten, das die Hintergründe dieser Gestalt mit historischem Wissen beleuchtet und gleichzeitig das Geschehen um dessen Erfindung erklärt. Den Wissenschaftler selbst sieht und hört man nicht, sondern nur seinen Widersacher, den obskuren Optiker Coppélius, der ihm das Meisterwerk letztendlich brutal zerstört.

Elena SChreiber (Giulietta), Stefan Fleischhacker (E.T.A. Hoffmann) © Christa Fuchs

Dafür wurde der Bariton Gebhard Heegmann engagiert. Der freundliche junge Sänger hat die Aufgabe, die drei Bösewichter und den teuflischen Stadtrat Lindorf als so richtig finstere Gestalten auftreten zu lassen. Dass der Leidtragende dabei stets E.T.A. Hoffmann ist, gibt dem Prinzipal dieses Hauses Stefan Fleischhacker vier Mal die Gelegenheit, zuerst in höchsten Tönen von Liebe zu schmachten, um nach der Katastrophe in das jeweils nächste amouröse Abenteuer zu flüchten. Nebenbei übt sich der Tenor als Kunstpfeifer, wenn er als Puppe die alles andere als einfache Koloratur der aufgezogenen Schönheit pfeift. Melanie Wurzer als Antonia, die von Dr. Miracle per Spritze ins Jenseits befördert wird, genießt sowohl Solo wie auch Duett mit ihrem Geliebten Hoffmann so vital, dass man sich wundert, dass ausgerechnet sie an Schwindsucht leiden sollte.

 

Elena Schreiber verspricht gleich zu Beginn, dass es sich um eine außergewöhnliche Darbietung handelt und hält bis zum Gewinnspiel nach dem Finale Wort. Dass sie in Venedig auch die Kurtisane Giulietta singt, erscheint eher wie eine Fleißaufgabe. Dazwischen schweißt sie die Zuseher zu einem respektablen Chor zusammen, der die Studenten beim Kleinzack ebenso übernimmt wie den stimmungsvollen Background bei der Barcarole, den sie von einer Gondel aus dirigiert.

Damit auch ungeübte Stimmen die Melodie halten können, begleitet Eliana Morretti eher forte als piano auf dem Fortepiano Laien und Profis. Übrig bleibt ein Mordsspaß, der einem diese doch komplizierte Oper nahebringt, eingeteilt in Short stories des Meisters der phantastischen Erzählung. So hätte E.T.A. Hoffmann in der von Jacques Offenbach zu seinem versoffenen Leben komponierten Oper bestimmt auch sein Spiegelbild wiedergefunden, das er in seiner verzweifelten Verliebtheit an Dapertutto verloren hat.

Stefan Fleischhacker (Hoffmann), Melanie Wurzer (Antonia) © Christa Fuchs
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