Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Shakespeare einmal anders Ensemble © Fabian Steppan

SHAKESPEARE EINMAL ANDERS ist ganz normal in Mödling

Nicole Fendesack (William Shakespeare) © Fabian Steppan

Fünf Tragödien zu einem „lachhaften“ Abend verschnitten

Covid-19 ist zweifellos ein Trauerspiel. Was hätte William Shakespeare daraus machen können!? Wahrscheinlich nichts, denn die Angelegenheit wäre ihm zu fad gewesen. Der Pandemie fehlt im Grunde alles, was die tragischen Werke des großen Dichters auszeichnet. Seine Helden sterben nicht still und leise in irgendeinem Spital. Bei ihm erfolgt das Ableben bühnengerecht entweder durch tödliche Stiche mit dem Degen, durch Verabreichung einer entsprechenden Dosis von Gift – was bei Einnahme von Desinfektionsmitteln, wie es ein gewisser Präsident von Übersee vorgeschlagen hat, die gleichen Folgen gezeitigt hätte – oder durch andere gezielte Gewalteinwirkung. Dramatische Probleme gäbe es auch mit dem Sex. Social Distancing ist alles andere als sinnlich anregend und der Versuch, bei einem Kuss das böse Virus zu übertragen ist allein mit Mund- und Nasenschutz unmöglich gemacht. So hat die Theatertruppe aus Mödling, die sich seit 20 Jahren Shakespeare verschrieben hat, im Coronajahr nolens volens auf vorhandenes Material zurückgreifen müssen.

Jörg Stelling (Antonius) © Fabian Steppan

Die fünf großen Tragödien Romeo und Julia, Hamlet, Antonius und Cleopatra, Richard III. und MacBeth waren in den beiden Dezennien des Bestehens von Shakespeare in Mödling bereits erfolgreich auf dem Programm gestanden. Aus ihnen wurden Sex & Crime extrahiert und wirbeln, so das Wetter es zulässt, bis 26. Juli 2020 mit dem zu erwartenden Humor und der mutigen Frechheit dem großen Klassiker gegenüber unter dem Titel „Shakespeare einmal anders“ als Collage der wesentlichsten Szenen durch den Innenhof des Gemeindeamtes.

Clemens Fröschl, Nikolaus Stich, Jörg Stelling (Hexen), David Czifer (Macbeth) © Fabian Steppan

Unter der Conférence von Nicole Fendesack als Shakespeare himself wird der Zuschauer, der sich brav mit Telefonnummer registriert, die Hände desinfiziert und im vorgeschriebenen Abstand Platz genommen hat, verlässlich in das jeweilige Stück eingeführt. Die Erläuterungen sind nicht unwichtig, denn die Stücke purzeln flott ineinander und bringen durchaus auch manchen Kenner von Shakespeare ins Grübeln. Zum Ensemble: Gäbe es einen solchen, so müsste man es vor den Vorhang rufen.

In den vielen Rollen dürfen David Czifer, Claudia Marold, Jörg Stelling, Clemens Fröschl, Nikolaus Stich, Laura Oedendorfer, Max G. Fischnaller, Julia Petrovic, Elsa Schwaiger, Samatha Steppan, Thomas Hohl, Laura Risto und Leena Fleischmann nach Herzenslust blödeln, zur Gitarrenbegleitung des Barden Peter Pausz Schlager von der Blume aus dem Gemeindebau bis zu Schnappi, das Nilkrokodil trällern, outrieren was das Zeug hält und einander sehenswert abmurksen.

Dass dahinter ein Team steht, das keinen Spaß kennt, wenn es um die reibungslose Durchführung des Abends geht, soll an dieser Stelle ebenfalls erwähnt werden. „Ohne diese Jungs, pardon Gentlemen, stünden wir schön da!“ ist auch Prinzipalin Fendesack überzeugt. Kurz gesagt, es ist eine Hetz nach so vielen theaterlosen Wochen einer Truppe zuschauen zu dürfen, die sich zu spielen traut, um zumindest für fünf Viertelstunden virusbedingte Depressionen vergessen zu machen.

Elsa Schwaiger, Samantha Steppan (Edwards Söhne), Max G. Fischnaller (Richard III.) © Fabian Steppan

zu den weiteren Vorstellungsterminen Logo unten anklicken

Shakespeare in Mödling Logo 160

Statistik