Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAK-Ausstellungsansicht, 2019 KUNIYOSHI+ © MAK/Georg Mayer

UKIYOENOW & KUNIYOSHI Japans Unterhaltungskunst

Andrew Archer, Fan of the Game aus der Serie Edo Ball © Andrew Archer, Melbourne

Vom Kabuki-Theater zur Bühnenmaskerade der Hard-Rock-Band Kiss

Die Teufelsfratzen der Sänger, Gitarristen und des Schlagzeugers der Hard-Rock-Band Kiss sind auch dem dieser Musik Fernen nicht unbekannt. Zu sehr unterscheidet sich deren Make-up von anderen Gruppen, dass man sie in den Zeitungsartikeln vor ihren Konzerten in Österreich übersehen könnte. Woher nun „The Starchild“ auf Paul Stanleys Gesicht, „The Demon“ über Augen und Mund von Gene Simmons oder „The Catman“ an Peter Criss kommen, ist erstaunlicherweise in einem Museum zu erfahren. Die Ausstellung „UKIYOENOW. Tradition und Moderne“ (bis 16. Februar 2020) in der MAK Galerie zeigt erstmals in Europa Arbeiten zeitgenössischer japanischer Maler und Illustratoren, die Motive aus Popkultur und Sport in die Ästhetik des Ukiyo-e übersetzen. Dabei handelt sich um eine Sammelbezeichnung für bestimmte Richtungen der japanischen Malerei und Druckgrafik in illustrierten Büchern und Farbholzschnitten, die ihre Wurzeln in der sogenannten Edo-Zeit, dem früheren Namen der Hauptstadt Tokio, Anfang des 17. Jahrhunderts hat.

Megumi Ōishi, KISS VS MCZ Ukiyo-e © UKIYO-E PROJECT

Mit Ukiyo ist im Buddhismus die irdische, vergängliche Welt gemeint, mit dem Buchstaben e schlicht das Bild, wie es davon hergestellt wurde. Die Werke, die nun im MAK zu sehen sind, stammen jedoch durchwegs von lebenden jungen Künstlern. So sind Masumi Ishikawa (geb. 1978 in Tokio), Megumi Oishi (geb. 1985 in Shizuoka) oder des Grafikdesigners Andrew Archer (geb. 1986 in Auckland) vertreten. Zusammengeschlossen sind sie im UKIYO-E PROJECT, das 2014 zum Zweck der Wiederbelebung des Ukiyo-e entstanden ist. Dessen Mitglieder stehen für die Erneuerung der Bildsprache der Edo-Zeit und sind Wegbereiter der Globalisierung japanischer Kunst. Sie alle bedienen sich traditioneller Motive und Techniken des japanischen Farbholzschnittes, greifen jedoch zu aktuellen Unterhaltungsthemen wie Sport, wenn sie dramatisch Basketballspieler in Szene setzen, zu einer Welt voller Gruselmonster und eben zu Musik, in der sich David Bowie ebenso findet wie Kiss oder Iron Maden.

 

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der österreichisch-japanischen Freundschaft hat man im MAK auch auf die eigenen Bestände zurückgegriffen. Unter „Kuniyoshi+ Design und Entertainment im japanischen Farbholzschnitt“ werden ausgewählte Blätter aus der umfassenden Farbholzschnitt-Sammlung aus der Spätzeit des Ukiyo-e im MAK Design Lab gezeigt. Im Zentrum der Schau steht Utagawa Kuniyoshi (1797-1861), einer der innovativsten Künstler des 19. Jahrhunderts.

Ziel der Präsentation ist es, mit diesen Arbeiten eine kreative Antwort auf die großen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Japans dieser Zeit zu geben. Wie weit den Uneingeweihten dieses Anliegen bewegt, mag dahin gestellt bleiben. In erster Linie kann der Besucher in eine Welt eintauchen, die ihm mit Illustrationen von Gedichten wie dem vom abgedankten Kaiser oder mit den Serien zur Geschichte des Prinzen Genji geöffnet wird. Einzelne Blätter erzählen von einer „Puppenschau im Zimmer“ (Utagawa Kunisada I.) oder über „Han Xin, der zwischen den Beinen des Spottenden durchgeht“ (Utagawa Kunyoshi). Man unterhielt sich darüber, wenngleich man keine bestimmten Personen erkannte, da eine Individualisierung der einzelnen Gesichter verboten war. Der Spaß war lange den Bewohnern des Reiches der aufgehenden Sonne vorbehalten, bis es Mitte des 19. Jahrhunderts die große Öffnung Nippons gab, die auch den Menschen des Westens Zugang zu diesem Wunderreich an faszinierend fein ausgeführter Kunst ermöglichte.

Utagawa Kuniyoshi, „Glocke des Miidera-Tempels“ © MAK/Georg Mayer
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