Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht „Olga Wisinger-Florian“, 2019 © Foto: Leopold Museum, Wien/Leni Deinhardstein

OLGA WISINGER-FLORIAN Blumenbilder mit „männlicher“ Kraft

OLGA WISINGER-FLORIAN, Hortensien © Privatsammlung, Wien Foto: Auktionshaus im Kinsky, Wien

Ohne Scheu vor schöner Malerei als Frau unter vielen Männern

Olga Wisinger-Florian (1844-1926) war bereits über 30 Jahre alt, als sie zur intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei gefunden hat. Was blieb ihr also übrig, als privaten Unterricht zu nehmen. Sie konnte es sich finanziell leisten und war zudem vom Willen, eine professionelle Karriere als Malerin einzuschlagen, beseelt. Man kann sich vorstellen, dass dieses Ansinnen in ihrer Umgebung nicht gerade auf Begeisterung stieß. Eine Frau, noch dazu nicht mehr jung, wollte sich mit den Männern ihrer Zeit an der Staffelei messen – war doch lächerlich! Ab 1880 wurde sie Schülerin des um wenige Jahre älteren Emil Schindler, der längst als arrivierter Künstler galt und Olga in eine neue Dimension des Malens einführte. Darüber hinaus kam sie in Kontakt mit Leidengenossinnen, mit einer Malerinnengruppe. Sie selbst hatte aber bereits zu ihrer Selbständigkeit gefunden und erlangte erstaunlich rasch Anerkennung.

OLGA WISINGER-FLORIAN, Alter Friedhof in Goisern © Privatsammlung, Foto: Leopold M., M. Thumberger

Ausstellungen des Wiener Künstlerhauses waren nur für die Besten möglich. Olga Wisinger-Florian durfte dort ihre Werke zeigen. Nach nur acht Jahren ernsthafter Tätigkeit in diesem Metier zählte sie bereits zu den teuersten und damit meist gesuchten Landschaftsmalern in Österreich. Die Zweifler waren längst lügengestraft. Ihren Markwert konnte sie zeitlebens halten und immer wieder auch steigern. Heute zählen ihre Bilder zu den teuersten in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts.

OLGA WISINGER-FLORIAN, Schmiede bei Bisamberg, 1894 © Privatsammlung Foto: Auktionshaus im Kinsky

Die Ausstellung „Olga Wisinger-Florian. Flower-Power der Moderne“ (bis 21. Oktober 2019) bringt es auf den Punkt, wenn Blumen in das Zentrum ihres Schaffens gestellt werden; an sich ein typisches Frauenthema, das von ihr aber selten kraftvoll umgesetzt wurde. Aus der lieblich romantischen Darstellung der Blumen, wie sie aus dem Biedermeier auf sie herübergekommen war, wurde in ihrem Pinselstrich eine expressionistisch anmutende und damit unabhängige innovative Malerei.

Sie trug die Farben unvermischt auf, nahm die Spachtel, um dem Bild Dynamik zu geben und ließ die Blüten damit aus der Bildfläche beinahe dreidimensional heraustreten. Den Horizont setzte sie extrem hoch, um den Blick über blühende Wiesen, Felder und Blumenbeete weit in die Tiefe wandern zu lassen, egal welches Wetter oder welcher Himmel sich darüber abspielte. Zum strahlenden Licht fand sie erst spät. Sind ihre frühen Werke wie beispielsweise die vier Jahreszeiten 1880 trotz eines meist freundlichen Inhalts eher von einer leisen Melancholie beherrscht, tritt bei der „Schmiede bei Bisamberg“ (1894) der genau umgekehrte Effekt ein.

Das trist herabgekommene Gebäude tritt mit seiner von der Sonne beschienenen Wand dem Betrachter nahezu fröhlich entgegen. Dass Olga Wisinger-Florian auch eine geniale Netzwerkerin war, verrät uns die Ausstellung mit Dokumentationsmaterial wie einem Gästebuch, in dem sich die Namen der Großen ihrer Zeit finden. Ihr Können hatte sich durchgesetzt und ist nach wie vor ein guter Grund, sich Landschaften von anno dazumal anzusehen, wie sie mit dem Blick einer in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Künstlerin in unverdorbener Schönheit verewigt wurden.

OLGA WISINGER-FLORIAN, Oktoberschnee © Privatsammlung Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Ausstellungsansicht © © Leopold Museum, Wien Foto: Lisa Rastl

OSKAR KOKOSCHKA Der Maler wider das Quaken der Frösche

OSKAR KOKOSCHKA, Liebespaar mit Katze, 1917 © Kunsthaus Zürich

Das gewaltige Werk eines Expressionisten, Migranten und Europäers

Wie schon Aristophanes in seiner Komödie „Die Frösche“ seine Athener Landsleute auf die Auflösungserscheinungen des gesellschaftlichen Miteinanders aufmerksam machen wollte, richten sich auch die Botschaften des Malers Oskar Kokoschka ohne Rücksicht auf ästhetische Empfindungen an den für Kunst sensiblen Menschen. Das Bild „Die Frösche“ entstand 1968 und verbirgt hinter den beiden Amphibien aus der Familie der Ranidae, angelehnt an das antike Drama vom Wettstreit zweier Dichter, die ironische Position eines kritischen Künstlers, der sich auf der Leinwand, aber auch im Theater Gehör verschaffen konnte. Er malte gegen den Krieg, indem er ihm die Maske des Heldentums vom Gesicht riss. Das Barackenlager des Brigadekommandos oder das Projektionsgewehr in eingedeckter Stellung sind zwei dieser trostlosen Beispiele aus dem Ersten Weltkrieg. „Anschluss“ –Alice im Wunderland und Loreley entstanden Anfang der 1940er-Jahre, als deutsche Bomben sein Exil in London mit Feuer und Tod überzogen. 1945 widmete er der materiellen Not die berührende Tuschpinselzeichung „Christus hilft den hungernden Kindern“.

O.K. Plakat für Mörder, Hoffnung der Frauen © Leopold Museum,

Der Gekreuzigte beugt sich zu den unschuldigen Opfern des vorangegangenen Massakers herab. Hinter ihm auf dem Querbalken erscheint der Schriftzug „In Memoriam of the children of Europe who have to die of cold and hungert his Xmas.“ OK, wie er signierte, waren die Menschen wichtig. Die von ihm gemalten Frauen waren nicht selten mit ihm persönlich verbunden.

Bei den Großen des Geistes und der Kunst ist deren Persönlichkeit in seinen Porträts deutlicher erhalten geblieben als in jeder gedruckten Biographie. Den von ihm gemalten Städten gibt er eine Seele, wenn er auf Perspektive oder geografische Genauigkeit keinen Wert legt, sondern sich auf Farben und Stimmungen reduziert. Eines seiner Hauptmotive aber war er selber, sein kantiges Gesicht, das eben diese Entschlossenheit widerspiegelt, die Oskar Kokoschka zu einem der wesentlichen Begründer der Moderne und bedeutendsten Vertreter des Expressionismus gemacht haben.

Berlin - 13. August 1966, 1966 © Axel Springer SE

Die Schau, die bis 8. Juli 2019 im Leopold Museum Oskar Kokoschka unter dem Titel „Expressionismus.Migrant.Europäer“ gewidmet ist, wird man jedes der drei Attribute, vereint oft in einem einzigen Bild, wiederfinden. Seine Werke sind allerdings keineswegs einfach zum Anschauen. Wer von ihnen sagt, dass sie schön sind, hat nicht wirklich hingesehen.

Sie irritieren das Auge durch wilde Pinselstriche, die zwischen der von ihm überzeugt vertretenen Gegenständlichkeit und gleichzeitig einem ins Abstrakte zielenden Gestus das Wesentliche des jeweils dargestellten Themas herauslösen und damit sichtbar machen. Gleichzeitig bietet diese Ausstellung einen selten ausführlichen Überblick über das Leben von Kokoschka. Man begegnet seinen Frühwerken wie „Die träumenden Knaben“ und dem einen Theaterskandal entfachende Stück „Mörder, Hoffung der Frauen“, das die Stimmung des jungen Mannes in seiner rasenden, aber unerfüllt gebliebenen Liebe zu Alma Mahler vorbereitet. Die berühmte Puppe, die Kokoschka von Alma anfertigen ließ, bewacht in einer Replik aus 2007 (Denis Savary) die Bilder, auf denen sich der Maler mit seiner Muse verewigt hat. Dazu begleitet seine Korrespondenz die an den Wänden mit viel Freiraum beschaulich gehängten Bilder und lässt neben der Malerei auch die Handschrift erkennen, die wie die ausgewählten Skizzen einen aufschlussreiche Blick in die alles andere als unkomplizierte Persönlichkeit von Oskar Kokoschka ermöglichen.

Selbstbildnis eines „entarteten Künstlers“, 1937 © National Galleries of Scotland
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