Kultur und Weindas beschauliche MagazinNoble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts, Ausstellungsansicht NOBLE BEGIERDEN Kunstmarkt von der Antike bis Sedelmayer
Was macht den Wert eines Bildes oder einer Skulptur aus? Die naheliegende Antwort: Natürlich seine Ausführung und ein bekannter Name. Stimmt! Aber ohne einen entsprechenden Markt verstaubt das genialste Werk im Atelier. Damit rückt die bis 6. April 2026 im Gartenpalais Liechtenstein präsentierte Ausstellung eine bisher eher verschämt an den Rand geschobene Facette in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Noble Begierden“ wird „Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts“ erzählt. Keine Angst vor Theorie: Aus dem Besitz der Fürstlichen Sammlungen und internationaler Leihgeber (z. B. Albertina, Kunsthaus Zürich, Minneapolis Institute of Art Collection oder die Florentiner Uffizien) wird eine eindrucksvolle Promenade entlang bedeutender Kunstwerke geboten. Gastgeber ist Seine Durchlaucht Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, der auf mehr als vier Jahrhunderte Sammlungsgeschichte seiner Familie zurückblickt und überzeugt ist, dass diese Schau „über den kunsthistorischen und analytischen Ansatz hinaus auch die Wertschätzung für das gemeinsame kulturelle Erbe Europas fördern“ wird.
Yvonne Wagner, Chefkuratorin der Fürstlichen Sammlungen, hat gemeinsam mit deren Direktor Stephan Koja und dem Leiter des Belvedere Research Center, Christian Huemer, die prächtigen Räume des Palais zu einer reichlich illustrierten Zeitleiste in einem geografischen Raster verwandelt. Die Anfänge des Kunstmarkts liegen in der Antike. Dank eines Wettstreits der griechischen Stadtstaaten um beeindruckende Werke und einer Bewunderung durch die Römer, die sich in finanzkräftiger Kauflust ausdrückte, hatte sich ein Netzwerk von Agenten, Auktionatoren, Restauratoren und unvermeidlich auch Fälschern formiert. So wird man von einer Nachbildung der 1506 gefundenen Laokoon-Gruppe empfangen. Auf einem Porträt von Tizian ist der Gelehrte und Kunsthändler Jacobo Strada zu sehen. Er hält eine antike Skulptur in Händen, die er wohl seiner Klientel, bestehend aus politischen und wirtschaftlichen Eliten, zum Kauf anbot. Im 15. Jahrhundert herrschten in Florenz die Medici, ein kunstsinniges Geschlecht, dem wir die Entdeckung und Förderung von Meistern wie Michelangelo, Botticelli oder Leonardo da Vinci verdanken. Zur gleichen Zeit hatte sich in Antwerpen bereits eine Art Kunstmesse etabliert, die Sammlern einen praktischen Überblick und Künstlern wie Pieter Bruegel dem Älteren das entsprechen Forum bot.
1604 vermerkte bereits der niederländische Kunsthistoriker Karel von Mander: „Kunst ist dort glücklich, wo Reichtum herrscht“, und verwies damit auf die Stadt Amsterdam, in der, so die Kuratorin Wagner, der erste echte Massenmarkt entstand. In der wunderbar nach alten Büchern duftenden Bibliothek trifft man auf Rembrandt und auf sein Vorbild Raffael, dessen „Porträt von Baldassare Castiglione“ einen sagenhaften Preis erzielt hatte und ihn zur Nachahmung anregte. Im 17. Jahrhundert prägten länderübergreifende Netzwerke den Kunstmarkt. Es war die Zeit, in der Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein neben luxuriöser Einrichtung Kunstwerke zu erwerben begann und so den Grundstein für die heutige Sammlung legte. Später waren es Auktionen in Paris und London, die Begehrlichkeiten potenter Kundschaft auf sich lenkten.
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