Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Das. Doreen Quartett im Kerzenlicht © Mirage

Das. Doreen Quartett im Kerzenlicht © Mirage

NUIT DES LUMIÈRES Speisen bei edler Musik im Kerzenlicht

Mislav Brajković, ein Virtuose am Cello © Mirage

Mislav Brajković, ein Virtuose am Cello © Mirage

Ein Abend, der mit seiner Romantik den Alltag vergessen lässt

Über 2000 Kerzen erleuchten das Rund im Zelt und verbreiten mit ihrem Flackern eine beinahe unwirkliche Stimmung. Draußen ist es noch taghell, während drinnen die „Nacht der Lichter“ ihren Lauf nimmt. Die Menschen an den gedeckten Tischen lassen sich davon gerne einfangen und in eine Zeit entführen, in der Fürsten und Prinzessinnen in ihren Schlössern bei Tisch von geübten Musici unterhalten wurden, während sie an der Tafel die von devoten Dienern aufgetragenen Köstlichkeiten schmausten. In der Nuit des Lumières bestehen die Unterschiede lediglich darin, dass sich anstelle der Lakaien ein aufmerksames, aber selbstbewusstes Personal um das Wohl der Gäste kümmert, und vor allem, dass Konzert und Speisen getrennt sind. Beide Attraktionen haben es verdient, allein für sich mit voller Konzentration genossen zu werden.

Ein fein geseckte Tafel bei Nuit des Lumières © Mirage

Ein fein geseckte Tafel bei Nuit des Lumières © Mirage

Stimmmung bei Musik und flackernden Kerzen © Mirage

Stimmmung bei Musik und flackernden Kerzen © Mirage

Nach der Vorspeise, einem wunderbaren Tatar vom Kalb (für Vegetarier eine Cremige Burrata), ziehen drei der Mitglieder des Doreen Quartetts musizierend zur Bühne, auf der das Cello, meisterhaft beherrscht von Mislav Brajković, den berühmten Kanon in D von Johann Pachelbel mit sonoren Tönen eröffnet hat. Nach dem letzten Takt wird die erste Geigerin Ieva Pranskutė zur Moderatorin, die in gut verständlichem Englisch die kommenden Stücke bekannt gibt. Als Reverenz an Wolfgang Amadée Mozart gibt es die Kleine Nachtmusik, bevor es mit dem Libertango von Astor Piazzola argentinisch wird und die Reise wieder zurück nach Wien mit dem Donauwalzer geht. Jetzt wird der Zwischengang aufgetragen, ein Caesar Gourmet-Salat, der den Appetit auf ein rosa gebratenes Black Angus Filet (bzw. ein Blumenkohl-Brokkoli-Steak) so richtig anregt. Bis dahin und nach der Hauptspeise wird wieder aufgespielt. Vier Streichinstrumente schaffen dank raffinierter Arrangements einen faszinierend orchestralen Klang, der über die Kammermusik hinaus mit Soundtracks des Kinos (z. B. Cinema Paradiso von Ennio Morricone) und Juwelen der Popmusik wie „Can You Feel the Love Tonight“ von Elton John die feinsten Ohren überzeugt.

An der zweiten Violine werkt übrigens Yerassyl Khamit und an der Bratsche Gustavo Lennertz. Das Doreen Quartett ist also ein internationales Ensemble, das auf der ganzen Welt Erfolge feiert und mit der Breite seines Programms weit über Klassikfans hinaus seine Zuhörer anspricht. Wenn das Ganze dazu im Rahmen eines Candlelight Dinner Concerts geboten wird, dürften keine Wünsche an einen derart romantischen Abend offen bleiben.

Blick von der Bühne ins Zelt © Mirage

Blick von der Bühne ins Zelt © Mirage

Fünf Herren von Sixx Paxx

Fünf Herren von Sixx Paxx im Anmarsch

SIXX PAXX Muskelmänner lassen Frauen kreischen

Sixx Paxx: Mann mit Mädchen in der Badewanne

Sixx Paxx: Mann mit Mädchen in der Badewanne

Eine kraftvolle Berliner Truppe begeistert auch in Wien das (weibliche) Publikum.

Die Herren sind ausnehmend gut gebaut. Ein toptrainierter Körper ist ihr Kapital und Arbeitsgerät. Dazu können sie grandios tanzen und haben, wie wir in Wien sagen, den richtigen Schmäh bei den Mädels drauf. SIXX PAXX ist Programm und Titel einer Show, in der sich die Disco Musik aus der ordentlich aufgedrehten Tonanlage mit dem quietschenden Gejohle aus dem Rund der Zuschauerinnen matcht, wobei nicht immer klar ist, was von den beiden die Oberhand behält. Männliche Wesen sind im Publikum die berühmte Nadel im Heuhaufen. Sie sind eine verschwindende Minderheit angesichts der Damen, die sich im Mirage zum Polterabend ihrer Freundin, zu einer Geburtstagsfeier ohne störenden Beziehungsanhang oder zu einer ausgelassenen Ladies Night versammelt haben. Allein das gewagte Outfit verrät die Abendteuerlust, bei den angebotenen Burschen, vor allem aber an deren Bodys verwegen Hand anzulegen oder ihrer nackten Haut auf einem schwebenden Bett bzw. in der Badewanne bis zur tabulosen Berührung nahezukommen.

Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise © Mirage

Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise © Mirage

Schummriges Licht, Disco Musik und starke Männer

Sixx Paxx: Schummriges Licht, Disco Musik und starke Männer

Die Herren um den aus Österreich stammenden Schlagzeuger Michael Eisensteyn beherrschen virtuos das sinnliche Spiel mit angedeuteter Erotik. Bräute werden auf die Qualität ihrer Verführungskünste getestet und frisch getrennte Frauen mit einem emotionalen Song getröstet. Die Gunst, mit einem von ihnen vorne zu stehen, wird möglichst gerecht auf die Besucherinnen verteilt. Die Herren sind bereit, ihre Leiberl vom Körper zu reißen und sie ins Publikum zu werfen oder unter rasendem Beifall ihre knackigen Pöpsche zu entblößen. Damit hat es sich aber.

Mehr wird nicht zur Schau gestellt, es gibt keinen Striptease bis zum..., naja, man weiß schon. Der Berliner David ist Mastermind von SIXX PAXX. Ihm ist wichtig, dass alles, was hier passiert, die beteiligten Frauen auch dem Freund daheim erzählen könnten, ohne große Eifersucht zu erwecken. Dennoch: Schon nach wenigen Minuten ist die Stimmung auf dem Pegel eines startenden Flugzeugs, um bis zur Pause anzuhalten, was den Zuschauerinnen ein unermüdliches Organ attestiert. Still wird es erst, wenn Futter angesagt ist. Im Mirage wird zur Revue ein dreigängiges Dinner serviert. Ein fein abgestimmtes Tatar aus Kalbfleisch und Avocado als Vorspeise und ein Hauptgang mit einem sensationellen Lady´s Cut Filet Steak werden von Bananensplit mit Vanilleeis beschlossen. Freilich gibt es auch ein Menü für Vegetarierinnen mit Caesar Salat, gefolgt von cremigem Risotto und frischem Gemüse. Was immer gewählt wurde, es hat geschmeckt und nach dem letzten Bissen wird ohnehin bereits der nächste Auftritt des mit Muskeln und Charme bepackten Ensembles heiß erwartet.

Sixx Paxx beim Körperkontakt mit den Fans

Sixx Paxx beim Körperkontakt mit den Fans

Secret Wonders im Mirage, der Eventlocation im Prater

Secret Wonders im MIRAGE, der Eventlocation im Prater

SECRET WONDERS Viel Genuss bei wundersamen Staunen

Christoph Kulmer und Ben Spade in Aktion © Wolfgang Fischer

Christoph Kulmer und Ben Spade in Aktion © Wolfgang Fischer

Eine Dinner Show mit dem magischen Duo Christoph und Ben

Der Münztrick ist eine elementare Fingerübung eines jeden Zauberers. Im Publikum stecken hinter jedem Ohr Geldstücke, die nur eingesammelt werden müssen. Wenn Christoph Kulmer und Ben Spade einen Sektkübel allmählich mit klimpernden Münzen füllen, dann ist das nur das Entree zu einer Nummer, deren Ausgang derart überraschend ist, dass Applaus der Klasse drei losbricht. Klasse eins ist liebloses Klatschen einiger weniger, bei dem sich in Klasse zwei zumindest die meisten Zuschauer anschließen. Erst wenn sich Bravorufe und begeistertes Trampeln dazu mengen, sind die beiden Magier von der Wirkung ihrer Illusion überzeugt. So dürfen sie sich auf diese Super-Ovationen verlassen, wenn der Führerschein einer jungen Dame unversehrt wieder auftaucht. Die wertvolle Plastikkarte war zuvor immerhin arg malträtiert worden, war in Flammen aufgegangen oder einfach spurlos verschwunden, was dessen Besitzerin sichtlich geschockt hatte.

Eine Freiwillige und ihr verzauberter Führerschein

Eine Freiwillige und ihr verzauberter Führerschein

Mit „Secret Wonders“ wurde ein neues Format im Reich der Zaubershows geschaffen. Üblicherweise arbeiten Künstler dieses Fachs allein, hüten ihre Geheimnisse wie einen Schatz und würden ihre Tricks um keinen Preis verraten, schon gar nicht an einen Kollegen. Christoph und Ben dürften diesbezüglich frei von derlei Vorbehalten sein. Sie werfen einander nicht nur Feuerbällchen über die Köpfe des Publikums hinweg zu, im Doppel moderieren sie launig eine verblüffende Gedankenübertragung und helfen einander, dass bei einem Kartentrick stets die richtige Karte im Stapel verkehrt herum liegt. Große Sensationen wie zersägte Jungfrauen und gefährliche Aktionen wie im Flammenmeer verschwundene „Freiwillige“ gibt es nicht, aber es bleibt das Staunen über viele kleine „Wunder“. Auf geheimnisvolle Weise hängen drei willkürlich eingesammelte Eheringe unzertrennlich als Kette aneinander und sogar das Handy kommt zu seinen Ehren, wenn es öffentlich zerschlagen wird und am Ende dennoch funktionstüchtig aus einem unvermuteten Versteck geholt wird.

Es ist vieles wundersam, was auf der Bühne und im Rund des Zeltes passiert, und es macht Appetit.

Ofenfrisches Brot und würzige Aufstriche verkürzen die Wartezeit bis zum ersten Trick. Es folgt zarte Burrata mit Kirschtomaten und Rucola als Vorspeise. Kulinarischer Höhepunkt der magischen Dinner Show ist das Black Angus Filet Mignon, rosa im Inneren und begleitet von knackigem Gemüse. Vor dem letzten Gong zu einer magischen Zugabe gibt es noch Schokofondant mit köstlich flüssigem Kern als zauberhaften Abschluss einer Kombination aus unterhaltsamer Magie und feinem Essen.

Black Angus Filet Mignon als kulinarischer Höhepunkt

Black Angus Filet Mignon als kulinarischer Höhepunkt