Kultur und Wein

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„LES DEUX“ „Recital für Cathy“ geht auf Wanderschaft

Ellen Rose Kelly, Christine Rainer © Alice Müller

Ellen Rose Kelly, Christine Rainer © Alice Müller

Drei hochmusikalische Künstlerinnen auf der Suche nach dem Glück

Der italienische Komponist Luciano Berio hat für Cathy Berberian, von 1950 bis 1964 seine Ehefrau, das Bühnenstück „Recital I“ für Mezzosopran und 17 Instrumente geschaffen. Es ist, salopp gesagt, ein äußerst umfangreiches Medley aus einem breiten Spektrum der Musik. Es beginnt damit, dass der Pianist für die Begleitung nicht anwesend ist. Mit dieser Feststellung setzt auch „Le Deux“ ein, nachdem Christine Rainer (Sopran) und Ellen Rose Kelly (Mezzosporan) mit einer klagenden Melodie von Claudio Monteverdi aus dem dunklen Hintergrund der jeweiligen Bühne herausgetreten sind. Warum „jeweilige Bühne“? Im Rahmen der Hotspot-NOW-Reihe tourt die Neue Oper Wien damit durch vier Aufführungsorte in der Stadt. Gleich bleiben dabei nur die zahlreichen Ton- und Geräuschgeräte, alles andere ist eine gewaltige Herausforderung für das Ensemble. Im Theater am Spittelberg sind es beispielsweise drei um das Podium angeordnete Zuschauerränge, die allesamt angespielt werden wollen.

Les Deux © Alexander Wenzel

Les Deux © Alexander Wenzel

Les Deux © Alexander Wenzel

Les Deux © Alexander Wenzel

Christine Rainer und Ellen Rose Kelly verstehen es, in vielen Sätteln zu reiten. Abgesehen von ihren Stimmen beherrschen sie Musikinstrumente wie Violine, Harfe, Schlagzeug und die reichhaltige Percussion. Der riesigen Gran Cassa, also der Großen Trommel, werden neben wuchtigen Schlägen überraschend zarte Geräusche entlockt. Mit Schellen, Klangholz und Akkordeon untermalt Einfrauorchester Ellen Rose Kelly die Habanera aus Carmen und zu den heiseren Klängen eines mit der Hand gepumpten Harmoniums wird der „Erzherzog Johann Jodler“ von Christine Rainer in glasklare Höhen gejubelt. Umgangssprache ist Englisch, mit deutschen Einsprengseln, was auch so bleibt, als endlich Maria Iaiza auftaucht und sich an den Flügel setzt. Nun ist das Trio perfekt. Mit einem Chanson wird es Französisch, bis Altmeister Johann Sebastian Bach zu Wort kommt, besser gesagt, zu Gehör gebracht wird, beeindruckend interpretiert von Maria Iaiza gleichzeitig mit Klavier und Melodica. Immer wieder blitzt der Spaß durch diese Performance, sodass der Eindruck eines Kabaretts mit musizierten Pointen entsteht. Im Grunde scheint es den drei Virtuosinnen jedoch um das Glück zu gehen, wenn sie nach kurzweiligen 70 Minuten das Publikum direkt ansprechen, um es unter diesem Motto zum Mitsingen und Taktstampfen zu animieren.

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