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Josef Pillhofer: Ausstellungsansicht Leopold Museum, Wien, Foto Lisa Rastl

Josef Pillhofer: Ausstellungsansicht Leopold Museum, Wien, Foto Lisa Rastl

JOSEF PILLHOFER und die Quintessenz der Skulptur

Josef Pillhofer: Radfahrerin Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Bildrecht Wien, 2021

Josef Pillhofer: Radfahrerin Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Bildrecht Wien, 2021

Eine Retrospektive im Dialog mit den Protagonisten der modernen Bildhauerei

Auguste Rodin, Wilhelm Lehmbruck, Alberto Giacometti oder hierzulande Joannis Avramidis oder Fritz Wotruba sind Namen, die man im ersten Moment mit bestimmten Werken verbindet. Sie haben jeweils eine persönliche prägnante Formensprache entwickelt und den öffentlichen Raum mit ihren Arbeiten geprägt. Wird Josef Pillhofer (1921-2010) genannt, gibt es ein kurzes Stutzen. Oder deutlicher gesagt: Er ist sogar in der Kunstszene weitgehend unbekannt. Dennoch hat er wie kaum ein anderer sein Genre geprägt. Josef Pillhofer war ein Suchender nach der Quintessenz der Skulptur, nach der perfekten Form und letztendlich einer Summe aller der Richtungen, die ihm in mehr als einem halben Jahrhundert seines Schaffens begegnet sind.

Damit ist die Retrospektive, die ihm das Leopold Museum bis 10. Oktober 2021 widmet, gleichzeitig eine Begegnung mit wesentlich namhafteren Zeitgenossen. Wie schon der Titel „JOSEF PILLHOFER im Dialog mit Cézanne, Giacometti, Picasso, Rodin...“ sagt, muss sich der in Wien geborene Bildhauer den Vergleich mit den Großen des 20. Jahrhunderts gefallen lassen. Man braucht nicht eigens zu erwähnen, dass Pillhofer diese von Kurator Hans-Peter Wipplinger auferlegte Prüfung mit Bravour besteht. Einerseits ist es eine der seltenen Möglichkeiten, in dem von Wipplinger künstlerisch geleiteten Museum einem Bildhauer so nahe zu kommen wie in dieser Ausstellung, andererseits eröffnet sich für das Haus selbst eine Perspektive, die Sammlung um einen maßgeblichen österreichischen Künstler erweitern zu können.

JOSEF PILLHOFER: Orkan in Manhattan, 1996 Foto: Leopold Museum/Manfred Thumberger © Bildrecht 20212

JOSEF PILLHOFER: Orkan in Manhattan, 1996 Foto: Leopold Museum/Manfred Thumberger © Bildrecht 20212

Helmut Baar: Josef Pillhofer in seinem Atelier

Helmut Baar: Josef Pillhofer in seinem Atelier Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Helmut Baar/Imagno/picturedesk.com

Die ersten Schritte in das lebenslange Dasein als Bildhauer ist Josef Pillhofer in der Grazer Kunstgewerbeschule gegangen. Sein Vater, ein Bahnbeamter, versah in Mürzzuschlag Dienst und die Mutter Dorothea hatte das Talent ihres Sohnes erkannt und riet ihm, 1938 in der Bildhauerklasse Wilhelm Gössers zu inskribieren. Noch im selben Jahr erhielt er den Förderungspreis der Hochschule für Gestaltung Linz. Den Dienst in der Wehrmacht nützte er, an den jeweiligen Fronten Landschaftszeichnungen anzufertigen und die darauf folgende Gefangenschaft für Porträts von Mithäftlingen. In den Jahren nach dem Krieg ist Fritz Wotruba sein Lehrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die erste große Ehrung erfolgt 1950, als Pillhofer den Staatspreis der bildenden Künste erringt und gleichzeitig damit das Stipendium für einen einjährigen Parisaufenthalt. Angeleitet von seinem Lehrer Ossip Zadkine entstehen in seinem Atelier die ersten abstrakten Skulpturen. Pillhofer ist in eine Welt geraten, in der radikal die jüngsten Strömungen diskutiert werden und gleichzeitig der Kontakt zu deren diversen Wegbereitern wie Constantin Brâncuşi, Germaine Richier oder Serge Poliakoff möglich ist.

Josef Pillhofer Ausstellungsansicht Leopold Museum, Wien, Foto Lisa Rastl

Josef Pillhofer: Ausstellungsansicht Leopold Museum, Wien, Foto Lisa Rastl

Eine erste eigene Ausstellung 1951 verschafft ihm in diesen elitären Kreisen bereits einen guten Namen. Josef lernt auf einer Reise durch Frankreich seine spätere Frau Waltraut kennen und heiratet sie nach seiner Rückkehr nach Wien. Auch in der Heimat gibt es Anerkennungen, dazu eine Galerie und die Mitgliedschaft im Art Club. Nach dem Ritterschlag jedes Künstlers durch die Teilnahme an der Biennale in Venedig bringt ein Lehrauftrag an der Akademie verlässliches Einkommen. Ein per Stipendium finanzierter Romaufenthalt bringt ihn in Berührung mit den antiken Statuen, was wiederum eine Bereicherung seines Œuvres bedeutet. Sein Wort hat längst Gewicht in der österreichischen Kunstszene, als er 1970 in Graz Professor an der Kunstgewerbeschule wird und ab 1980 öffentliche Aufträge folgen. Als Spiegel seines Lebenswerkes entsteht in einem von ihm erworbenen Sägewerk in Neuberg eine Skulpturenhalle, die 2008 mit der Ausstellung „Josef Pillhofer: Realität und Abstraktion – Skulpturen und Zeichnungen“ eröffnet wird. Im Sinne dieses Titels ist auch die gesamte Arbeit von Pillhofer zu betrachten: Wenn gegenständlich, dann kompromisslos in natürlicher Harmonie und Schönheit eines Körpers, wenn abstrakt, dann klar reduziert auf den Gedanken und den zugrunde liegenden Formen, egal ob es sich um die Idee eines Kopfes, einer Radfahrerin oder der eines Sturmes handelt.

Josef Pillhofer: Ohne Titel, undatiert © Leopold Museum/Manfred Thumberger © Bildrecht Wien 2021

Josef Pillhofer: Ohne Titel, undatiert © Leopold Museum/Manfred Thumberger © Bildrecht Wien 2021

Josef Pillhofre: Sitzende nach links, Paris 1950

Josef Pillhofre: Sitzende nach links, Paris 1950 Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Bildrecht Wien, 2021

Erschienen ist zur Ausstellung der Katalog „JOSEF PILLHOFER im Dialog mit Künstlern der Modernde“. Eingeleitet wird der Schaugenuss auf großzügig angelegten Bildtafeln mit Beiträgen von Hans-Peter Wipplinger, Alfred Schmeller und Ivan Ristić, ergänzt durch eigene Überlegungen des Künstlers unter „Entstanden in Paris“, und beschlossen von Aline Marion Steinwender als Redakteurin seiner Biografie.

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