Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Claudia Marold,  Ensemble © Fabian Steppan

Shakespeares Sturm, verblasen bei WINDSTÄRKE 21

Nena Eigner (Caliope) © Fabian Steppan

Mit frustrierten Hexen und luftigen Geistern durch (Welt-)Raum und Zeit

Die übermütige Mödlinger Truppe, die sich unter Prinzipalin Nicole Fendesack dem mutigen Vorhaben verschrieben hat, keinen Geringeren als William Shakespeare ihrer ganz eigenen Fasson zu unterwerfen, hat sich diesen Sommer von „Der Sturm“ zu einem angehenden Musical inspirieren lassen. Die Besatzung des Raumschiffs Shunshine wird von einem interstellaren Orkan, entfacht von Ari-elle, aus seiner Bahn durch das All auf eine trostlose Insel gewirbelt. Angestiftet wurde die Luftgeistin zu dieser Schandtat von Grandmistress Prospera, die dank eines mit Leuchtelementen ausgerüsteten Buches die Zauberin und Wunderheilerin Doktra Sycorax um die dortige Herrschaft betrogen hat. Ja, einige der Namen kommen einem diesbezüglich bekannt vor und immer wieder werden zwischen frei erfundenen Texten recht ernsthaft auf Frühneuenglisch Shakespeare-Zitate rezitiert. Aber es tut im Grund nichts zur Sache, wenn man das Original vergisst und sich der von „Shakespeare in Mödling“ erfundenen Story überlässt.

Nicole Fendesack © Fabian Steppan

Nicole Fendesack (Hexe Sycorax) © Fabian Stppan

Bettina Soria © Fabian Steppan

Bettina Soria als Ari-elle © Fabian Steppan

Man hat einfach mehr von diesem Spaß, als ständig zu grübeln, wer für wen und was für was gerade steht. Hauptsache, die zu Beginn hoffnungslos verfeindeten Beteiligten verlieben und versöhnen sich, um im Schlusschor mit der zum wunderschönen Schmetterling mutierten Raupe Ari-elle gemeinsam den Erfolg dieser Reise durch Galaxien der Fantasie zu besingen.

 

Regisseurin Nicole Fendesack hat sich die Rolle der Sycorax zugeteilt. Als solche hat sie die Möglichkeit, auch als Moderatorin diverse Verwirrungen aufzuklären. Ihre Gegnerin Prospera ist eine Respekt gebietende Claudia Marold, die auf ihrer Insel unter anderem über die stets zum Blödeln aufgelegte Bettina Soria als Ari-elle herrscht. Ihr Sohn Miro (Andreas Hajdusic) kann zwar wunderbar Gitarre spielen, von Liebe hat er jedoch keine Ahnung, wie denn auch, bei einer solchen Mutter, zwei in Tarnhosen auftretenden Geschöpfen namens Mini und Minimi (Laura Oedendorfer, Laura Risto) und der ebenfalls eher unerotisch ausstaffierten Hüterin des Buches (Victoria Vrba). Ähnlich ergeht es Caliope (Nena Eigner), der Tochter von Sycorax, der die Gattung Mann auf diesem von einer Weiberwirtschaft besiedelten Eiland vollkommen unbekannt ist.

Windstärke 11 Ensemble © Fabian Steppan

David Czifer, Andreas Hajdusic, Peter Pausz, Elsa Schwaiger, Jörg Stelling, Clemens Fröschl © Fabian Steppan

Erst mit der Bruchlandung der Sunshine verirren sich Menschen wie du und ich in die Gesellschaft von Zauberinnen und Geistinnen. Der den gesamten öffentlichen Verkehr im Universum beherrschende Spacelord Lonzo (Jörg Stelling) und Prosperas Bruder Tonjo (Peter Pausz) sind Teil der Besatzung des von der bildhübschen Offizierin Ferdinanda gelenkten Raumschiffes. Als Überlebende des Absturzes darf sich Elsa Schwaiger an den schüchternen Miro heranmachen und ihn von den Freuden einer gemeinsamen Nacht überzeugen. Der Dialog „Was ist das: Es ist grün und klopft an die Tür?“ „Hm?“ „Na, ein Klopfsalat!“ stammt zwar nicht von Shakespeare, bringt aber Lacher, die sich Clemens Fröschl und David Czifer als Praktikanten Culo und Phano redlich verdient haben. Noch bis 31. Juli 2021 wird im Innenhof des Mödlinger Gemeindeamtes was das Zeug hält gesungen (begleitet von noch einem Gitarristen: Thomas Hohl) und mit Windstärke 21 hehre Theaterliteratur aus höchsten Sphären zu wahrlich amüsierten Irdischen herabgeweht.

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