FREIHERR VON GOLDEGG Johann Matthias Prückelmayr & seine Zeit
Johann Matthias Prückelmayr, Cover
Die außergewöhnliche Karriere vom Bauernbub zum Hofkanzler und Geheimen Rat des Kaisers
Der Heimatforscher August Pachschwöll wohnt nächst dem Schloss Goldegg (bei St. Pölten) und hat dessen Herrschaftsgeschichte aufgearbeitet. Dabei stieß er auf eine in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche historische Gestalt. Einer der Besitzer, Johann Matthias Prückelmayr, wurde im Waldviertel auf einem Bauernhof geboren, schaffte es aber durch Ehrgeiz und Fleiß, das Studium der Juristerei zu absolvieren und gelangte dank seiner Fähigkeiten an den Kaiserhof in Wien. Er stieg dabei zu den höchsten Ämtern des Reiches auf und wurde ob seiner Leistungen nobilitiert, vom Ritterstand bis zum Freiherrn.
Dass sein Wirken in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fiel, erhebt diesen Mann neben dem lokalen Interesse für die Geschichtsforschung zu einer Schlüsselgestalt in diesen für ganz Europa verheerenden Jahren. So wünscht sich Prof. Robert J. W. Evens von der Universität Oxford eine umfassende Monografie zu Hofkanzler Prückelmayr. Eine solche ist nun erschienen, verfasst und herausgegeben von August Pachschwöll.
Stiftsbrief von 1657 mit der Übergabe von Atzgersdorf an die Jesuiten, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Stiftsbrief 7575, Illustration aus dem Buch, mit freundlicher Genehmigung des Autors
Kupferstich Goldegg, 1672, von G. M. Vischer, Illustration aus dem Buch, mit freundlicher Genehmigung des Autors
Der Autor hat dafür unzählige Quellen, um mit der bäuerlichen Herkunft seines Helden zu sprechen, durchgeackert. Er selbst sagt dazu: „Bei der Suche nach Archivunterlagen war festzustellen, dass relativ wenig Material zu Prückelmayr im niederösterreichischen Landesarchiv vorhanden ist. Das Wiener Archiv mit dem ,Wiener Archiv Informationssystem´ ist hier wesentlicher besser aufgestellt. Wie es scheint, hat man jede Erinnerung an Prückelmayr – Goldegg von den NÖ. Ständen verschwinden lassen. Für den Adel bedeutete das Auftreten des Hofkanzlers eine Erniedrigung. Bei der Suche nach Material stieß ich im Österreichischen Staatsarchiv auf das Depot ,Auersperg´. Obwohl die Fürstenfamilie Auersperg erst ab 1780 in den Besitz der Herrschaft Goldegg kam, ist dort als Urkundenbeginn 1642 angegeben. Also stellte ich ein Ansuchen um Einsicht in den Archivalien. Es stellte sich heraus, dass ich eine ganze Wagenladung – das vollständige Auersperg-Archiv – bestellt hatte. Tatsächlich wollte ich nur zwei kleine Rechnungsbücher.“
Wappen des Joh. Matthias Prückelmayr, Freiherr von Goldegg, Illustration aus dem Buch, mit freundlicher Genehmigung des Autors
Neben der peniblen Aufarbeitung des Lebens von Prücklmayr sind es vor allem seine politischen Leistungen, die nun der Öffentlichkeit vorliegen. Pachschwöll: „Prückelmayr leistete als Geheimer Rat des Kaisers, als Hofvizekanzler, aber auch zugleich als Leiter der kaiserlichen Hofkanzlei Außergewöhnliches und war sowohl für Außen- als auch der Innenpolitik zuständig. Die Herausforderungen des westfälischen Friedenskongresses (1643 – 1649), die auf den Geheimen Rat und Hofkanzler sowie seiner Hofkanzlei zukamen, waren enorm. Über die Hofkanzlei lief der Briefwechsel des Kaisers mit seinen Gesandten in Münster und Osnabrück. Die Korrespondenzen behandelten schwedische und französische Forderungen und Zugeständnisse, aber auch mannigfache Probleme des Reiches, die Wünsche der Schweizer Eidgenossenschaft, der Niederlande und auch Spaniens.“ Es wird auch nicht verschwiegen, dass dieser Herr durchaus bestechlich war und als geförderter und geschäftstüchtiger Emporkömmling gesehen wurde, was sich nicht zuletzt in der rapiden Zunahme seines Besitzes ausdrückt, zu dem zweifellos auch die diese Arbeit auslösenden Schloss und Herrschaft Goldegg zählen.