Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Noble Begierden, Ausstellungsansicht

Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht

NOBLE BEGIERDEN Kunstmarkt von der Antike bis Sedelmayer

Willem van Haecht (1593–1637), Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest, 1628 © City of Antwerp

Willem van Haecht (1593–1637), Die Kunstkammer des Cornelis van der Geest, 1628 © City of Antwerp Collection, Rubenshuis Foto: CC BY-SA KIK-IRPA, Brussel

Ein beeindruckend sehenswertes Plädoyer für die Bedeutung des Geldes in der Kunstgeschichte

Was macht den Wert eines Bildes oder einer Skulptur aus? Die naheliegende Antwort: Natürlich seine Ausführung und ein bekannter Name. Stimmt! Aber ohne einen entsprechenden Markt verstaubt das genialste Werk im Atelier. Damit rückt die bis 6. April 2026 im Gartenpalais Liechtenstein präsentierte Ausstellung eine bisher eher verschämt an den Rand geschobene Facette in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Noble Begierden“ wird „Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts“ erzählt. Keine Angst vor Theorie: Aus dem Besitz der Fürstlichen Sammlungen und internationaler Leihgeber (z. B. Albertina, Kunsthaus Zürich, Minneapolis Institute of Art Collection oder die Florentiner Uffizien) wird eine eindrucksvolle Promenade entlang bedeutender Kunstwerke geboten. Gastgeber ist Seine Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, der auf mehr als vier Jahrhunderte Sammlungsgeschichte seiner Familie zurückblickt und überzeugt ist, dass diese Schau „über den kunsthistorischen und analytischen Ansatz hinaus auch die Wertschätzung für das gemeinsame kulturelle Erbe Europas fördern“ wird.

Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht

Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht

Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606–1669), Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Zeichnung nach dem Porträt des Baldassare Castiglione von Raffael, 1639 © Wien, Albertina

Yvonne Wagner, Chefkuratorin der Fürstlichen Sammlungen, hat gemeinsam mit deren Direktor Stephan Koja und dem Leiter des Belvedere Research Center, Christian Huemer, die prächtigen Räume des Palais zu einer reichlich illustrierten Zeitleiste in einem geografischen Raster verwandelt. Die Anfänge des Kunstmarkts liegen in der Antike. Dank eines Wettstreits der griechischen Stadtstaaten um beeindruckende Werke und einer Bewunderung durch die Römer, die sich in finanzkräftiger Kauflust ausdrückte, hatte sich ein Netzwerk von Agenten, Auktionatoren, Restauratoren und unvermeidlich auch Fälschern formiert. So wird man von einer Nachbildung der 1506 gefundenen Laokoon-Gruppe empfangen. Auf einem Porträt von Tizian ist der Gelehrte und Kunsthändler Jacobo Strada zu sehen. Er hält eine antike Skulptur in Händen, die er wohl seiner Klientel, bestehend aus politischen und wirtschaftlichen Eliten, zum Kauf anbot. Im 15. Jahrhundert herrschten in Florenz die Medici, ein kunstsinniges Geschlecht, dem wir die Entdeckung und Förderung von Meistern wie Michelangelo, Botticelli oder Leonardo da Vinci verdanken. Zur gleichen Zeit hatte sich in Antwerpen bereits eine Art Kunstmesse etabliert, die Sammlern einen praktischen Überblick und Künstlern wie Pieter Bruegel dem Älteren das entsprechen Forum bot.

François Bunel d. J. (1552–vor 1599), zugeschrieben, Die Beschlagnahmung

François Bunel d. J. (1552–vor 1599), zugeschrieben, Die Beschlagnahmung des Inhalts einer Kunstgalerie, um 1590 © Den Haag, Mauritshuis

Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht

Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht

1604 vermerkte bereits der niederländische Kunsthistoriker Karel von Mander: „Kunst ist dort glücklich, wo Reichtum herrscht“, und verwies damit auf die Stadt Amsterdam, in der, so die Kuratorin Wagner, der erste echte Massenmarkt entstand. In der wunderbar nach alten Büchern duftenden Bibliothek trifft man auf Rembrandt und auf sein Vorbild Raffael, dessen „Porträt von Baldassare Castiglione“ einen sagenhaften Preis erzielt hatte und ihn zur Nachahmung anregte. Im 17. Jahrhundert prägten länderübergreifende Netzwerke den Kunstmarkt. Es war die Zeit, in der Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein neben luxuriöser Einrichtung Kunstwerke zu erwerben begann und so den Grundstein für die heutige Sammlung legte. Später waren es Auktionen in Paris und London, die Begehrlichkeiten potenter Kundschaft auf sich lenkten.

Zeitgleich schufen in Rom Maler wie Canaletto Veduten, die mit zauberhaftem Licht Fernweh erweckten und den auf Grand Tour befindlichen Sprösslingen des Adels ihre Kunst als Souvenir schmackhaft machten. Um 1900 baute in Wien die Secession um Gustav Klimt eine Aura der Marktferne auf, während in Frankreich Claude Monet begann, mit Variationen gleicher Motive das ungeschriebene Verbot der Wiederholung auszuhebeln. Mittlerweile regte sich auch in Übersee das Interesse an Kunst aus der Alten Welt. Schließlich war es Charles Sedelmeyer vorbehalten, dorthin erste Brücken zu schlagen, aber auch Handel und Expertise in seiner Person zu verbinden. Mit dem Berliner Museumsdirektor Wilhelm von Bode veröffentlichte er ein Werkverzeichnis zu Rembrandt und war damit ein früher Urheber der mittlerweile gebräuchlichen illustrierten Kataloge, ohne die ein gedeihlicher Kunstmarkt nicht mehr denkbar ist.

Tiziano Vecellio, genannt Tizian (um 1488–1576), Jacopo Strada, um 1567/68 © Wien, KHM

Tiziano Vecellio, genannt Tizian (um 1488–1576), Jacopo Strada, um 1567/68 © Wien, KHM-Museumsverband

Liechtenstein Logo 333