Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


MAYA Ausstellungsansicht

MAYA mit Relikten einer untergegangenen Kultur

MAYA Austellungsansicht

Neues Wissen über eine fantastische Zivilisation in den mittelamerikanischen Regenwäldern

Wer eine Maya-Pyramide zu erklimmen oder sich in einem der Tempelbezirke mit Observatorium und Ballspielplatz umzutun hofft, wird möglicherweise enttäuscht sein. Die Ausstellung „MAYA“ im MAMUZ Mistelbach (bis 22. November 2020) setzt auf den Blick auf die Details und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser einst extrem hochstehenden Kultur, die sich unglaublicher Weise noch in der Steinzeit befunden hat und dennoch erst Anfang des 2. Jahrtausends n. Chr. aus vielerlei Gründen verschwunden ist. So erfährt der Besucher, dass die aus geheimnisvollen Zeichen, teils Hieroglyphen bestehende Schrift mittlerweile entziffert werden konnte und damit gewaltige Aufschlüsse über das Gemeinwesen gewonnen werden konnten. Die Schau umfasst 200 Originalobjekte aus Guatemala, die mehrheitlich in Europa noch nicht zu sehen waren. Tönerne Okarinen, Räuchergefäße in Form von Leoparden oder schimmernder Schmuck aus Jade fangen das Auge ein, das durch die Kleinräumigkeit der Ausstellungsarchitektur geschickt gelenkt wird.

Urne mit Darstellung eines Jaguars, Keramik aus Guatemala

Die Übersetzungen der mit Hieroglyphen beschrifteten Stelen berichten über die darin eingemeißelte Weltanschauung der Maya, während Videos die entsprechenden Landschaftsbilder dazu liefern. Die Exponate sind allesamt Leihgaben aus der Sammlung des Museo Nacional de Archeologia y Ethnologia (MUNAE) von Guatemala. Peter Fritz, Geschäftsführer des MAMUZ, freut sich, dass alle diese Objekte ausnahmslos von legal durchgeführten archäologischen Grabungen stammen. Als Kurator zeichnet Nikolai Grube, Professor für Altamerikanistik und Ethnologie ans der Universität Bonn, dessen Forschungen wesentlich zur Entzifferung der Maya-Schrift und zur Erforschung der Königsdynastien der Maya beigetragen haben.

Lebensgroße Jademaske © Jorge Pérez de Lara Elías

Als um 1600 die Spanier in Mexiko ankamen, fanden sie nur mehr vom tropischen Dschungel überwucherte Reste vor. Die Menschen selbst wussten kaum mehr Bescheid, was ihre Vorfahren an astronomischem Wissen, an Schrift oder an imposanter Baukunst beherrscht haben. Erst mühsame Forschung brachte zutage, dass im 9. Jh. n. Chr. ein zuvor mächtiges Königtum und damit ein funktionierendes feudales System zusammen gebrochen war und dadurch große Städte zu Ruinen verkommen sind. Geblieben sind die Menschen. Bis heute gibt es Mayas und viele ihrer Sprachen. Sie wurden allerdings von den Invasoren zu Hilfskräften degradiert, die als Zimmermädchen oder Souvenirverkäufer ein mageres Auskommen finden.

Sie sind durchwegs katholisch. Die zahlreichen Götter ihrer Vorfahren sind ihnen ebenso kein Begriff mehr wie die ausgeklügelten Kalender, die seinerzeit den Jahresablauf zwischen Mais und Bohnenanbau bis hin zu Zeiten übergreifenden Prophezeiungen geregelt haben.

In diesem Spannungsfeld von einstiger Bedeutung und gegenwärtigem Vergessen hat sich jedoch die Faszination an einer Zivilisation erhalten, die uns die Maya zu einem besonderen, um nicht zu sagen, einzigartigen Phänomen der Menschheitsgeschichte erhoben hat. Im MAMUZ kann man sich zumindest einen Gusto darauf holen, sich selbst in den Dschungel von Mexiko, Guatemala oder Belize zu begeben und sich mutig einer vor vielen Jahrhunderten blühenden Kultur zu nähern.

Geschnitzte Jadeplakette © Jorge Pérez de Lara Elías

Der aktuelle Ausstellungsbericht über Bauen und Wohnen im Mittelalter folgt demnächst.

Pfeilspitze Ansicht in der Ausstellung

REITERBÖGEN Archäologie, Rekonstruktion und Experiment

Reiterbögen Ausstellungsansicht

Tödliche Pfeilspitzen als wissenschaftliches Andenken an gefährliche Zeiten

Die Berichte in den Chroniken strahlen bis heute den Horror aus, den die Horden der Mongolen über Osteuropa verbreiteten. Die gepanzerten Ritterheere des christlichen Abendlandes hatten den wild auf ihren wenigen Pferden daher preschenden Kämpfern des Tschingis Khan nichts entgegen zu setzen. Harnisch und Helm bedeuteten zwar Schutz gegen die in Schwärmen auf sie abgeschossenen Pfeile. Dass dabei aber auch ihre schweren Rosse getroffen wurden, die ihre Reiter abwarfen und zu hilflosen Opfern der keineswegs zimperlichen Gegner machten, das konnten sie nicht verhindern. Mit ähnlicher Taktik waren auch die Engländer noch am Beginn des 100jährigen Krieges (1346) gegen die Franzosen siegreich gewesen, als sie mit Langbögen in die auf sie galoppierenden Ritter schossen. Pfeil und Bogen hatten also bis zur Erfindung des Schießpulvers eine nicht zu unterschätzende Bedeutung in der Kriegsführung. Umso mehr waren die kleinen Bögen der wilden, aus dem Osten eindringenden Steppenvölker gefürchtet. Vom sattellosen Pferderücken wurden die Pfeile abgeschossen;

Reiterbögen Werkzeug zur Herstellung der Bägen, Pfeile, Köcher

mit einer derartigen Wucht, dass sie unzulängliche Rüstungen aus Leder durchstießen und deren Träger töten konnten. Skythen, Hunnen, Awaren und Magyaren sind die landläufigen Bezeichnungen dieser Horden, die aus den Steppen Asiens auftauchten und Angst und Schrecken verbreiteten. Sie waren Meister des Bogenbaus und sie beherrschten die Herstellung von Pfeilen, die mit metallenen Spitzen ausgestattet waren und damit eine absolut tödliche Waffe darstellten.

 

Geblieben sind davon nach den dazwischen liegenden Jahrhunderten naturgemäß nur die Metallteile. Sehnen, Holz und Horn sind im Boden großteils verrottet. Den Archäologen war es dennoch möglich, die Bögen zu rekonstruieren. Großen Anteil daran hat die Experimentalarchäologie, mittels derer Bauweise und Wirksamkeit erforscht und wieder belebt werden kann.

Den eindrucksvollen Beweis liefert die Ausstellung „Reiterbögen. Archäologie. Rekonstruktion. Experiment“ (bis 24. November 2019) im Schloss Asparn/Zaya, kurz gesagt, in diesem Teil des MAMUZ, der für Ur- und Frühgeschichte zuständig ist. In einem zeitlichen Bogen von 500 v. Chr. bis 1600 n. Chr. wird die, wie sie von den Chinesen genannt wurde, „große Familie bogenspannender Völker“ vorgestellt. Ihre Kampftechniken werden erklärt und das Wissen darum anhand von zeitgenössischen Beschreibungen wie dem eines im 17. Jahrhundert im Palast des türkischen Sultans entstandenen Textes vertieft. Man kann sich dreiflügeligen Pfeilspitzen bis auf wenige Zentimeter nähern, liest die Begründung, warum ein Reflexbogen eine der wichtigsten Erfindungen auf diesem Gebiet war und sieht auf etlichen Abbildungen die Reiter, wie sie virtuos ihre Geschosse abschnellen lassen. Es ist also das versprochene Erlebnis, das auch die Experimente für Erwachsene und Kinder zur spannenden Begegnung mit der Wissenschaft macht.

Bögen und Pfeile der Osmanen
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