Kultur und Wein

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Ferdinand Laufberger, Entwurf für ein Bogenfenster © MAK

Ferdinand Laufberger, Entwurf für ein Bogenfenster in der Rotunde für die Wiener Weltausstellung 1873, Wien, 1872 © MAK

KLIMTS LEHRER Meister im Schatten ihres Lehrbuben

Ferdinand Laufberger, Das Blinde-Kuh-Spiel, Wien, 1865 © Otmar Rychlik

Ferdinand Laufberger, Das Blinde-Kuh-Spiel, Wien, 1865 © Otmar Rychlik

Die Kunstgewerbeschule als Kaderschmiede im Wien des 19. Jahrhunderts

Der Vater war ein aus Böhmen stammender Goldgraveur, der sich in Baumgarten, heute 14. Bezirk) niedergelassen hatte. Von den sieben Kindern waren drei Buben: Gustav (*1862), Ernst (*1864) und Georg (*1867), drei begabte Burschen, die trotz einfacher Verhältnisse im Elternhaus einer nach dem anderen in die seit 1867 bestehende Kunstgewerbeschule eintreten durften und dort mit entsprechendem Fleiß ihren Studien nachgingen. Im Gegensatz zur Akademie wurde an diesem Institut Kunst als Gesamtheit gelehrt, also nicht von vornherein zwischen Malern, Bildhauern und Architekten unterschieden. Dennoch war es das Privileg nur der Talentiertesten, dort unterrichtet zu werden. Steht man heute bewundernd vor den Werken Gustav Klimts, kommt einem kaum in den Sinn, dass diese Jahre und eine Reihe von Lehrern dafür prägend waren. Eine Ausstellung im MAK dokumentiert bilderreich nun diesen Einfluss. Kurator ist der freischaffende Kunsthistoriker Otmar Rychlik, ein wunderbarer Erzähler, der weiß, wie man Zusammenhänge offenlegt und so geschickt aufbereitet, dass sich dem Betrachter das Interesse an neuem Wissen förmlich aufdrängt.

Friedrich Sturm, Entwurf für eine Wanddekoration © MAK

Friedrich Sturm, Entwurf für eine Wanddekoration © MAK

Ferdinand Laufberger, Arma Christi, Entwurf © MAK

Ferdinand Laufberger, Arma Christi, Entwurf © MAK

An sich sagt der Titel „KLIMTS LEHRER Jahre an der Kunstgewerbeschule“ (bis 13. März 2022) bereits alles und enthält doch so viel bisher Unbekanntes, um einen Rundgang durch die klar strukturierte Ausstellung zu einer Entdeckungsreise von Künstlern zu machen, die zu Unrecht von Kunstfreunden vergessen und von einem gnadenlosen Markt zu wenig gesuchten Versteigerungsobjekten herabgewürdigt wurden. Den Anfang macht allerdings ein hochbezahltes Gemälde von Makart (Entwurf für das Schlafzimmer der Kaiserin Elisabeth in der Hermesvilla, 1882). Es soll lediglich dazu dienen, die Überladenheit im Werk dieses Stars der Salons zu zeigen. Als Gegensatz dient ein klares Porträt von Rudolf Eitelberger von Edelburg (zugeschrieben Carl Rahl), einem Förderer der Klimtbrüder Gustav und Ernst sowie Franz Matsch und deren erfolgreicher „Malerkompanie“. Unter „Klimts Lehrjahre“ folgen frühe Arbeiten von Gustav Klimt, entstanden zwischen 1878 und 84.

MAK-Ausstellungsansicht, 2021 KLIMTS LEHRER © MAK/Georg Mayer

MAK-Ausstellungsansicht, 2021 KLIMTS LEHRER © MAK/Georg Mayer

„Von ihm habe ich alles gelernt“, soll Gustav Klimt über Ferdinand Laufberger, einem Professor an der Kunstgewerbeschule, gesagt haben. In einer Vitrine ist eine Photographie zu sehen, das die Klasse Laufbergers mit Gustav und Ernst Klimt an dessen Seite zeigt. Dieser Maler war bereits 1860 in Paris mit dem aufkommenden Impressionismus in Berührung gekommen und gab die Präzision in der Genremalerei an Klimt weiter, vor allem aber den Blick auf die charaktervolle Figürlichkeit der dargestellten Menschen wie in „Der Narrenabend des Wiener Männergesangsvereins“ von 1866, einer Karikatur im besten Sinn. Ein anderer, der zur Perfektion von Klimts fotorealistischem Zeichnen und Malen beigetragen hat, war Michael Rieser, dessen Hochaltarfries in der Wiener Schottenkirche unter „Glaubensbilder“ neben Entwürfen für Glasfenster diesen Themenbereich bestreicht. Die von Reiser hinterlassenen Spuren im Werk Klimts manifestieren sich u. a. in der Verwendung von Gold als wertvollen, überirdischen Hintergrund. Als weitere inspirierende Vorbilder kommen dazu Ludwig Minnigerode als Porträtist und der Blumenmaler Friedrich Sturm. Immer wieder stehen in den elf Kapiteln dieser Schau die entsprechenden Bilder Klimts den Werken dieser Meister gegenüber, die zwar zur Vervollkommnung ihres Schülers beigetragen haben, aber nicht desto trotz in dessen Schatten stehen müssen.

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