Kultur und Wein

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 Ausstellungsansicht "Das Belvedere. 300 Jahre Ort der Kunst"  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wie

Ausstellungsansicht "Das Belvedere. 300 Jahre Ort der Kunst" Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

300 JAHRE ORT DER KUNST als zentrale Bestimmung des Belvedere

Carl Goebel d. J., Der Marmorsaal des Unteren Belvedere © Belvedere, Wien

Carl Goebel d. J., Der Marmorsaal des Unteren Belvedere © Belvedere

Ein Schloss widmet seiner einzigartigen Geschichte eine Jubiläumsausstellung

1723 wurde auch das Obere Belvedere für vollendet erklärt. Zehn Jahre hatte die Bauzeit der Sommerresidenz des Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen in Anspruch genommen. Sie strahlt bis heute ihre ursprüngliche Intention als ideale architektonische Inszenierung von unendlichem Reichtum und gewaltiger Macht aus. Mit der nächsten Besitzerin, Maria Theresia, wurde die Anlage jedoch bereits 1777 für die Untertanen geöffnet. Sie durften im Oberen Belvedere die kaiserliche Gemäldegalerie bestaunen und so an der feudalen Pracht – ganz im Sinne der anbrechenden Aufklärung – zumindest am Rande teilhaben. Die Regentin wollte mehr als nur höfische Repräsentation bieten, sie wollte ihr Volk auch in einem Bereich bilden, der bis dahin ihresgleichen vorbehalten gewesen war. Das Publikum störte nicht bei glanzvollen Festen wie beispielsweise der Hochzeitfeier von Marie Antoinette. Obgleich Residenz von Franz Ferdinand wurden 1903 hier die Moderne Galerie eröffnet und dem wenig kunstsinnigen Thronfolger zeitgenössische Artefakte ins „Wohnzimmer“ gestellt. 1912 wird schließlich auch „ohne zeitliche Einschränkung“ ältere österreichische Kunst miteinbezogen.

 Elke Silvia Krystufek, Pussy Control, 1997  Foto: Belvedere, Wien
 Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen, 1857  © Belvedere, Wien

o.: Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen, 1857 © Belvedere, Wien

l.: Elke Silvia Krystufek, Pussy Control, 1997 Foto: Belvedere, Wien

Nachdem der Hochadel 1918 als nicht existent erklärt worden war, wurde 1921 aus der k. k. Österreichischen Staatsgalerie die Österreichische Galerie und mit etlichen Aufstellungsorten bereichert. Ab 1923 gab es das Barockmuseum. Mit dem „Anschluss“ 1938 wurde die Moderne Galerie, die in der Orangerie ihren Platz gefunden hatte, geschlossen. Erst 1947 wurde mit dem Aufbau des zerbombten Schlosses begonnen. Ab 1951 gab es erste Ausstellungen. Es wurde wieder Kunst angekauft und 1953 ein regulärer Museumsbetrieb installiert. Einen historischen Höhepunkt stellt die Unterzeichnung des Staatvertrages 1955 dar. Die Republik feierte sich in den Prunkräumen des einstigen Bauherrn. 1986 kam internationale Kunst ins Belvedere und 2011 das 21er Haus (seit 2018 Belvedere 21) als Museum für zeitgenössische Kunst in den Bestand der Institution.

 Gerhart Frankl, Wiedersehen mit Wien II, 1948  © Belvedere, Wien

Gerhart Frankl, Wiedersehen mit Wien II, 1948 © Belvedere, Wien

Mit der Ausstellung „Das Belvedere. 300 Jahre Ort der Kunst“ (bis 7. Jänner 2024) wird dem Publikum anhand einer Zeitleiste die Entwicklung von Schloss und Museum nahegebracht. Den Informationen gegenüber stehen die Werke derjenigen, die vom Belvedere für würdig befunden wurden, in die Sammlung aufgenommen zu werden. Begrüßt werden die Besucher von Prinz Eugen persönlich. Ihn hat Johann Gottfried Auerbach um 1725/1739 in einem Gemälde verewigt, ebenso wie Oswald Oberhuber, der 2009 den Feldherren hoch zu Ross vor gelbem Hintergrund karikiert hat. In der Folge dokumentieren Werke von Gustav Klimt, Egon Schiele, Elke Silvia Krystufek, Ferdinand Georg Waldmüller oder Auguste Rodin das geglückte Werden eines der nationalen Zentren des Kunstverstandes und stets neuer Präsentationen.

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