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 Ausstellungsansicht Dalí-Freud. Eine Obsession  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht Dalí-Freud. Eine Obsession Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

DALÍ – FREUD EINE OBSESSION Psychoanalyse auf der Leinwand

Salvador Dalí, Edward James, The Lobster Telephone, 1938 © Fundació Gala-Salvador Dalí

Salvador Dalí, Edward James, The Lobster Telephone, 1938 © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Ein kompliziertes Verhältnis: Der Seelenforscher und sein Bewunderer

Jahrelang hatte sich Salvador Dalí um ein Treffen mit Sigmund Freud bemüht. 1922 war er dank erster Übersetzungen ins Spanische mit dessen Schriften bekannt geworden. Dem jungen Maler eröffnete sich damit eine Welt, deren Existenz er zwar geahnt haben mag, in die er nun aber Schwarz auf Weiß gedruckt den Weg entdeckte, auf wissenschaftlich gesichertem Pfad dort einzutauchen. Darin fand er die gedankliche Basis für den Surrealismus, mit dem er 1925 erste Bekanntschaft geschlossen hatte. Der Künstler setzte alles daran, diesen Mann des Geistes zu treffen. Er reiste drei Mal nach Wien, bekam einen Termin bei Freud, wurde aber von diesem nicht vorgelassen. Ein anderer hätte den Hut draufgeschmissen und hätte sich gekränkt in seinem Stolz von seinem Idol abgewendet; nicht so Dalí, der als Exzentriker offenbar auch mit seinesgleichen, als den er Freud ob dessen Ablehnung angesehen haben dürfte, Verständnis hatte.

Salvador Dalí, Bildnis Sigmund Freud, 1938 © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí
Salvador Dalí, Composició amb tres figures. „Acadèmia neocubista“

 o.: Salvador Dalí, Composició amb tres figures. © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

li.: Salvador Dalí, Bildnis Sigmund Freud, 1938 © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Dalí selbst schreibt in seiner Biographie, dass er durch die Stadt gestreift ist und während er für seine Malerei Inspirationen suchte, im Geiste Gespräche mit Freud geführt hat, um ihn von seiner „paranoisch-kritischen Methode“ zu überzeugen. Er suchte Anerkennung für einen künstlerischen Ansatz und, ganz Dalí, größten und wichtigsten Beitrag zum Surrealismus. Sigmund Freud, der 1938 trotz seines Alters und der Krankheit, die ihn zuletzt quälte, bereits nach London umgezogen war, verachtete die Surrealisten und glaubte nicht, dass sie seine Erkenntnisse über die Seele, über das Unbewusste in ihrer Kunst umsetzen könnten. Auf die Initiative von Stefan Zweig und des kunstsinnigen Multimillionärs Edward James kam es am 19. Juli dieses Jahres zur ersehnten Begegnung mit Freud. Dabei zeigt er dem greisen Psychoanalytiker das Gemälde „Metamorphose des Narziss“ und darf vom Bewunderten mehrere Porträts anfertigen. Mit dem Tod von Sigmund Freud am 23. September 1939 geht auch die freudianische Schaffensperiode des Spaniers zu Ende.

Salvador Dalí, Cisnes reflejando elefantes © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí

Salvador Dalí, Cisnes reflejando elefantes 1937 © Fundació Gala-Salvador Dalí / Foto: Robert Bayer, Bildpunkt

Diese unglaublich kreative Spannung zwischen dem Autor der Traumdeutung und dem Künstler, der darin das „Verständnis der Fantasien, Ängste, Wünsche und Frustrationen seiner Innenwelt“, wie Jaime Brihuega Sierra es definiert, erlangt hat, prägt auch die Ausstellung in der Orangerie des Unteren Belvederes mit dem Titel „Dalí – Freud Eine Obsession“ (bis 29. Mai 2022). Brihuega Sierra ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte an der Universidad Complutense de Madrid und ausgewiesener Spezialist für Salvador Dalí. Es hat als Kurator der Ausstellung in Wien gewirkt und mit Margula Architects ein den Werken Dalís entsprechend ungewöhnliches Erlebnis zu diesem zeitlich umgrenzten Themenkreis geschaffen. Fünf Inseln werden umrundet, auf denen die Besucher Werke von Dalí immer verknüpft mit der Psychoanalyse vorfinden. Rechts hängt beispielsweise „Paranonïa“ und links liest man dazu den Text von Freud und ist verblüfft von der Übereinstimmung zwischen Bild und Wort. Man lernt auch die spätere Gefährtin des Malers kennen. Gala begleitete ihn 1929 nach Paris, wo er sich der Gruppe der Surrealisten um André Breton anschloss und gemeinsam mit Luis Buñuel die beiden Filme „un Chien Andalou“ (1929) und „ L'Âge d'Or “ (1930) drehte. Allein diese beiden Streifen, die in voller Länge gezeigt werden, brauchen entsprechend Zeit, wie auch alles andere an Material, das zu zwei Großen aus grundverschiedenen Genres dafür zusammengetragen wurde.

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