Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Pasetti-Karte im Prunksaal / Foto: Virgil Widrich, 2021

DIE DONAU umkämpft, genutzt, besungen, gemalt und beschrieben

Ausschnitt aus der Pasetti-Karte © Österreichische Nationalbibliothek

Ein „Cours Du Danube“ in die Vergangenheit

Der Weg des Wassers vom Westen Süddeutschlands bis ins Schwarze Meer macht insgesamt 2.800 Kilometer aus. Damit ist die Donau der zweitlängste Fluss Europas. Zehn Länder reihen sich entlang ihrer Ufer, vier Hauptstädte (Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad) und zehn zum Teil vollkommen unterschiedliche Kulturen. Dennoch fühlen sich alle auf verschiedenste Weise zusammengehörig; nicht erst, seit die Habsburgermonarchie von Passau bis zum Eisernen Tor den Strom beherrscht hat.

Hochwasserkatastrophe in Wien im März 1830 © Österreichische Nationalbibliothek

Schon in der Antike spielte die Donau eine entscheidende Rolle. Sie trennte über weite Strecken das Imperium Romanum von den Barbaren, die es trotz aller Schwierigkeiten schafften, diese Barriere zu überwinden und den Lauf der Geschichte gründlich umzulenken. Gegen den Strom herauf kamen Eroberer wie die Osmanen und abwärts trieben Plätten und Zillen mit hochwertigen Handelsgütern nach Südosten. Jeder Anwohner verdankt einen nicht unwesentlichen Teil seiner Existenz dieser Wasserstraße, niemand konnte ihrem Einfluss völlig entkommen. Es ist also immer an der Zeit, einen eingehenden Blick darauf zu werfen, wie derzeit in der Nationalbibliothek.

„Die Donau. Eine Reise in die Vergangenheit“ (bis 7. November 2021) porträtiert diesen einmaligen Natur-, Kultur- und Lebensraum mit exquisiten Objekten aus dem eigenen Bestand. Die Kuratoren Elisabeth Zeilinger und Hans Petschar konnten dabei ins Volle greifen, denn zu jedem der Leitthemen, mit denen die Ausstellung gegliedert ist, fanden sich mehr als genug Beispiele, um den Besucher aus der Gegenwart abzuholen und im barocken Ambiente des Prunksaales eine Fahrt von den Quellen bis zur Mündung anschaulich durchleben zu lassen.

Budapest, Ofen und Pesth © Österreichische Nationalbibliothek

Selten gezeigte Reiseführer sind der „Cours Du Danube“, eine farbenprächtige, die Vitrine ausfüllende Übersichtskarte der Donauländer des italienischen Kartographen Vincenzo Coronelli aus 1688, und das knapp 150 Jahre später von Adolph Kunike veröffentlichte Mappenwerk mit 264 Donauansichten. Wie man vor Bahn und LKW Waren transportierte, zeigt beispielsweise der von Johann Nepomuk Hoechler gemalte „Schiffszug“. Ein solches Unternehmen, Wasserfahrzeuge flussaufwärts zu bringen, war mehr als mühsam. Das Treideln erforderte nicht nur viele Pferdestärken, sondern auch gewaltige menschliche Kraft und nicht selten das Leben der dabei Beschäftigten. So braucht es einen nicht zu wundern, wenn nach überstandener Naufahrt die Gefährte zu Brennholz zerlegt wurden und dieses den Wienern zum Verheizen angeboten wurde. Die Rolle des Stromes als Grenze und Kriegsschauplatz illustriert die erstmals öffentlich zu sehende Handschrift des kaiserlichen Kriegs-Kommissars Heinrich Ottendorf.

Er lieferte darin Kaiser Leopold I. eine „Reisebeschreibung“ von Ofen (Budapest) nach Belgrad. Den Sehnsuchtsraum Donau haben nicht nur Maler wie Jakob und Rudolf Alt fühlbar gemacht. H. C. Artmann, Andreas Okopenko, Peter Handke und Ingeborg Bachmann hielten dazu ihre literarischen Gedanken fest und Johann Strauß hat mit dem Donauwalzer unsere heimliche Hymne komponiert. Der Erstdruck ist neben dem Manuskript der unvollendeten symphonischen Dichtung „Donau“ von Richard Strauss eines der Highlights dieser Schau.

Donauregulierung – Bagger © Österreichische Nationalbibliothek

Um den Strom, der streckenweise nur schwer schiffbar war, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts regulieren zu können, ließ 1857 Hofrat Florian von Pasetti eine Bestandsaufnahme der „österr. Donau“, deren schiffbarer Lauf damals immerhin zur Hälfte in der Monarchie lag, erstellen.

Im bemerkenswerten Maßstab 1 : 28.000 wurden Karten angefertigt. Aneinandergereiht ergeben die 54 Blätter ein Leporello mit einer Länge von mehr als 36 Metern. Die Wanderung entlang der in Ausstellung gezeigten 1 : 1 Reproduktion der Pasettikarte bietet nicht nur ein Erlebnis für Hobbygeographen, sondern auch die mit einem Anflug von Wehmut verbundene Erkenntnis, wie sehr sich seit damals sowohl der Strom als auch die Gegebenheiten an seinen Gestaden verändert haben.

Schiffszug © Österreichische Nationalbibliothek
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