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Spurensuche Byzanz, Ausstellungsansicht

Spurensuche Byzanz, Ausstellungsansicht

SPURENSUCHE BYZANZ auf Papyrus, Pergament und Papier

Spurensuche Byzanz, Blick in die zentrale Vitrine

Spurensuche Byzanz, Blick in die zentrale Vitrine

Schriftzeugnisse aus der 1.100 Jahre währenden Geschichte des oströmischen Reiches

Drei Grundfesten waren es, auf denen die byzantinische Gesellschaft ruhte. Die Religion war christlich, die Leitkultur griechisch und die Staatsordnung römisch. Diese Dreiheit fand ihren Niederschlag auch in den schriftlichen Zeugnissen, die uns aus der enorm langen Zeit des Bestehens (395-1453) dieses Reiches überliefert sind. Der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde bekanntlich erst Ende des 15. Jahrhunderts erfunden, weswegen alles mit der Hand geschrieben werden musste. Aber die Byzantiner waren fleißige Schreiber, denen wir die Überlieferung antiker Klassiker, aber auch die Bibel und eine Reihe von Texten, die von Briefen, Verträgen bis zu Gedichten reichen, verdanken. Nicht immer ist es jedoch einfach, diese festgehaltenen Informationen zu lesen. Nicht jedes Buch hat als solches in seiner Bindung überlebt und bei vielen Aufzeichnungen, vor allem auf Papyrus und Papier, hat der Zahn der Zeit sein zerstörerisches Werk getan.

Ketten der Gelehrsamkeit Griechisch – Konstantinopel Handschrift, 11. Jh. © ONB

o.: Ketten der Gelehrsamkeit Griechisch – Konstantinopel Handschrift, 11. Jh. © ONB

r.: Heidnische Poesie und christliche Briefe Griechisch – Ägypten Papyrus, spätes 5.–6. Jh. © ONB

Heidnische Poesie und christliche Briefe Griechisch – Ägypten Papyrus, spätes 5.–6. Jh.

So lautet der Titel der Ausstellung im Papyrusmuseum „Spurensuche Byzanz“ (bis 2. Mai 2027). Deutlicher wird das Problem in der Beifügung: „Fragmente des Griechischen Mittealters“. Die zwei Kuratorinnen Dr. Krystina Kubina und Dr. Giulia Rossetto waren auf ihren detektivischen Spürsinn angewiesen, wenn sie vor kümmerlichen Resten eines Buches oder den Fuzzerln einer Notiz gestanden sind. Erschien ein Text dem damaligen Leser zu lang, wurden einfach einzelne Abschnitte daraus entnommen, kopiert und für neue Zwecke verwendet. Es gab auch keine Hemmungen, an den Rändern der Seiten eigene Kommentare zu notieren. Nicht mehr des Lesens würdige Bücher wurden zerlegt, die Schrift vom wertvollen Pergament abgekratzt, um es neu beschreiben zu können. Der Rest wurde zerschnitten und als Falz zur Verstärkung in neue Werke eingesetzt.

Ein Tintenfass zum Aufhängen

Ein Tintenfass zum Aufhängen

Werkzeuge zur Textentfernung

Werkzeuge zur Textentfernung

Faszinierend ist dazu ein schmaler Streifen aus Pergament. Er stammt aus einem Codex, der die Homilien des Bischofs Amphilochios von Ikonium (* um 340, + um 395) enthielt.

Zu sehen sind lediglich ein paar der alexandrinischen Majuskeln, aus denen sich auf nahezu wundersame Weise eine Seite des ursprünglichen Texts eruieren ließ. Vor Sophokles hatte man offenbar mehr Respekt. In der zentralen Vitrine der Ausstellung ist eine Abschrift des Lesedramas „König Ödipus“ auf Papier zu sehen und gleich daneben die gedruckte Erstausgabe der Tragödien des im fünften Jahrhundert vor Christi lebenden Dichters, die wiederum auf Grundlage einer Handschrift aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erstellt wurde. Zu den beschreibbaren Materialen wurde die Schau auch mit praktischen Objekten ergänzt. Zu sehen sind die Methoden des Bindens, Werkzeuge zum Abschaben des Texts oder ein Tintenfass zum Aufhängen. Geschrieben wurde sogar auf Gold- und Silberplättchen, um die Magie dieser Edelmetalle für den eigenen Schutz und die Gesundheit einzusetzen, wenngleich religiöse Autoritäten mit diesem Aberglauben keine rechte Freude hatten. Aber wie schon Pilatus sagte: „Quod scripsi, scripsi“, was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben, dass man es, wie im Papyrusmuseum bewiesen, noch hunderte Jahre danach lesen kann.

Detektivarbeit fügt Einzelfragmente zum Ganzen zusammen Griechisch – Unbekannte Herkunft Pergament

Detektivarbeit fügt Einzelfragmente zum Ganzen zusammen Griechisch – Unbekannte Herkunft Pergament, 11. Jh. © ONB

Die Macht der Worte, Ausstellungsansicht

Die Macht der Worte, Ausstellungsansicht

DIE MACHT DER WORTE in den Sprachen und Schriften Ägyptens

Griechisch-koptische Litanei © Österreichische Nationalbibliothek

Griechisch-koptische Litanei © Österreichische Nationalbibliothek

Dokumente, Zauberformeln und Bibelzitate, geschrieben mit Hieroglyphen, in Griechisch oder Arabisch

Wenn man bei Ägypten an Schrift denkt, sind es in erster Linie Hieroglyphen, die vor dem geistigen Auge erscheinen. Sie finden sich in den Gräbern, an Wänden der Tempel und den hoch aufragenden Obelisken. Sie waren aber beileibe nicht die einzigen Zeichen, mit denen Texte festgehalten wurden. Allein für das Ägyptische gibt es gleich mehrere Schriften. Neben den „Heiligen Zeichen“ gab es eine kursive Variante, das „Hieratische“. Es war eine Gebrauchsschrift, die erst später zu ihrer eigentlich irreführenden Bezeichnung als „heilig“ bzw. „priesterlich“ gekommen ist. Daraus entwickelte sich ab der Mitte des 7. Jh. v. Chr. im Nildelta „Demotisch“. Sein Zeicheninventar war reduziert und damit ungemein praktisch, was ihm auch die Bezeichnung „Schrift des Volkes“ einbrachte. Geschrieben wurde auf Papyrus, aber auch auf Tonscherben und Kalksteinsplittern.

 Hieratisch beschriebene Mumienbinde © Österreichische Nationalbibliothek

o.: Hieratisch beschriebene Mumienbinde © Österreichische Nationalbibliothek

r.: Entwurf eines Götterdekrets, in Hieroglyphen auf Ton © Österreichische Nationalbibliothek

 Entwurf eines Götterdekrets, in Hieroglyphen auf Ton © Österreichische Nationalbibliothek

Verwendet wurde Demotisch immerhin fast 1.000 Jahre lang und fand sich auch auf dem Stein von Rosette, neben Altgriechisch, was schließlich die Entzifferung der ebenfalls darauf verwendeten Hieroglyphen ermöglichte. Damit ist auch seine Entstehungszeit angedeutet. Mit Alexander dem Großen und den ihm folgenden Ptolemäern war Ägypten unter hellenistischer Herrschaft, der schließlich die Annexion an das Imperium Romanum folgte. Den Übergang von den Pharaonen zum Christentum der Spätantike markiert das Koptische, das sich des griechischen Alphabets, erweitert mit demotischen Zeichen, bediente und erstmals auch die Selbstlaute notierte. Griechisch blieb auch nach der arabischen Eroberung im Bereich der Administration in Verwendung.

Die Macht der Worte, Ausstellungsansicht

Die Macht der Worte, Ausstellungsansicht

Aufgrund dieser vielschichtigen Entwicklung können in der Ausstellung „Die Macht der Worte. Herrschaft und kulturelle Vielfalt im antiken Ägypten“ (bis 3. Mai 2026) etliche mehrsprachige und in verschiedenen Schriften abgefasste Papyrusfragmente, Exponate aus Papier und Pergament gezeigt werden. Der Zeitrahmen reicht von 1500 v. Chr. bis 1000 n. Chr.

Für Kuratorin Dr. Angelika Zdiarsky und dem Leiter der Papyrussammlung, Dr. Bernhard Palme, ist eine Tonscherbe (Ostrakon) aus dem 3. Jh. v. Chr. einer der Höhepunkte. In durch Linien abgegrenzten Schriftzeilen wird für einen Mann namens Wach-ib-Re Schutz und Bewegungsfreiheit im Jenseits erfleht. Ein Papyrus aus späterer Zeit entstammt vermutlich einem hieratischen Schutzbuch. Seltsam ist der darauf verkündete Spruch: „Falle Du doch zur Erde! Gefesselt seist Du, Fliege! ... Bleibe Du fern vom Pharao ... Lasse Dich nicht auf ihm nieder...“ und übertrage dadurch möglicherweise eine tödliche Krankheit auf den Herrscher. Besonders sicher gehen wollte ein Ägypter bezüglich seines Weiterlebens, da er Sprüche aus dem Totenbuch auf seine Mumienbinde schreiben ließ. Eher pragmatisch nehmen sich dazu die griechisch-demotische Verkaufsurkunde über einen Hausanteil oder die in Griechisch gehaltene Beschwerde ägyptischer Priester an einen Beamten in Alexandria aus. Stets ging es dabei um gegenseitiges Verstehen, ob von göttlicher oder weltlicher Hoheit an die Menschen Ägyptens, egal wer die Herrschaft und damit die Macht nicht nur der Worte innehatte.

Ein griechisch-demotisches Darlehen Papyrus, Griechisch © Österreichische Nationalbibliothek

Ein griechisch-demotisches Darlehen, Papyrus, Griechisch © Österreichische Nationalbibliothek

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