Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAK-Ausstellungsansicht, 2022 MISSING LINK © Stefan Lux/MAK

MAK-Ausstellungsansicht, 2022 MISSING LINK © Stefan Lux/MAK

MISSING LINK Kunst & Architektur – Back to the 70ies!

Missing Link, Gehsteigordner, 1973 © MAK

Missing Link, Gehsteigordner, 1973 © MAK

Erinnerungen an die experimentellen Konzepte einer Architektengruppe

Die Architekten Angela Hareiter, Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz mischten ab 1970 unter dem irritierenden Namen „Missing Link“ Kunst- und Architekturszene gründlich miteinander ab. Ihre Denkansätze waren ihrerzeit einer Elite von Fachleuten vorbehalten, wenngleich sie es wert sind, auch nach etlichen Jahrzehnten in der Breite einer kulturinteressierten Gesellschaft dargelegt zu werden. Das Trio suchte nach fehlenden Gliedern zwischen Mensch, Architektur, Urbanität, Kunst und sozialem Gefüge, mit dem hehren Ziel, das Spektrum ihres ureigenen Metiers losgelöst von konkreten Aufträgen und akademischen Dogmen zu denken. Während des zehnjährigen Bestehens der Gruppe entstand ein vielschichtiges Œuvre, bestehend aus künstlerischen Installationen, Objekten, Malereien, Zeichnungen und Plakaten, aber auch soziologische Studien über das städtische Umfeld, Aktionen und Fernsehfilme. Was in der einschlägigen Szene seinerzeit durchaus Beachtung fand, wurde zum Teil 2014 vom MAK angekauft und durch Schenkungen und Ankäufe peu à peu erweitert.

Missing Link, Das Flaggschiff, 1978 © MAK
Missing Link: Im Café, 1978 © MAK

o._ Missing Link: Im Café, 1978 © MAK

l.: Missing Link, Das Flaggschiff, 1978 © MAK

In einer Ausstellung wird eine Auswahl aus dem umfangreichen Konvolut nun bis 2. Oktober 2022 in der Ausstellungshalle im ersten Stock gezeigt. „MISSING LINK. Strategien einer Architekt*innengruppe aus Wien (1970-1980)“ ist zwar ein Titel, der in seiner gegenderten Sperrigkeit abschreckend wirkt. Überwindet man als Besucher des MAK jedoch die Schwellenangst vor dem Unverständlichen, wird man von einer Fülle an spannenden Objekten überrascht und eingefangen. Die größte Anziehung üben die Zeichnungen aus, deren Witz teils an surrealistische Ideen erinnert. „Fleder-housing“ ist eines der Beispiele. „Kinderwolken“ von Angela Hareiter (1972) oder „Goldenes Wienerherz“ als Architekturskizze von Missing Link stammen aus dem Frühwerk, dem ein Titelbild von MODO aus 1979 gegenübersteht. Ein „Hausboot“ wie „Das Flaggschiff“ als schwimmender Karl-Marx-Hof ist auch durch einen Film von Monty Python geschippert. Selbstverständlich wurde auch das damals noch inspirierende Wiener Kaffeehaus ausführlichen Studien unterzogen. Eben dort wurden bei dichtem Zigarettenqualm und viel Rotwein der „Betonbrecher“, ein „Hängeraum“ oder eine bodennahe „Tränke“ erdacht – immer mit einem nicht explizit gesagten „Vorsicht: Ironie!“

Missing Link, Hängeraum, Zeichnung, 1971 © MAK

Missing Link, Hängeraum, Zeichnung, 1971 © MAK

Missing Link: Tränke, 1971 © MAK

Missing Link: Tränke, 1971 © MAK

Was wurde aus den Protagonisten von „Missing Link“? Angela Hareiter hat ihren Platz im Filmdesign gefunden und reüssiert als Szenenbildnerin. Otto Kapfinger ist bekannt als Architekturforscher und –kritiker und als solcher wissenschaftlicher Berater des Architekturzentrums Wien. Als Universitätsprofessor hat Adolf Krischanitz sein Wissen um die Architektur weitergegeben und ist mit dem Schwerpunkt Möbeldesign als freischaffender Architekt in Wien und Zürich tätig. Im Rahmen der Eröffnung der ihnen gewidmeten Ausstellung waren die drei Mitglieder von Missing Link persönlich anwesend und konnten so dem Kurator Sebastian Hackenschmied (Kostode MAK-Sammlung Möbel und Holzarbeiten) dessen ausführliche Aufarbeitung ihres frühen Lebenswerks absegnen.

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