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DER KÖNIG UND ICH Mörbisch wieder mit exotischer Kulisse

Bühnenentwurf für Der König und ich © Seefestspiele Mörbisch/Vogelweider

Bühnenentwurf für Der König und ich © Seefestspiele Mörbisch/Vogelweider

Der Königspalast von Siam auf opulenten 3.600 m2 Bühnenfläche

65 Jahre Bestehen feiern die Seefestspiele Mörbisch und werden sich dazu nach den Ausflügen ins kaiserliche China oder zu den Bandenkriegen in New York erneut in weite Fernen begeben. Ziel ist der Palast von König Mongkut in Siam, in den es die Engländerin Anna als Erzieherin verschlagen hat.

Das Musical von Rogers & Hammerstein selbst hat schon einige Jährchen auf dem Buckel. 1951 fand die Premiere von The King and I in New York statt. Bald darauf kam der Film mit Yul Brunner in der Hauptrolle in die Kinos und machte den Stoff weltweit bekannt. Alfons Haider, burgenländischer Multi-, pardon Generalintendant, ist daher überzeugt, damit auch heutzutage noch entsprechend Massen von Zuschauern zu einer Fahrt an den Neusiedlersee zu animieren, um die weiten Ränge des Auditoriums für etliche Wochen verlässlich zu füllen.

 

Als königlicher „Architekt“ wurde Walter Vogelweider engagiert. Das von ihm vorgestellte Modell der Bühne ist vielversprechend: klassisch, authentisch und füllt mit beeindruckender Exotik die ausladende Bühnenfläche. Dazu kommt, dass Umbauten in den 23 szenischen Wechseln rasch und unkompliziert vor sich gehen können, ohne Handlung und Musik in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Wenn von Authentizität die Rede ist, dann garantiert dafür der aus Amsterdam stammende Kok-Hwa Lie als Darsteller des Königs. Er ist der ideale Mann für große Musicalrollen, mit denen er zurzeit an renommierten Theatern reüssiert. Gemeinsam ist dem gesamten Team die Vorfreude auf einen Sommer am See mit dem Blick ins ferne Königreich Siam.

West Side Story Ensemble © © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

West Side Story Ensemble © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

WEST SIDE STORY Begeisterung für Bernsteins zeitloses Musical

Tony und Maria in trauter Zweisamkeit © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Das Liebespaar Tony und Maria © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Am Neusiedlersee erhebt sich die Freiheitsstatue als Mahnmal für Gemeinsamkeit

Amerika, besser gesagt, die USA waren, sind und bleiben ein Einwanderungsland. Wie wir Europäer mittlerweile auch erfahren haben, bringt der Zuzug von Menschen neben aller kulturellen Bereicherung Probleme mit sich, die jeweils von den einzelnen Gruppen hereingetragen werden. Es dauert lange, bis Befindlichkeiten wie Nationalismus und ethnische Vorbehalte abgebaut sind. Der Aufbau eines Gemeinschaftsgefühles geht leider nur über bittere Kämpfe, Animositäten und gegenseitige Ablehnung. Aus einem Schmelztiegel wird daher nicht selten ein Schlachtfeld, auf dem Opfer von allen Seiten zu beklagen sind. Das Paradebeispiel dafür ist schlechthin New York. Zwischen den Häuserschluchten verbarrikadieren sich Volksgruppen in Little Italy, China Town, in ganzen Straßenzügen jüdisch, armenisch oder polnisch dominierte Bewohnerschaft neben den zahllosen Ghettos am Rand der Metropole, in denen Kriminalität unter den dort lebenden Underdogs verschiedenster Herkunft zur Tagesordnung gehört. Es hat sich bis heute daran nichts geändert.

Die Madchen der Sharks Ensemble © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Madchen der Sharks Ensemble © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Die Jets in Aktion © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Die Jets in Aktion © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Damit bleibt auch die Idee von Jerome Robbins, in einem dieser Viertel eine moderne Version von Romeo und Julia anzusiedeln, mehr als aktuell. Der Produzent konnte dafür den Star der amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein begeistern. Mit dem Libretto des Broadway-Drehbuchautors Arthur Laurents und Songtexten von keinem Geringeren als Stephen Sondheim entstand ein Musical, das seit seiner Uraufführung 1957 bis heute unter dem Titel „West Side Story“ bis heute zu den meistgespielten Werken dieses Genres zählt.

 

Peter Edelmann, der künstlerische Direktor der Seefestspiele Mörbisch, schaffte es, die Rechte dieses Welthits für sein Festival zu sichern. Für die Rivalität zweier Straßengangs, den Jets und den Sharks, braucht es über 50 Solisten, die allerdings ein Jahr warten mussten, bis sie auf der von Walter Vogelweider konzipierten Seebühne ihre Auseinandersetzungen ausraufen konnten. Als Regisseur zeichnet Werner Sobotka, der die weitläufige Fläche, mit beweglichen Elementen raffiniert strukturiert, verlässlich mit Action füllt.

Tony allein auf der großen Bühne © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Tony allein auf der großen Bühne © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Dazu zählen Tanzszenen, in denen Puertoricaner und der Nachwuchs europäischer Einwanderer Bernsteins Musik in der temperamentvollen Choreografie von Jonathan Huor umsetzen. Bei so viel Einsatz fällt kaum auf, dass sich dieser Background, geschaffen von einem an sich modern-klassischen Komponisten, in seiner symphonischen Komplexität weit über das bei einem Musical erwartete Niveau erhebt. Dank der souveränen musikalischen Leitung von Guido Mancusi und der Qualität seines Orchesters wird die Aufmerksamkeit des Publikums auf Klangschönheit und mitreißende Rhythmen gelenkt.

 

Als Tony versuchen Paul Schweinester alternierend mit Mark Roy Luykx zu beweisen, dass es auch anders als mit Feindseligkeiten zwischen den Gangs zugehen könnte. Aber sie verlieben sich bekanntlich in ein Mädchen von der gegnerischen Seite. Andreja Zidaric und Valerie Luksch werden in den kommenden Wochen eine Maria verkörpern, die zu ihrer Liebe für einen der Jets gegen alle Ressentiments ihrer puertoricanischen Community steht. Vor allem die Szene, wenn sich die beiden kennenlernen, hat absoluten Gänsehautfaktor.

Tanzmeister beim verhängnisvollen Ball © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Tanzmeister Gladhand (Peter Edelmann) beim verhängnisvollen Ball © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Tony wurde erschossen, Maria trauert © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Tony wurde von einem Shark erschossen, Maria trauert um ihm © Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

Es sind durchwegs beachtliche Stimmen, auch bei Fin Holzwart, der den Riff um einiges sympathischer über die Rampe bringt als der in alten patriarchalischen Klischees verharrende Bernardo (Paul Csitkovics), der den Mordreigen mit einem Messerstich einleitet. Schuld an der Misere sind aber beide zusammen mit ihrer jeweiligen Bande. Da kann auch eine reizende Anita in Person von Tamara Pascual mit all ihrer Lebendigkeit und hellen Stimme nichts ausrichten. Hilflos stehen auch die beiden Alten dem fatalen Geschehen gegenüber. Martin Rudolph Berger als Doc kann nur gut zureden, sein Bemühen bleibt aber ebenso vergeblich wie der Einsatz von Peter Edelmann, der in dieser Produktion u. a. die Rolle des harsch, aber in seinen Bemühungen um Ruhe im Distrikt wenig erfolgreich agierenden Lieutenants Schrank übernommen hat.

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