Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Raimund Abraham, Megabridge, 1964 © MAK/Georg Mayer

RAIMUND ABRAHAM Visionäre Architektur mit Poesie der Avantgarde

Raimund Abraham, Kugel-Projekt, 1991 © MAK/Georg Mayer

Zeichnungen, Modelle, Prototypen von baubaren und fantastischen Häusern

Ein Haus soll eine Stadt für vier Bewohner sein, meinte der österreichisch-amerikanische Architekt Raimund Abraham (1933-2010). Damit schien ihm jedoch nicht ausgeschlossen, dass Gebäude einfach auch nur gedachte Gebilde sind, ohne Räume, zu zwei Hälften zerschnitten oder als Universal House eine Kugel. Das House with Courtains ist eine geflochtene Kiste und ein Skelett aus Stahlträgern wurde von ihm schon 1972 mit Blumen zugeputzt. Immer wieder nähert sich die architektonische Form der Kunst, zumal den Mittelpunkt Dreieck und Kreis bilden und damit eher eine Skulptur und Kunst denn ein praktischer Bau sind. So klingt auch ihm Titel der Personale im MAK im Kunstblättersaal feine Poesie an: RAIMUND ABRAHAM. Angles and Angels (bis 18. Oktober 2020). Abraham entwickelte sein Œuvre in enger Verbindung zu Kunst, Philosophie, Literatur und Film. Ausgehend von der Zeichnung als Denkmodell für sein visionäres Werk werden etwa 50 Skizzen, Collagen, Modelle und Entwürfe zu realisierten und unrealisierten Projekten sowie Prototypen von Möbeln gezeigt.

MAK-Ausstellungsansicht, 2020 RAIMUND ABRAHAM © Aslan Kudrnofsky/MAK

Sie loten das Spannungsfeld zwischen individuellen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen seiner Zeit aus und dürfen durchaus als eigenständige, an Phantastischen Realismus gemahnende Werke genossen werden.

 

Zu erfahren ist auch, dass sich Raimund Abraham viel mehr als Theoretiker denn als bauender Architekt verstand. Im Manifest EYES DIGGING (2001) werden sein forschender Zugang zu Architektur und die Bedeutung visionärer Schriftsteller, Philosophen, Dichter, Theoretiker und Komponisten wie Stéphane Mallarmé, James Joyce, Ludwig Wittgenstein und Arnold Schönberg für seine experimentelle architektonische Praxis deutlich. In seine elementaren, reduzierten Entwürfen ließ er archetypische und neo-futuristische Grundformen einfließen. Gemeinsam mit Hans Hollein und Walter Pichler vermittelte er den US-Amerikanern eine Ahnung vom avantgardistischen Aufbruch in der Alten Welt. 1967/68 bespielten sie in der Ausstellung Architectural Fantasies: Drawing from the Collection das MoMA. Filmregisseur Jonas Mekas widmete Abraham mit Scenes from the Life of Raimund Abraham (2013) eine sechsstündige Hommage, die als Teil des Rahmenprogramms am 25.8., 5.9., 22.9. und 26.9.2020 im MAK - Vortragssaal gezeigt wird.

Spektakulär war auch der Neubau des Austrian Cultural Forum in New York, das zu den bedeutendsten Beiträgen zeitgenössischer Architektur in Manhattan zählt. Von dort spannt sich ein persönlicher Bogen in den Kunstblättersaal anno 2020. Der jetzige Leiter des MAK, Christoph Thun Hohenstein, begleitete als damaliger Direktor des Austrian Cultural Forum (September 1999 – August 2007), das 1942 als Institution des Widerstands während des nationalsozialistischen Regimes aus privater Initiative gegründet worden war, die Fertigstellung und Eröffnung des neuen Gebäudes und war für die inhaltliche Bespielung des Hauses bis 2007 verantwortlich.

Raimund Abraham, Universal House, 1967 © MAK/Georg Mayer
MAK Logo 300

Statistik