Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Don Camillo und Peppone Ensemble © Rolf Bock

DON CAMILLO UND PEPPONE Lenin & St. Othmar

Alexnadra Tobischek, Florian Werkgartner, Andreas Roder, Victor Kautsch © Rolf Bock

Il mondo piccolo rührend wie´s bei Guareschi im Büchl steht

Giovannino, wie die Italiener ihren Lieblingsschriftsteller genannt haben, hat seinen Landsleuten tief ins Herz geblickt. Giovanni Guareschi beschrieb in seinen Satiren über die politischen Kämpfe auf dem Stiefel nach dem Zweiten Weltkrieg eben eine kleine Ortschaft, il mono piccolo irgendwo in der Po-Ebene, in der Kommunisten und Großgrundbesitzer aufeinanderprallen. Pfarrer und Bürgermeister sind damit von Natur aus Gegner, aber auch Freunde, die sich in aller Liebe so richtig in die Goschen hauen. Dass damit keine Probleme gelöst werden, ist von vornherein klar, aber sie schaffen es, dass sie am Ende jeder mag, auch die alte Lehrerin Signorina Cristina, die beide einst unterrichtet hat. Das ist eben Italien, wie wir es schätzen. Nichts wird so ernst genommen, um dem anderen nicht auch ein wenig Recht zu lassen, wenngleich die reale politische Situation in diesen Tagen wesentlich ernster war als man es heute vermuten möchte, wenn uns Don Camillo und Peppone aus dieser Zeit über ihre Kämpfe berichten. Die Romane von Guareschi konnten einfach nicht nur Lesestoff bleiben.

Leonie Reiss, Rafael Witak © Rolf Bock

Sie wurden verfilmt und schließlich auch dramatisiert. Gerold Theobalt hat ein Stück deutsches Theater geschaffen, das von Gabi und Andreas Berger in eine charmante österreichische Version umgearbeitet wurde und im heurigen Jahr auch das Publikum des Sommer Theaters Mödling begeistert. Mit dem Kirchenplatz vor St. Othmar hat es die ideale Bühne gefunden. Intendant und Regisseur Andreas Berger hat auf der einen Seite das Innere der Kirche einfach nach außen gekehrt und daneben malerisch das von den Roten gekaperte MUNIC PIO und die Wohnungen von Peppone und Cristina gestellt. Der Heilige wird nun einige Wochen damit leben müssen, dass ihm Abend für Abend eine Leninbüste als Denkmal des arbeitenden Volkes vor die Nase gesetzt wird.

Don Camillo und Peppone Ensemble © Rolf Bock

Eine Musikbanda macht Stimmung für den Wahlsieg der Kommunisten und ist immer dann zur Stelle, wenn es was zum Feiern gibt, sogar beim Bischof Francesco (Franz Speckner), der ohne mit der Wimper zu zucken die Leninbüste segnet. Schuld daran ist nicht zuletzt der Gekreuzigte, ein wahrhaft cooler Jesus (Florian Werkgartner), der mit leiser, aber bestimmter Stimme vorgibt, was gerade zu geschehen hat. Normalerweise unterhält er sich nur mit dem Pfarrer Don Camillo.

Victor Kautsch verleiht diesem außergewöhnlichen Geistlichen die entsprechende Kraft und fromme Brutalität, um sich in der tiefroten Umgebung durchsetzen zu können. Schließlich ist er derjenige, der auch die aufgebrachte Schar der Proletarier zum Singen in seiner Kirche bringt, wenn dies auch zum Kampfsingen zwischen Internationaler und Marienlied ausartet.

Sein verfreundeter Bürgermeister Peppone ist Andreas Roder, der keine Gelegenheit auslässt, mit ätzenden Spitzen den Pfarrer zu sekkieren, um am Ende einen linken K.o.-Haken abzufangen, der ihn vor den Augen seiner Gattin Ariana (Alexandra Tobischek) auf die Bretter schickt. Nici Neiss als Signorina Cristina kann sich nur mehr wundern, was ihre ehemaligen Schützlinge im Erwachsenenalter so alles aufführen. Sie hat zuletzt sogar noch der jungen und hübschen Gina (Leonie Reiss) das Lesen und Schreiben beigebracht und muss nun zusehen, wie ihr Vater, der reiche Pasotti (Kurt Wittmann) ganz aus dem Häuschen ist. Seine Tochter hat sich ausgerechnet in Mariolino (als netter, aber streitlustiger Bursch: Rafael Witak) verliebt. Friedens- und Ehestiftend ist wieder eine ordentliche Rauferei zwischen seinem Vater, dem armen Bauern Bruciata (Gerald Speckner) und Pasotti. Es fehlt bei diesem Stück italienischer Geschichte also nichts, um sich an den liebenswürdigen menschlichen Schwächen aller Beteiligten köstlich zu amüsieren und schließlich versehen mit dem allerhöchsten Segen selig nach Hause zu wandeln.

Nici Neiss und Ensemble © Rolf Bock
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