Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


DIE PHYSIKER Will König Salomo die Weltherrschaft?

Die Erfindung (Alicia Eibensteiner-Reinbacher) © Marcus Marschalek

Die Erfindung (Alicia Eibensteiner-Reinbacher) © Marcus Marschalek

Drei Wissenschaftler im Irrenhaus im Kampf um eine verhängnisvolle Formel

Am Anfang steht die Erfindung. Alicia Eibensteiner-Reinbacher wirbelt in silberner Montur durch die Menschheit, vertreten vom Chor, der mit ratlosen Kommentaren hinter der Leiche einer Krankenschwester steht. Ihre menschliche Gestalt hat sie Marcus Marschalek zu verdanken, der für den Rodauner Theater Sommer aus Friedrich Dürrenmatts Drama „Die Physiker“ eine Art Überschreibung gefertigt hat. Die Erfindung wird darin zur Trägerin einer bizarren Handlung, in der drei Wissenschaftler mit tiefer Überzeugung, das einzig Richtige zu tun, jeweils ihre Betreuerinnen ermorden. Tatort ist eine psychiatrische Klinik, pardon, ein Sanatorium für Nervenkranke unter der Leitung von Frl. Dr. Mathilde von Zahnd (Peta Klotzberg). Die drei Herren sind Patienten, aber nur scheinbar verrückt. Newton (Bernd Gratzer) und Einstein (Andreas Fischer) sind in Wahrheit Agenten, die hinter der Weltformel her sind, die von Johann Willhelm Möbius (Gernot Maxa), dem genialsten Physiker seiner Zeit, entwickelt wurde. Im Bewusstsein, damit die Menschheit in eine Katastrophe zu stürzen, schützt auch er eine Geisteskrankheit vor. König Salomo sei ihm erschienen und hätte ihn diesbezüglich beraten. Im Gegensatz zu Dürrenmatt gibt es in der Rodauner Version jedoch die Hoffnung auf ein Happy End, da dieses Wissen letztendlich im Irrenhaus verbleibt.

Einstein (Andreas Fischer), Newton (Bernd Gratzer) © Marcus Marschalek

Einstein (Andreas Fischer), Newton (Bernd Gratzer) © Marcus Marschalek

Frl. Dr. Mathilde von Zahnd (Peta Klotzberg) © Marcus Marschalek

Frl. Dr. Mathilde von Zahnd (Peta Klotzberg) © Marcus Marschalek

Auf dem stimmungsvollen Platz vor der Pfarrkirche von Rodaun rettet uns Marcus Marschalek in seiner Inszenierung vor dem Untergang. Die Bühne ist denkbar einfach gestaltet, mit einem Tisch, grauen Quadern zum Sitzen und Metallstangen als Patientenzimmer, im Übrigen ist sie aber schwarz. Bunt sind nur die Kostüme der Personen, die auch in etlichen Doppelrollen die umfangreiche Besetzungsliste verwirklichen. Es sind zum guten Teil engagierte Laiendarsteller, die mit bemerkenswertem Einsatz die Vorgaben des Regisseurs zu erfüllen trachten. Sie agieren teilweise mit großen, manchmal zu groß geratenen Gesten, sind aber trotz spürbarem Lampenfieber erstaunlich textsicher und vor allem bemüht, schön zu sprechen. Für ihr Publikum sind sie zweifellos die Heroes, die sich im Rodauner Theater Sommer auch an bedeutende Werke der Theaterliteratur wagen und an einem Abend wie diesem zum Nachdenken über die Zerbrechlichkeit unseres Daseins anregen.

Rodauner Theater Sommer Logo 300

Statistik