Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Kerstin Grotrian, Paul Müller © Christa Fuchs

DAS LAND DES LÄCHELNS als Schmunzeloperette

Paul Müller, Kerstin Grotrian, Stefan Fleischhacker © Christa Fuchs

Großes Musiktheater mit viel Witz auf kleine Bühne gestellt

„Dein ist mein ganzes Herz“ ist eine Melodie, bei der man gerne mitsingen möchte, wenn Stefan Fleischhacker als Prinz Sou-Chong die Liebe seiner schwerstens beleidigten Lisa wieder gewinnen will. Und akkurat, im L.E.O., dem letzten erfreulichen Operntheater, hört man dabei um sich herum zumindest leises Summen. Ganz unschuldig an dieser Undiszipliniertheit ist der Prinzipal, der für seine kleine Bühne im 3. Bezirk dieses gewaltige Stück Musiktheater komprimiert hat, keineswegs. Er hat aus „Das Land des Lächelns“ eine Operette zum Mitsingen gemacht. Es beginnt schon damit, dass Gustl in Person des sowohl stimmlich als auch als Komiker ansprechenden Buffos Paul Müller gleich am Anfang das Gesangsvermögen des Publikums testet. Es geht um „Hoch soll sie leben!“, allerdings in der Version von Franz Lehár, die sich doch vom üblichen Geburtstagsständchen unterscheidet. In der Folge kommt es mehrmals zu Gesangseinlagen im Zuschauerraum, der passenderweise mit Percussions-Instrumenten in Form chinesischer Essstäbchen ausgestattet ist.

Kerstin Grotrian © Christa Fuchs

Das macht natürlich den frömmsten Zuschauer übermütig und lässt ihn nicht vor der Mitwirkung an oben genannter Arie zurückschrecken. Es ist also der Witz, der es möglich macht, Lehár mit vier Personen und einem Klavier (mehr als Korrepetition, eher wie eine Kapellmeisterin: Kaori Asahara) trotz allen Schmunzelns ernsthaft aufzuführen.

 

Kerstin Grotrian ist der weibliche Teil des Buffopaares, die ihren großen berührenden Auftritt am Schluss hat, wenn sie das ursprüngliche Duett „Meine Liebe, deine Liebe“ in ihrer Trauer um den verschwundenen Windbeutel Gustl noch einmal durchdenkt. Da der Raum nicht groß ist, ist es ihr möglich, immer leiser und damit eindringlicher zu werden, bis zum Anhalten des Atems der Menschen vor sich, die in diesem Moment mit der kleinen Chinesin Mi voll mitfühlen können.

Die große Diva in jedem Sinn des Wortes ist Elena Schreiber als Lisa. Sie versteht es, in einer Sekunde von dramatischen Liebesschwüren in den Blödelstatus umzuschalten, ohne sich dabei an ihrer souveränen Stimme, die sich mit den höhenmäßigen Herausforderungen dieser Partie zu spielen scheint, was anmerken zu lassen. Sie alle schenken den Zuschauern in der ehemaligen Backstube ein Erlebnis, das diesen Leuten auch ohne Krawatte und Abendkleid einen humorigen Operettenabend beschert.

Stefan Fleischhacker, Elena Schreiber © Christa Fuchs
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