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Oper im Steinbruch 2022: NABUCCO

Die Kostüme für Nabucco 2022 sind bereits entworfen

Die Kostüme für Nabucco 2022 sind bereits entworfen

Der Turmbau zu Babel in St. Margarethen

Am 13. Juli 2022 soll Premiere sein. Auf dem Programm steht Giuseppe Verdis Meisterwerk „NABUCCO“, eine musikalische und szenische Auseinandersetzung mit den Themenkreisen Vergeltung und unerschütterlicher Glaube an den richtigen Gott. „ Va, pensiero“, bekannt als „Gefangenenchor, ist nicht nur heimliche Hymne Italiens, sondern ein Ohrwurm der Extraklasse, der dieser Oper seit ihrer Uraufführung 1842 volle Häuser beschert. Wenn dann noch dazu im Steinbruch ein babylonischer Turm in die Höhe wächst, dann darf der künstlerische Direktor Daniel Serafin zuversichtlich sein, dass kein einziges Ticket verfällt.

Modell der Bühne für Nabucco

Modell der Bühne für Nabucco

Das international besetzte Leading Team ist längst intensiv an der Arbeit. Francisco Negrin wird die Oper in die wilde Felsenlandschaft organisch hineininszenieren, unterstützt vom Bühnenspezialisten Thanassis Demiris. Die fantastisch prächtigen Kostüme von Nabucco, Abigeille oder Fenena hat dazu Pepe Corzo entworfen. Für die Lichtspiele, eines der wesentlichen Elemente in der Naturszenerie, und die unentbehrlichen Videos sind Bruno Poet bzw. das Piedra Muda LAB verantwortlich. Für den perfekten Klang, der schließlich im gesamten Areal gleichmäßig sein sollte, sorgt Tonmeister Volker Werner. Der musikalische Teil, also die Leitung des Orchesters, obliegt Alvise Casellatti, dem die Musik Verdis, speziell die korrekten Tempi und die feine Dynamik der Musik besonders am Herzen liegen. Für die Solisten gibt es teils zwei- und dreifache Besetzungen mit durchwegs bekannten Namen, um für die gesamte Spielzeit bis 14. August 2022 stets mit großen Stimmen aufwarten zu können.

Turandot mit Sklavin © Esterhazy / Jerzy Bin

Martina Seerafin als Turandot mit Sklavin © Esterhazy / Jerzy Bin

TURANDOT Große Opernshow in wildromantischer Kulisse

Andrea Shin (Calaf), Marina Serafin (Turandot) © Esterhazy /Jerzy Bin

Andrea Shin (Calaf), Marina Serafin (Turandot) © Esterhazy /Jerzy Bin

Ein lebensgefährliches Quiz wurde zum klangvollen Vermächtnis von Giacomo Puccini

Wie bringt man Tausende Menschen dazu, in die Oper zu gehen? An sich ist dieses Genre Eingeweihten vorbehalten, die viel Geld ausgeben, um nach gehabtem Genuss an Stimmen, Dirigenten und Inszenierung kein gutes Haar zu lassen. Was aber bewegt einen weniger opern-affinen Zeitgenossen, sich über mehr als zwei Stunden einer gar nicht so leicht verständlichen Musik und Italienisch singenden Protagonisten auszusetzen? Das Zauberwort heißt „Festival“. Unter diesem Begriff tauchen in der Vorstellung riesige Parkplätze auf, gefüllt mit den Autos derjenigen, die einfach dabei sein müssen, wenn ein zumeist prominenter Intendant einigermaßen leistbaren Tenören und Sopranen in deren Sommerpause einen Job verschafft. Im Freien läuft dann alles einfach lockerer ab als im ehrwürdigen Opernhaus. Vorher und nachher wird fröhlich gefeiert, dazwischen, also wenn die Vorstellung läuft, mit dem Handy fleißig fotografiert und die geschossenen Bilder per Whats-App oder einem anderen Dienst an nicht anwesende Freunde verschickt.

Alessandro Guerzoni (Timur), Gespenster © Esterhazy /Jerzy Bin

Alessandro Guerzoni (Timur), Gespenster © Esterhazy /Jerzy Bin

Andrea Shin (Calaf), Donata D'Annunzio Lombardi (Liú) © Esterhazy /Jerzy Bin

A. Shin (Calaf), D. D'Annunzio Lombardi (Liù) © Esterhazy /Jerzy Bin

In St. Margarethen im Burgenland gibt es diesbezüglich heuer besonders viele Motive, die einfach festgehalten und geteilt werden wollen. Regisseur Thaddeus Strassberger hat für Giacomo Puccinis Oper Turnadot den mächtigen Römersteinbruch zu einer beeindruckenden Fantasielandschaft rund um einen chinesischen Kaiserpalast verwandelt. Er spart nicht mit Feuerzauber, flackernden Projektionen und halsbrecherischen Einlagen akrobatisch agierender Stuntmen. Um dieses optische Beiwerk mit entsprechender Musik zu füllen, hat der künstlerische Direktor Daniel Serafin eine hörenswerte Besetzung engagiert. Damit wird Puccinis lyrisches Drama um die – sagen wir so – extrem frigide Prinzessin Turandot und deren lebensgefährliches Quiz zum packenden Erlebnis, das bei so manchem bisherigen Skeptiker möglicherweise die Lust auf mehr Oper erweckt.

 

Es nimmt sich seltsam aus, dass eine Reihe von jungen Edelmännern auf der Stelle bereit sind, sich für eine Frau, die sie nur vom Sehen kennen, den Kopf abschlagen zu lassen. Aber so erzählt es das Märchen aus Tausendundein Tag und wir müssen es glauben. Der Stoff hat auch Giacomo Puccini fasziniert und zu seiner letzten Oper inspiriert. Turandot wurde erst eineinhalb Jahre nach seinem Tod am 25. April 1926 in der Mailänder Scala uraufgeführt. Der Schöpfer so vieler ewiger Hits hat uns darin wohl eine Botschaft hinterlassen. Die Liebe vermag das dickste Eis um das Herz eines Menschen zu brechen.

Der chinesische Kaiserpalast im Steinbruch © Esterhazy / Jerzy Bin

Der chinesische Kaiserpalast im Steinbruch © Esterhazy / Jerzy Bin

Freilich löst Calaf, der als unbekannter Prinz auftritt, die drei Rätsel, stößt aber weiterhin auf erbitterten Widerstand der künftigen Braut. Nachdem er ihr die Möglichkeit einräumt, ihn doch hinrichten zu lassen, wenn sie seinen Namen errät, wird es vor allem für seinen geflohenen Vater Timur (Bassist Alessandro Guerzoni lässt die Verzweiflung über seinen Sohn deutlich durchklingen) und die Sklavin Liù (mit herzlich ansprechendem Sopran: Donata D'Annunzio Lombardi) eng. Die in Calaf verliebte Frau geht für ihn in den Tod, um seine Herkunft unter der Folter nicht zu verraten. Andrea Shin, der mit dem Arienschlager „Nessun dorma“ voller Selbstbewusstwein und mit großem Applaus bedacht den Sieg seines Prinzen besingt, kann sich darum aber nicht wirklich kümmern. Seine Gegnerin heißt Turandot. Martina Serafin gibt dazu ihrer Stimme die passende Kälte, die vor allem in den sicheren Höhen frostige Abweisung durchklingen lässt.

Andrea Shin (Calaf) © Esterhazy / Jerzy Bin

Andrea Shin (Calaf) © Esterhazy / Jerzy Bin

Martin Seerafin als Turandot © Esterhazy / Jerzy Bin

Martin Seerafin als Turandot © Esterhazy / Jerzy Bin

Sie ist taub gegen die Bitten des Volkes (Statisterie und Philharmonia Chor Wien), ihres Vaters Altoum (Benedikt Kobel), der drei mitfühlenden Herren Ping (Leo An), Pang (Jonathan Winell), Pong (Enrico Casari) und dem Mandarin (Nikolaj Bońkowski). Dass am Schluss ihr Panzer dennoch zerspringt, feiert Puccini (genau gesagt sind es nur Skizzen, die von Franco Alfano auskomponiert wurden) mit strahlenden Dur-Akkorden, die wie die gesamte musikalische Begleitung seitens des Piedra Festivalorchesters, geleitet von Giuseppe Finzi, einen guten Schuss Italianità in das märchenhafte China mitten im Steinbruch verschaffen.

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