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Des Kaisers schönste Tiere, Ausstellungsansicht

Des Kaisers schönste Tiere, Ausstellungsansicht

DES KAISERS SCHÖNSTE TIERE Bebilderte Neugier der Habsburger

Weiße Pfauen, Eduard Gurk, Aquarell/Deckweiß, 1830 – © Österreichische Nationalbibliothek

Weiße Pfauen, Eduard Gurk © Österreichische Nationalbibliothek

Prächtig dargestellte Exotik, als diese sogar Herrschern noch ferne war

Maria Theresia, vor allem aber ihr Gemahl Franz Stephan von Lothringen wollten auch in Wien Einrichtungen haben, wie sie in anderen europäischen Metropolen wie Paris, London oder Rom längst selbstverständlich waren. Dazu zählten auch botanische Gärten und Menagerien, die zusammen mit einem Naturalienkabinett auf rege wissenschaftliche Tätigkeit schließen ließen. So war es keineswegs zu teuer, dafür Sammelreisen zu organisieren, frühe Expeditionen, die nicht der Eroberung, sondern der Bereicherung des Wissens über die noch unbekannte Welt dienen sollten. Eröffnet wurde der Reigen mit einer Karibikreise, geleitet von Nikolaus Jacquin anno 1754. Mit dem 1784 von Jacquins Sohn Joseph publizierten Werk zur Ornithologie der Neuen Welt wurden auf farbenprächtigen Abbildungen Vögel sichtbar, die bis dahin diesseits des Ozeans noch kein Auge gesehen hatte. Die Begeisterung erfasste auch Joseph II., der ein Team von Sammlern und Forschern nach Amerika entsandte. Davon existiert nicht nur eine Auflistung „alle(r) gefährlichen reissenden Thiere als Löwen, Tiger, Pantheren [sic!], Leoparden, etc.“, indianischem Geflügelwerk und Affen, sondern auch Bilder u. a. des Malers Bernhard Albrecht Moll.

Grüne Meerkatze aus der privaten Menagerie Kaiser Franz‘ II./I., Mathias Schmutzer, Gouache,
Weißgefleckter Oktopus aus dem Hof-Naturalienkabinett, Leopold Brunner der Ältere

l.: Grüne Meerkatze aus der privaten Menagerie Kaiser Franz‘ II./I., Mathias Schmutzer, Gouache, ca. 1797 – © Österreichische Nationalbibliothek

o.: Weißgefleckter Oktopus, Leopold Brunner der Ältere, Aquarell/Deckfarben, 1856 – © Österreichische Nationalbibliothek

Tierdarstellungen von diesen Reisen sind nun Teil der Ausstellung „Des Kaisers schönte Tiere“ (bis 26, Juni 2022) im Prunksaal der Nationalbibliothek. In drei Abteilungen werden den Besuchern „Bilder aus den habsburgischen Sammlungen“ nähergebracht. Den Anfang machen die Expeditionen, die in der Folge die Anlage feudaler Menagerien ermöglichen, um zuletzt die Tiermaler des Naturalienkabinetts vorzustellen. Ein Star der Schau ist zweifellos der Elefant, der Ende des 16. Jahrhunderts von Portugal bis Wien trotten musste. Der beklagenswürdige Riese war dem späteren Kaiser Maximilian I. zum Geschenk gemacht worden. Sein Eintreffen in Wien machte gewaltig Furore und schuf eine Legende. Der Elefant hätte ein Baby, das vor seine Füße gefallen war, mit dem Rüssel aufgehoben und der Mutter sachte in die Arme gelegt. Das Wienerherz ging darob über, man fütterte das Tier mit Gugelhupf und anderen Mehlspeisen und brachte es dadurch in aller Liebenswürdigkeit auf schnellstem Weg um. Seine Knochen erinnern bis heute im Stift Kremsmünster, verarbeitet zu einem Sessel, an diese wohl gut erfundene Episode.

Bergzebra, Eduard Gurk, Aquarell, 1833 – © Österreichische Nationalbibliothek

Bergzebra, Eduard Gurk, Aquarell, 1833 – © Österreichische Nationalbibliothek

Spätere Kaiser und auch Feldherr Prinz Eugen legten sich Tiergärten an, um exklusiv Vertreter der exotischen Fauna wie beispielsweise einen Löwen in natura beobachten zu können, und konnten sich sogar dazu durchringen, die grausamen Hetztheater in der Vorstadt zu verbieten. Wenngleich Kaiser Ferdinand I. ob seiner Beschränktheit auch „der Gütige“ genannt wurde, hatte er doch eine tiefe Liebe zur Wissenschaft gepaart mit erstaunlichem Kunstsinn. Sechs Maler standen in seinen Diensten, die sich auf das Tierfach spezialisiert hatten und dem Kaiser einmal pro Woche eine Auswahl an Tierzeichnungen für seinen Unterricht lieferten. Man steht bewundernd vor den akribisch detaillierten Darstellungen eines Leopold Brunner, Leopold Stoll oder Joseph Zehner, die seltene Fische, Insekten, Affen oder bemerkenswerte Vögel für den habsburgischen Hof in erstaunlicher Lebendigkeit auf ihren Kunstblättern festgehalten haben.

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