Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Patrick Kaiblinger, Andreas Hajdusic, David Czifer © Fabian Steppan

LIEBES LEID (Ver) LUST Gaudi aus den Sixties mit Shakespeare-Background

Nena Eigner, Bettina Soriat, Elsa Schaiger, Peter Pausz, Anja Waldherr © Fabian Steppan

Ein gründlich misslungener Versuch mit einem Dasein ohne die Freuden des Lebens

Da erklären sich doch tatsächlich vier vor Vitalität strotzende junge Männer bereit, sich zu einem wahrhaft blutleeren Studium zurückzuziehen. No Sex, kaum Futter, nur minimal Schlaf und das drei ganze Jahre lang. Sie leisten sogar einen bindenden Eid, um in der „Akademie im Kleinen“ was weiß ich zu werden; vielleicht bessere Menschen oder irgend so was Ähnliches. William Shakespeare hat uns darauf keine Antwort gegeben, als er zu diesem seltsamen Vorhaben die Komödie „Love´s Labour´s Lost“ geschrieben hat. Dafür hat er ganz genau gewusst, wen er damit durch den Kakao (falls es den damals schon gegeben hat) zieht. Das Stück ist nicht zuletzt wegen seiner tagesaktuellen Bezüge bald vergessen worden und findet sich eher der Vollständigkeit halber in den Gesamtausgaben des Dichters. Die Prinzipalin der diesbezüglich originellen Truppe „Shakespeare in Mödling“ hat dennoch zugegriffen und „Liebes Leid (Ver)Lust“ in den Konzerthof der Stadtgemeinde Mödling gestellt. Nicole Fendesack hat aktualisiert, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Claudia Marold, Ensemble © Fabian Steppan

Aus dem 16. Jahrhundert wurden die „Roaring Sixties“. Das heißt, aus den vom Dichter vorgegebenen Personen werden spätadelige Landbesitzer und Powerfrauen aus Industrie und Wirtschaft. Sonette als Ausdruck der Liebe waren einst en vogue, Mitte des 20. Jahrhunderts setzte man auf deutsche Schlager und Hits von den Beatles. Gelesen wird BRAVO und angebraten wird mit Gitarre und Roy Black-Schmäh. Figuren wurden komprimiert, vervielfältigt oder einfach neu erfunden. Geblieben ist das Handlungsgerüst, das mit vertauschten Briefen, einem Maskenfest und dem Scheitern eines von Anfang an sinnlosen Vorhabens wie wissenschaftlicher Enthaltsamkeit eine ganze Menge Hetz und Gaudi erlaubt.

Clemens Fröschl, Jörg Stelling © Fabian Steppan

Jörg Stelling ist der coole Portier namens Donald Trooper, der sich wenig erfolgreich an Golf versucht, aber so gerne Sauerkraut isst, dass er sich auf der Stelle in eine der drei Jaquenttas (Nicole Fendesack) verliebt. Sie heißt Edeltraud und kocht am liebsten dieses Polka-Gemüse von Bill Ramsey. Waterloo & Robinson stehen Pate für den Titelsong „Das ist meine kleine Welt“, in der Eidesbruch zum Alltag gehört. Dagegen kann auch Claudia Marold als strenge Frau Fesser nichts ausrichten. Was müssen auch die vier Grazien namens Kitty Krupps (Elsa Schwaiger), Frauke Frauengold (Bettina Soriat), Dörte Dötker (Nena Eigner) und Lotte Leitfeit (Anja Waldherr) auf der Bildfläche erscheinen, um die Herren von Mayerling (Bernhard Georg Rusch), von Rosenburg (Andreas Hajdusic), von Forchtenstein (Patrick Kaiblinger) und von Lockenhaus (David Czifer) mit ihren weiblichen Reizen aus den besten Absichten herauszureißen. Heinzi Fesser alias Clemens Fröschl, von Beruf Sohn, schließt sich dem epidemieartig ausgebrochenen Werben gerne an.

Er freit die zweite der Jaquenttas, die zarte junge Waltraud (Bettina Bröthaler), mit der er anhand der Lektüre von „Romeo und Julia“ die angebliche Sinnlosigkeit und vor allem das Gefahrenpotential der Liebe durchtestet. Übrig bleibt nur Gertraud (Laura Oedendorfer), die aber in ihrem Jammer zumindest die Pause ankündigen darf. Es gibt nämlich auch für die Chefin einen Mann.

Frau Fesser verfällt dem Charme des feschen Herrn Beethoven (Peter Pausz), seines Zeichens schwerhöriger Buchhalter. Er hinterlässt seine Spuren in einem Rätselspiel, mit dem das musikalische Wissen des Publikums herausgefordert wird. Wer die fünf Beethoven-Zitate, die von der Capella di musica (Thomas Hohl auf der Gitarre und Andrea Redl auf der Violine) eingestreut werden, erkennt und auf einer Teilnahmekarte notiert, gewinnt zwei Freikarten für Shakespeare in Mödling 2020.

Nicole Fendesack, Ensemble © Fabian Steppan

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