Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Zauberflöte im Steinbruch Ensemble © Armin Bardel

DIE ZAUBERFLÖTE wuchtig, poetisch und politisch hoch korrekt

Max Simonischek, Elizabeth Reiter, Nina Tarandek, Marie-Luise Dreßen © Armin Bardel

Ein Wolkentunnel als Heim der Königin der Nacht und des Sarastro

Was wohl Emanuel Schikaneder dazu gesagt hätte, wenn man sein mit freimaurerischer Geheimnistuerei voll bepacktes Libretto dem Zeitgeschmack anpasst. In der Fassung Carolin Pienkos und Cornelius Obonya werden aus den pathetischen Burschen rund um Sarastro Machos, die sich so gar nicht damit abfinden wollen, dass auch eine Frau die Prüfungen bestehen könnte, die sie selbst abgelegt haben, um endlich unter sich zu sein und ihrem Männlichkeitswahn huldigen zu können. Der böse Monostatos (Keith Benard Stonum) ist kein Mohr, sondern ein hässlicher Mann, der alles daran setzt, endlich auch eine Frau zu haben, wenn´s sein muss, mit Gewalt, und die Hauptforderung, die Tamino am Schluss an die Runde richtet, ist nichts anderes, als endlich den Kampf zwischen Mann und Frau friedlich beizulegen. Bei soviel moralischem Update ist es ein Wunder, dass nicht gegendert wird. Das hätte gerade noch gefehlt. Der Steinbruch von St. Margarethen ist also 2019 Schauplatz einer recht neuen ungewöhnlichen Zauberflöte, zumindest was den Text betrifft, nicht die Musik von Wolfgang Amadé Mozart.

Danae Kontora (Königin der Nacht) © Armin Bardel

Dirigent Karsten Januschke fällt jedoch mit voller Wucht der Ouvertüre in entsprechend elektronischer Verstärkung über das Publikum wie der berühmte Watschenbaum her. Aber in einem solchen Ambiente sind feine Töne oder sonstige Nuancen ohnehin nicht angebracht. Alles muss laut sein, an den Reglern des Tonmeisters abgestimmt und der Weite dieses Areals angepasst, um auch die letzten Zuschauerreihen entsprechend zu beschallen. Dass dabei der Live-Charakter verloren geht, ist eigentlich kein Wunder.

Die Bühne bei der Feuerprobe mit Attilio Glaser, Ana Maria Labin © Armin Bardel

Dass es bei aller akustischen Gleichmacherei doch eine Überraschung gibt, dafür sorgt Max Simonischek als Papageno. Er kann nicht wirklich singen, spielt den Vogelmann aber mit berückender Komik in der Tradition Schikaneder und trägt streckenweise die ganze Aufführung. Dass sich bei seinem klanglosen Singen die mit ihm zu Duetten verdammten Sänger ein wenig blöd vorkommen, ist deren Problem. Denn die können wirklich singen und tun es auch, wie Ana Maria Labin als liebreizende Pamina.

Seine Papagena Theresa Dax oder Attilio Glaser als kraftvoller Tamino lassen sich davon ebenfalls kaum irritieren. Aber warum muss eine Königin der Nacht immer irgendwo oben stehen? Die Töne, die sie zu bewältigen hat, sind ohnehin hoch genug. Sie keift nämlich auf ihre Tochter ein und gerät dabei in eine Hysterie, die Mozart unvergleichlich schön in der Koloratur ausgedrückt hat. Danae Kontura ist eine vorbildliche Mutter, die mit dieser Partie hörbar ihren Spaß hat. Ein mächtiger Bass, sofern man es über das Mikrophon beurteilen kann, ist Luke Stoker. Sein Sarastro lässt den Steinbruch beben und trotzdem glaubt man ihm, wenn er beteuert, dass man in diesen heilg´en Hallen keine Rache kennt.

Papagena Theresa Dax, Papageno Max Simonischek © Armin Bardel

Tatort dieses phantastischen Geschehens ist ein Wolkentunnel. Raimund Bauer hat ihn aus verschieden großen Kugeln gebaut und lässt ihn mit Projektionen vom Heim der Königin der Nacht zum Tempel des Sarastro wandeln, dazwischen wird er kurz vom Sternenhimmel zum Weltall mit seinen Planeten und sehr beeindruckend zur Prüfung von Feuer und Wasser, wenn diese Pamina und Tamino, ausgestattet mit der schützenden Macht der Zauberflöte, triumphal bestehen.

Die stimmgewaltigen Aufmärsche von Priestern und anderem Volk bestreitet der Philharmonia Chor Wien. Es sind überhaupt eine Menge Leute zugange, die stets die breite Bühne füllen.

Die Kostüme (Gianluca Falaschi) sind einerseits erstaunlich einfach wie beim federlosen Papageno. Andererseits sind sie ausladend wie die Damenhauben, die wie Drehflügel auf den Häuptern sitzen oder die Spitzhelme, mit denen die Statisterie im Gefolge des Sarastro durch den Steinbruch webt. Das Wichtigste aber bleibt dennoch der Applaus, und der war bei der Premiere überzeugend. Wenn´s den Leuten gefällt, dann ist offenbar alles richtig gemacht worden, egal was ein Beckmesser davon hält.

Sarastro Luke Stoker mit priesterlicher Mannschaft © Armin Bardel
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