Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Unknown Familiars, Ausstellungsansicht

Unknown Familiars, Ausstellungsansicht

UNKNOWN FAMILIARS Begegnungen aus sechs Kollektionen

Ana Bešlić, Zweifarbige Skulptur 38

Ana Bešlić, Zweifarbige Skulptur 38

Mehr als 200 Werke aus den Sammlungen der Vienna Insurance Group

200 Jahre gibt es den Wiener Städtischen Versicherungsverein bereits, eine für solche Institutionen sensationell lange Zeit. 1824 sprach man noch von einer Assekuranz, in der mittels einer kollektiven Risikoübernahme Gefahren „zur See, auf Flüssen und bei Versendung zu Lande, auf Hafen-, Revier- und Feuer-Gefahr“ (Quelle: Satzung einer 1779 gegründeten Hamburger Kompagnie) begegnet wurde. Waren die Versicherten seinerzeit große Unternehmen, hat sich der Kundenkreis längst auf die breite Bevölkerung erweitert. Jeder von uns ist mehrfach versichert und hat bestimmt auch schon davon profitiert, als er unter Umständen mehr herausbekommen, als er laut seiner Polizze eingezahlt hat. Dass die Versicherungen trotzdem über genügend Geld verfügen, ist eines der großen Geheimnisse, das jedoch jeder Finanzexperte mit links erklären könnte.

Antonín Procházka, Dame mit Strohhut, 1922 © Kooperativa pojišťovna

Antonín Procházka, Dame mit Strohhut, 1922 © Kooperativa pojišťovna, a.s – Vienna Insurance Group, Prague, Foto: Kooperativa pojišťovna, a.s – Vienna Insurance Group, Prague

Kris Lemsalu, Phantom Camp VIII, 2014 © BTA Baltic Insurance Company AAS

Kris Lemsalu, Phantom Camp VIII, 2014 © BTA Baltic Insurance Company AAS – Vienna Insurance Group, Riga, Foto: Jorit Aust

Was aber tun mit dem Vermögen? Eine der segensreichsten Anlagen ist die Kunst. Die mittlerweile „Vienna Insurance Group“ genannte Anstalt hat sich in einer Reihe europäischer Länder etabliert und dort das Kulturleben eifrig gefördert. Beachtliche Sammlungen sind entstanden, mit Arbeiten aus unterschiedlichen Epochen und immer wieder, aber nicht nur, auf die nationale Herkunft bezogen. Unter dem Titel „Unknown Familiars“ (bis 6. Oktober 2024) wurden nun 200 Werke aus Österreich, Tschechien, Serbien und Lettland in einer umfangreichen Ausstellung vereinigt. Bis zu einem gewissen Grad gehören die Artefakte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, tatsächlich einer großen Familie an. Es liegt im Auge der Besucher, das Verbindende zu finden, das Überraschende zu genießen und über die mediale Vielfalt zu staunen. Die Architektur der Schau betont mit Inseln, in denen Gemälde, Fotographien und Skulpturen losgelöst von den Wänden präsentiert werden, das Vorübergehende, nicht zuletzt, da es sich um eine Gastveranstaltung im Leopold Museum handelt.

František Kupka, Norwegische Vision, vor 1900 © Kooperativa pojišťovna

František Kupka, Norwegische Vision, vor 1900 © Kooperativa pojišťovna, a.s – Vienna Insurance Group, Prague, Foto: Kooperativa pojišťovna

Ein Tipp: Der umfangreiche Katalog zeigt in seltener Vollständigkeit die einzelnen Objekte und bietet dazu ausführliche Kommentare des Kuratorenpaars Philippe Batka und Vanessa Joan Müller. Deren Texte ersparen es dem Betrachter, die winzigen, in Bodennähe angebrachten Informationstafeln mühsam entziffern zu müssen. Mit dem Buch in der Hand hat man also genügend Freiheit, sich dem „Jüngling im Wasser“ von Jan Preisler, der „Map“ von Luiza Margan, „Anschluss – Alice im Wunderland“ (Oskar Kokoschka) oder den bedeutungsvollen Händen, wie sie Neša Paripović in „Verhältnis Hand Kopf 3“ fotografiert hat, und vielen mehr beschaulich zu widmen.

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