Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Pfeilspitze Ansicht in der Ausstellung

REITERBÖGEN Archäologie, Rekonstruktion und Experiment

Reiterbögen Ausstellungsansicht

Tödliche Pfeilspitzen als wissenschaftliches Andenken an gefährliche Zeiten

Die Berichte in den Chroniken strahlen bis heute den Horror aus, den die Horden der Mongolen über Osteuropa verbreiteten. Die gepanzerten Ritterheere des christlichen Abendlandes hatten den wild auf ihren wenigen Pferden daher preschenden Kämpfern des Tschingis Khan nichts entgegen zu setzen. Harnisch und Helm bedeuteten zwar Schutz gegen die in Schwärmen auf sie abgeschossenen Pfeile. Dass dabei aber auch ihre schweren Rosse getroffen wurden, die ihre Reiter abwarfen und zu hilflosen Opfern der keineswegs zimperlichen Gegner machten, das konnten sie nicht verhindern. Mit ähnlicher Taktik waren auch die Engländer noch am Beginn des 100jährigen Krieges (1346) gegen die Franzosen siegreich gewesen, als sie mit Langbögen in die auf sie galoppierenden Ritter schossen. Pfeil und Bogen hatten also bis zur Erfindung des Schießpulvers eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Kriegsführung. Umso mehr waren die kleinen Bögen der wilden, aus dem Osten eindringenden Steppenvölker gefürchtet. Vom sattellosen Pferderücken wurden die Pfeile abgeschossen;

Reiterbögen Werkzeug zur Herstellung der Bägen, Pfeile, Köcher

mit einer derartigen Wucht, dass sie unzulängliche Rüstungen aus Leder durchstießen und deren Träger töten konnten. Skythen, Hunnen, Awaren und Magyaren sind die landläufigen Bezeichnungen dieser Horden, die aus den Steppen Asiens auftauchten und Angst und Schrecken verbreiteten. Sie waren Meister des Bogenbaus und sie beherrschten die Herstellung von Pfeilen, die mit metallenen Spitzen ausgestattet waren und damit eine absolut tödliche Waffe darstellten.

 

Geblieben sind davon nach den dazwischen liegenden Jahrhunderten naturgemäß nur die Metallteile. Sehnen, Holz und Horn sind im Boden großteils verrottet. Den Archäologen war es dennoch möglich, die Bögen zu rekonstruieren. Großen Anteil daran hat die Experimentalarchäologie, mittels derer Bauweise und Wirksamkeit erforscht und wieder belebt werden kann.

Den eindrucksvollen Beweis liefert die Ausstellung „Reiterbögen. Archäologie. Rekonstruktion. Experiment“ (bis 24. November 2019) im Schloss Asparn/Zaya, kurz gesagt, in diesem Teil des MAMUZ, der für Ur- und Frühgeschichte zuständig ist. In einem zeitlichen Bogen von 500 v. Chr. bis 1600 n. Chr. wird die, wie sie von den Chinesen genannt wurde, „große Familie bogenspannender Völker“ vorgestellt. Ihre Kampftechniken werden erklärt und das Wissen darum anhand von zeitgenössischen Beschreibungen wie dem eines im 17. Jahrhundert im Palast des türkischen Sultans entstandenen Textes vertieft. Man kann sich dreiflügeligen Pfeilspitzen bis auf wenige Zentimeter nähern, liest die Begründung, warum ein Reflexbogen eine der wichtigsten Erfindungen auf diesem Gebiet war und sieht auf etlichen Abbildungen die Reiter, wie sie virtuos ihre Geschosse abschnellen lassen. Es ist also das versprochene Erlebnis, das auch die Experimente für Erwachsene und Kinder zur spannenden Begegnung mit der Wissenschaft macht.

Bögen und Pfeile der Osmanen

MÄRCHEN, MYTHEN UND SYMBOLE Ausstellungsansicht

MÄRCHEN, MYTHEN UND SYMBOLE als gemeinsames Erbe

Eine Ausstellung für Kinder und Erwachsene

Der Mensch liebt Geschichten, die mehr erzählen als nur die Realität

Es muss nicht immer der klassische Anfang eines Märchens sein, der da lautet: „Es war einmal...“ und damit schon in dieser kurzen Formulierung einen Anspruch auf Tatsachen erhebt, die sich irgendwann genau so abgespielt haben, wie es der Erzähler seinen gespannt lauschenden Zuhörern in den schönsten Bildern ausmalt. Zu verdanken haben wir den Einstieg in diese fantastische Welt voller Symbole und Moralitäten, die nicht selten rigoros und blutig durchgesetzt werden, wohl den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm, die Anfang des 19. Jahrhunderts mündlich tradierte Geschichten aus dem Volk aufgeschrieben haben, eigentlich aus wissenschaftlichem Interesse, damit aber zu legendären Gestalten dieses Genres geworden sind. Die Kinder haben sich dieser Erzählungen bemächtigt und haben darin zumindest eine Ahnung von der uralten Weisheit gefunden, die in jedem dieser Märlein steckt. Bleib´ am Weg und lass dich auf dem Weg zur Großmutter nicht ablenken, wurde dem Rotkäppchen von der Mutter aufgetragen. Was aber hat das ungehorsame Kind gemacht?

Pieter Bruegel der Ältere Sprichwörter entschlüsselt

Statt Kuchen und Wein schnurstracks abzuliefern, hat es Blumen gepflückt und ist dabei zwangsläufig dem bösen Wolf begegnet. Dass am Ende doch noch alles gut ausgegangen ist, verdanken wir dem Jäger, der vom Schnarchen des Wolfes aufmerksam gemacht eine Rettungsaktion eingeleitet hat. Wer oder was ist nun der Wolf, der das Mädchen zuerst verführt und später frisst? Warum ist ihr Käppchen rot? Welche Rolle spielt ein Weidmann, der die beiden Frauen aus dem Bauch des Untiers befreit? Eine Menge Fragen, an denen längst schon Tiefenpsychologen getüftelt haben und nicht selten auf sexuell konnotierte Zusammenhänge gestoßen sind. Und warum sagt man ausgerechnet den Kindern solche Sachen, die sie in ihrer Unschuld gar nicht verstehen können? Ganz einfach, weil es schön ist, zu erzählen und zuzuhören.

MÄRCHEN, MYTHEN UND SYMBOLE Aussstellungsansicht

Das MAMUZ, bekannt dafür, Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie für Familien spannend aufzuarbeiten, hat sich Museum Mistelbach im heurigen Jahr auf das immaterielle Erbe der Menschheit konzentriert und lädt mit „Märchen, Mythen und Symbolen. Der Mensch und seine Geschichten“ (bis 24. November 2019) zu einem „fantastischen“ Rundgang durch eine durch und durch voller Geheimnissen steckende Thematik ein. Freilich wird auch dabei ausgiebig erzählt.

Der Besucher kommt daran eigentlich nicht vorbei, denn man kann die Ausstellung nur betreten oder in die jeweils nächste Station vorrücken, wenn man durch gemütlich eingerichtete Erzählräume geht. Es geht dort um die Frage, ob Salz letztlich mehr wert ist als Gold, die am Ende eindrucksvoll entschieden wird. Dazwischen gelangt man in die Antike, in das Alte Ägypten oder vor ein Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren. Mythen, so der griechische Heros Herakles oder die Götter Isis und Osiris haben Spuren in der Zeit hinterlassen, an denen auch die jüngste Filmindustrie nicht vorbei kann, egal ob es Harry Potter oder Darth Vader vom Krieg der Sterne ist.

Überall wird man mit etwas Aufmerksamkeit genau diese Symbolik finden. Nicht umsonst wurde auch der Drache zum Testimonial der Schau, die liebenswert bemüht uns Heutige wieder das Sehen lehren will. Die niederländischen Sprichwörter unterscheiden sich kaum von den unseren, aber Bruegel hat es verstanden, uns mit einer Vielzahl von Figuren amüsante Rätsel aufzugeben. Bei einigen findet der neugierig Gewordene durch Drehen einer Klappe sogar die Lösung. So kommen zwei Hunde an einem Bein selten überein und große Fische fressen die kleinen. Dazu kommen Fabeln und Legenden, die sauber von Märchen und Sagen abgegrenzt werden. Für die Besucher aus dem nördlichen Nachbarland sind die Texte nicht nur hier, sondern durch die ganze Ausstellung auch ins Tschechische übersetzt. Das dazu erschienen Buch bringt – allerdings nur in Deutsch – ergänzend zu den Objekten eine Menge Wissenswertes zu einer Materie, die uns unbewusst durch ihre Zeitlosigkeit anzieht, ganz nach dem Motto: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Fraisenkette 18. Jahrhundert als Schutzamulett
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