Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Otto Prutscher, Tablett, Schale und Kannen © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum/Manfred Thumberger

Otto Prutscher, Tablett, Schale und Kannen © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum/Manfred Thumberger

DIE SAMMLUNG SCHEDLMAYER „Kunstbesuch“ in einer Badener Villa

Anonymer Fotograf, Villa Rothberger, © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Anonymer Fotograf, Villa Rothberger © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Inspiriert von einem Architekten zu Bewunderung und Erwerb des Schönen

Begonnen hat alles mit dem Kauf der Villa Rothberger in der Kurstadt Baden anno 1989. Hermi und Fritz Schedlmayer ließen das Haus restaurieren und entdeckten dabei eine in der Architektur des Gebäudes verwirklichte Welt großen Kunstgewerbes. Erbaut 1903/04 hatte sie Otto Prutscher, ein österreichischer Architekt und Kunsthandwerker, 1912 umgebaut. Das Ehepaar dürfte sich bei näherem Hinsehen gewundert haben, warum dieser Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts weitgehend unbekannt war. Sie begannen mit akribischer Forschung zu dessen Leben und Werk und hatten in ihren Räumen bald eine stattliche Anzahl von beeindruckenden Einrichtungsgegenständen, Dekorstücken und erlesenem Hausrat aus dessen Ideenschatz zusammengetragen. Nachdem sie nun einmal von der Sammelleidenschaft erfasst waren, wurden auch Arbeiten der bildenden Kunst erworben, beginnend mit dem deutschen Expressionismus (Karl Hofer, Christian Rohlfs, Max Pechstein oder Ernst Ludwig Kirchner), der österreichischen Moderne (zum guten Teil Gemälde von Broncia Koller-Pinell, aber auch Anton Kolig, Franz Wiegele und Anton Faistauer) bis herauf nach dem Zweiten Weltkrieg (z. B. ein weiblicher Torso von Otto Eder).

Otto Prutscher, Prunkschrank, 1911 © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Otto Prutscher, Prunkschrank, 1911 © Privatbesitz, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Heinrich Campendonk, Blaues Pferd © Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Heinrich Campendonk, Blaues Pferd © Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Dieser Schatz blieb bis nach dem Ableben von Fritz (2013) dem privaten Ergötzen der Sammlerfamilie vorbehalten. Erst 2017, ein Jahr vor dem Tod von Hermi, wurde überlegt, die Öffentlichkeit an diesem Kunstgenuss teilhaben zu lassen. Eine großzügige Schenkung von Otto Prutschers Entwürfen, dazu Objekte aus Silber, Glas und Keramik an das MAK zeitigte die erste Schau in Form einer Personale des Künstlers. Beinahe überraschend – die Sammlung an Malerei und Grafik der frühen Moderne war kaum bekannt – wandten sich die Erben an das Leopold Museum. Kurator Ivan Ristić erinnert sich mit einem satten Lächeln, wie spontan die Zusage zu einer Ausstellung und einem Katalog erfolgt ist. Bis 20. Februar 2022 dürfen die Augen des Publikums nun an einer feinen Auswahl sowohl aus Prutschers Œuvre als auch an Malerei und Plastik aus erwähnter Zeit übergehen. Dem Titel „Die Sammlung Schedlmayer“ ist nicht zufällig das Wort „Eine Entdeckung!“ beigefügt.

Ausstellungsansicht Die Sammlung Schedlmayer © Leopold Museum, Wien, Foto: Reiner Riedler

Ausstellungsansicht Die Sammlung Schedlmayer © Leopold Museum, Wien, Foto: Reiner Riedler

Ausstellungsansicht Die Sammlung Schedlmayer © Leopold Museum, Wien, Foto: Reiner Riedler

Ausstellungsansicht Die Sammlung Schedlmayer © Leopold Museum, Wien, Foto: Reiner Riedler

Aus dem MAK entliehen ist die Ausstellungsvitrine, die gleich zu Beginn eine Ahnung von der Ästhetik Otto Prutschers vermittelt. Vor einer als Wand gestalteten Treibarbeit wölben sich hinter Glastüren Regale, auf denen verschiedenste Gläser nach Prutschers Entwürfen präsentiert werden. 1908 stand dieses Prachtstück im Zentrum des diesem Architekten gewidmeten „Raumes für einen Kunstliebhaber“ in der Wiener Kunstschau. Ein paar Schritte weiter dominieren Möbel das ins Museum ausgelagerte Wohnzimmer. Ein Prunkschrank, ein Salontisch, ein Stuhl mit Perlmutt oder eine Kaminuhr mit Gemälden des Jugendstils sind der noble Rahmen für einige wenige sorgsam ausgewählte Gemälde. Bildnerische Kunst füllt hingegen den dritten und vierten Raum. Die Stile und Techniken sind so verschieden wie die Meister, die dabei am Werk waren und vermitteln dennoch eine durchgehende Linie. Man verweilt vor einem Mädchen mit melancholischen Augen von Jean Egger, wundert sich über einen stehenden Akt von Alfons Walde oder blickt verträumt mit Wilhelm Thöny über die Seine zu Notre Dame. Einige der Bilder sollen als Dauerleihgabe dem Leopold Museum verbleiben, die anderen werden wieder, wie es in der Information zum jeweiligen Objekt angegeben ist, allerdings in Privatbesitz bleiben.

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