Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Liebeslängich Ensemble © Rolf Bock

LIEBESLÄNGLICH für zwei Morde und eine geplatzte Trauung

Marion Rottenhofer, Andras Sosko © Rolf Bock

Konfuzius sagt, wer heiraten will, muss Horoskope lesen

Sie ist Steinbock mit Aszendent Löwe, er ist Löwe mit Aszendent Steinbock. Verschiedener könnten die beiden nicht sein. Sie, also Frau Maggi Haubenkranz, verbringt ihre Tage als brave Standesbeamtin und ist selbst noch unvermählt. Er dagegen ist niemand geringerer als der berühmte Krimiautor Ilias B., der just von ihr zum dritten Mal getraut werden will, natürlich mit einem ganz jungen Ding, wie es sich eben für einen Mann von seinem Format und (vorgerückten) Alter gehört. Ausgerechnet diesen beiden prophezeien die Astrologen zu eben diesem Zeitpunkt das ganz große Glück – wenn sie nur rechtzeitig zugreifen. Mit einer turbulenten Trauung, die keine wird, weil sich das Mädchen, Saskia, kurz zuvor in den gleichaltrigen Sänger Tommi verliebt hat und kühl „nein“ sagt, setzt die Komödie „Liebeslänglich“ von Folker Bohnet und Alexander Alexy ein. Ob die beiden vom Horoskop vermittelten Heiratskandidaten, also die Standesbeamtin mit dem altjüngferlichen Dutt und der große, weltläufige Dichter, zusammen kommen, soll nicht verraten werden; nur so viel:

Michael Mischinsky, Beate Gramer © Rolf Bock

Es ist ein wirklicher Spaß, den Anstrengungen der Sterne auf ihr Recht zuzusehen und nebenbei noch einen Krimi serviert zu bekommen, bei dem auch Donata, die Schwester von Ilias, und ein geheimnisvoller Chinese namens Leng mit einem deutlich hörbaren Hang für Zitate von Konfuzius eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Liebeslänglich Ensemble © Rolf Bock

Erich Martin Wolf hat dieses ungemein amüsante Stück für die Neue Tribüne Wien entdeckt und inszeniert (Bühne: Siegbert Zivny). Mit seinem verlässlichen Ensemble wurde daraus die subtile Auslotung, wie weit manche Menschen ihr gewohntes Wesen von einem Tag auf den nächsten – es handelt sich um das tief verschneite vierte Adventwochenende – grundlegend verändern können. Beate Gramer ist die elegante Donata, die stets treu zu ihrem Bruder Ilias (Michael Mischinsky) hält.

Die Geschwisterliebe geht sogar so weit, ihm als Trauzeugin zur Verfügung zu stehen. Dass es bereits seine dritte Ehe ist, liegt daran, dass die beiden anderen Frauen hoch versichert rechtzeitig das Zeitliche gesegnet haben. In diesem Fall ist es die liebe Saskia (Fiona Ristl), die sich auf solch gefährlichen Pfad begeben sollte, wäre da nicht Andras Sosko, der als Tommi ihr Herz nach einem Ohnmachtsanfall in seiner Garderobe im Sturm erobert hat.

Marion Rottenhofer läuft angesichts des Altersunterschieds der Brautleute als bissige Beamtin Maggi zu sehenswerter Hochform auf. Dennoch ist sie bereit, dem von Grund auf verhassten Ilias B. das Ja-Wort zu geben. Nicht ganz unschuldig daran ist Wilhelm Prainsack, der sich flugs vom Fahnder für die Versicherung in den Chinesen Leng verwandelt und sich statt der Weihnachtsbäckerei mit Glückskeksen einstellt und irgendwann nicht mehr verheimlicht, dass er zwei Morden auf der Spur ist...

Michael Mischinsky, Fiona Ristl © Rolf Bock
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