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MAK-Ausstellungsansicht, 2018 SAGMEISTER & WALSH: Beauty © Aslan Kudrnofsky/MAK

SAGMEISTER & WALSH Keine Scheu vor „Beauty“

Sagmeister & Walsh, Yes!, Unterführung, Brooklyn © Maggie Winters Gaudaen for Pop! Wed Co.

Ein sinnliches Plädoyer für die Lust am Schönen

Ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts begann Schönheit verdächtig zu werden. Der Trend hält bis heute nahezu ungebrochen an. Funktionalität und Sachlichkeit, so lautet das Credo der Kreativen. Alles andere, also Verzierungen oder Ästhetik, ist unnötiger Schnickschnack. Das Künstler-Duo Sagmeister & Walsh wollte sich damit nicht abfinden. Sie brachen für die Schönheit eine Lanze und hoben den Dekor auf den Schild. Das Ergebnis ihres Einsatzes ist bis 31. März 2019 im MAK zu erleben. Die Ausstellung „Sagmeister & Walsh: Beauty“ ist ein klares Bekenntnis zu gesteigerten Eindrücken, die eben nicht aus einfachen Formen, sondern aus dem Überfluss an Schönheit zu gewinnen sind. Gemeint sind damit alle Sinne, weniger das Hirn, das bis in die zeitgenössische Kunst hinein zum oft einzigen Medium des Zugangs wird. Etliche Teile des MAK werden damit geflutet. Besser gesagt, sie ziehen die Besucher an, die nicht nur schauen, sondern auch hören, tasten, riechen und sogar kosten können, und sei es nur ein Wiener Zuckerl, das man genüsslich in den Mund steckt.

Ausstellungsansicht, 2018 SAGMEISTER & WALSH: Beauty © Aslan Kudrnofsky/MAK

Eingeteilt ist die Schau (was für ein mageres Wort für diese opulente Veranstaltung) in sechs Themen. „Was ist Schönheit?“ steht am Anfang und fordert eine persönliche Stellungnahme des Besuchers, die jedoch durch etliche Beispiele bald korrigiert wird. Über einen Exkurs in „Die Geschichte der Schönheit“ wird die entscheidende und diskussionswürdige Frage mit „Im Auge des Betrachters“ gestellt. Dann geht´s richtig hinein in medias res mit „Schönheit erleben“, bevor ausnahmsweise der Intellekt in „Transformierende Schönheit“ gefordert wird.

Den Abschluss des Rundgangs um 70 Objektgruppen macht „Das Schönheitsarchiv“, das durchaus für Architekten und Designer geöffnet werden darf. So ist auch im Bauwesen bald der Schuldige gefunden, der unser Zuhause zu einer tristen Ansammlung von geraden Wänden gemacht hat: Adolf Loos, der jedem bis dahin lustvoll aufgebrachten Dekor abgeschworen hat. Seitdem ist es en vogue, die Menschen in seelenlose Wohnsilos zu stecken, egal wie sie sich darin fühlen.

Ausstellungsansicht, 2018 SAGMEISTER & WALSH: Beauty © Aslan Kudrnofsky/MAK

Das Herzstück, so die Ausstellungsgestalter, ist der gemeinsam mit den in Sachen Kitsch absoluten Profis, nämlich Swarowski, eingerichtete Sensory Raum. Ein sinnlich inszenierter White Cube, eine Art kalte Dampfkammer, darf betreten werden, um sich darin von freundlichen Wellness-Lichtspielen, Vogelgezwitscher und Froschquaken verwöhnen zu lassen.

An dessen Außenhaut funkeln Tausende Swarowski-Kristalle in einem von Sagmeister & Walsh entworfenen Ornament und sollen damit dem Raum einen besonderen Zauber verleihen. Aber da haben wir schon das Problem: Sind wir überhaupt noch imstande, Schönheit angenehm zu empfinden oder sind wir schon gegen alles, was über seine Funktion hinausgeht, allergisch? Sicher aber ist eines, man verlässt die Ausstellung garantiert mit einem anderen Gefühl als man sie betreten hat.

Ausstellungsansicht, 2018 SAGMEISTER & WALSH: Beauty © Aslan Kudrnofsky/MAK
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