Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Jedermann Ensemble © Rolf Bock

JEDERMANN am Domplatz zwischen St. Othmar und dem Karner

Alfons Noventa, Lisa Perner © Rolf Bock

Das Spiel vom Leben und Sterben zwischen todernst und komödiantisch heiter

Der Theatermotor Andreas Berger feiert heuer 10 erfolgreiche Jahre Sommertheater Mödling. Mit der Auswahl des Stückes kehrte er zu den Anfängen zurück und setzte den verlässlichen Erfolgsbringer „Jedermann“ wie damals auf das Programm. Die Bühne vor der gotischen Kirche St. Othmar ist eine stimmungsvolle Kleinausgabe des Salzburger Domplatzes, die noch dazu über einen Kraftspender verfügt, auf den die Salzburger Festspiele nur neidvoll blicken können. Der Tod kommt aus dem Karner, dem ehemaligen Beinhaus, in dessen Untergeschoss die Mödlinger über Jahrhunderte ihren endgültigen Frieden gefunden haben. Was will man mehr, um bis zum Hals und weiter in das Mysterienspiel von Hugo von Hofmannsthal einzutauchen, das in einer heutzutage wundersam antiquierten Sprache eine längst überkommen scheinende Moral predigt. Hofmannsthal ging es darum, ein Zeitstück zu schaffen, in dem die Gegenwart in der Vergangenheit sichtbar wird. Schon allein vom Titel „Jedermann“ sollte sich die zusehende Minderheit angesprochen fühlen, die in bestens bestellten Verhältnissen lebt.

Nici Neiss, Alfons Noventa © Rolf Bock

Die wenigsten davon würden Rücksicht auf den armen Nachbarn oder einen offensichtlich fahrlässig in eine prekäre Situation gekommenen Schuldknecht nehmen. Es gibt Milliarden von Darbenden, die an die Hilfsbereitschaft der Wohlhabenden appellieren, aber dagegen auch die durchaus nachvollziehbare Vernunft, mit der Jedermann im Grunde hilflos für die unumstößliche Ordnung der Welt in Reich und Arm argumentiert. Dass ihn deswegen gleich der Teufel holen will, ist eigentlich schlimm. Dass sich sogar Gott selbst darüber alteriert und den Tod schickt, um den reichen Mann in der Blüte seines Lebens abzuberufen, ist ebenfalls kein gutes Zeichen für das Selbstbewusstsein der höheren Mächte.

Kurt Wittmann © Rolf Bock

Aber gerade dieses Spannungsfeld zwischen verzopften Moralvorstellungen und einer schonungslosen Darstellung menschlicher Unzuverlässigkeit bietet einem guten Regisseur wie Andreas Berger die Möglichkeit, mit „Jedermann“ dem von Hofmannsthal gescholtenen Publikum einen vergnüglichen Abend zu bereiten. Allein, wenn der Mammon in Gestalt von Nici Neiss als strenge Lady in Goldlack und dem Song „Big Spender“ aus der Schatztruhe auftaucht, gibt es verdienten Sonderapplaus. Das Gleiche gilt für den Erzkomödianten Kurt Wittmann, der als Teufel an den Werken (Alexandra Tobischek) und am Glauben (Christine Aichberger) scheitert oder die drei attraktiven Engerln Franziska Gassmann, Mara Kluhs und Kristina Zöchbauer, die mit der Gospel Version von Händels Hallelujah Jedermanns Sarg mit sanftem Flügelwehen umtanzen. Spätestens dann spürt man das Augenzwinkern, mit dem in Mödling zu Werke gegangen wird. Jedermanns Mutter ist die große Ulli Fessl, Armer Nachbar Sascha Jähnert und Schuldknecht Klemens Dellacher.

Für die bereits von Hofmannsthal in die Rollen geschriebene Komik für Dicker und Dünner Vetter sorgen Harald Simon und Victor Kautsch, der überdies ein Lied singen will, sich jedoch zum allgemeinen Gaudium mit den Spielleuten auf ihren wunderschönen Instrumenten Dudelsack, Drehleier und Landsknechttrommel nicht und nicht verständigen kann. Was wäre ein Jedermann ohne seine Buhlschaft, die ihm Lisa Perner mit erfrischender Natürlichkeit vortanzt.

Man versteht, dass sich der reiche Mann in sie verliebt, bevor er Glockenschläge und grausliche Jedermann-Rufe hört und schließlich dem Tod (Andreas Berger himself) gegenübersteht. Alfons Noventa ist ein sehr bedachter Jedermann, der eigentlich zu gut für diese Welt, aber eben reich ist und sich darob seines Daseins freuen will – wäre da nicht der Neid der Götter, pardon des Gottes (dessen Stimme: Klaus Ofczarek), der ihn partout zu bekehren und zu sich in den Himmel zu verschaffen gedenkt.

Alfons Noventa, Andreas Berger © Rolf Bock
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