Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Footloose, das Ensemble © ShowSlot / Jens Ochmann

Footloose, das Ensemble © ShowSlot / Jens Ochmann

FOOTLOOSE heißt, das Tanzen ist verboten!

Footloose, das Ensemble & Bühne © ShowSlot / Jens Ochmann

Footloose, das Ensemble & Bühne © ShowSlot / Jens Ochmann

Eine berührende Geschichte, erzählt mit wuchtiger Rockmusik

Die Kleinstadt könnte überall auf der Welt sein. Autor Dean Pitchford hat sie irgendwo in die USA verlegt, wohl, weil er sich dort auskennt und um die Schwächen seiner Mitbürger weiß. Ein Unglück hat die Ortschaft gelähmt. Vier junge Burschen sind vor ein paar Jahren mit ihrem Auto von einer Brücke gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Einer davon war der Sohn des örtlichen Pfarrers. Seitdem ist jede Form der Belustigung, vor allem aber das Tanzen gesetzlich verboten. Ren MacCormack, einen in der Großstadt Chicago aufgewachsenen Teenager, hat es mit seiner alleinerziehenden Mutter dorthin verschlagen. Er kann und will sich nicht damit abfinden und beginnt einen persönlichen Feldzug gegen die Borniertheit von Pfarrer samt gläubigem Anhang. Wird er es schaffen, diese gegen ihn aufgerichtete Wand der Abneigung einzureißen? „Footloose“ erzählt die Geschichte, zuerst als Film (ein Kassenschlager von 1984) und jetzt als Musical, das derzeit in der Wiener Stadthalle gastiert. Etliche der Songs sind bereits legendär, vor allem aber: ihre Rhythmen lassen die Beine jucken. Wenn diese Musik nicht stark genug ist, den bösen Bann über Bomont zu lösen, was dann?!

Shaw Moore (Ethan Freeman) im Kreise seiner Gläubigen © ShowSlot / Nico Moser

Shaw Moore (Ethan Freeman) im Kreise seiner Gläubigen © ShowSlot / Nico Moser

Cowboy Bob (Alexander Findewirth) mit Band © ShowSlot / Jens Ochmann

Cowboy Bob (Alexander Findewirth) mit Band © ShowSlot / Jens Ochmann

Manuel Schmitt hat die Produktion passend für jede einigermaßen stattliche Halle eingerichtet, mit Gerüsten, die alles sein können, von der Wohnung angefangen über die Kirche bis zum Burger-Palast (Bühnenbild: Mara Lena Schönborn). Dazwischen bleibt Platz genug, um genau das Verbotene zu tun, nämlich zu tanzen, wobei Timo Radünz die mitreißende Choreographie besorgt hat. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Hans Tilmann Rose. Im Cast fällt auf, dass junge Leute genommen wurden, die alles andere als Idealfiguren haben. Mädchen sind rundlich mit dem typischeen Mittelwesternhintern und die Burschen haben schlaksige, ziemlich unathletische Bodys.

Aber gerade deswegen wirken sie authentisch und sprechen ihre Altersgruppe im Publikum mehr an als unwirkliche Beauties. Schließlich geht es um den Aufstand einer High School-Klasse und um die Ausrichtung des Abschlussballs. Freilich hat Rev. Shaw Moore (Ethan Freeman) dagegen seine Einwände. Als sich seine eigene Tochter Ariel (Helena Lenn) dagegen auflehnt und dazu Rückendeckung von ihrer Mutter (Kerstin Ibald als Vi) erhält, entbrennt ein zäher Kampf zwischen Jugend und Erwachsenen. Es gibt auch Liebesgeschichten. Die eine bahnt zwischen dem lustig tollpatschigen Muttersöhnchen Willard Hewitt (Martijn Smids) und der quirligen Rusty (Manar Elsayed) an und die andere beginnt mit Ariel und dem aggressiven Chuck (Alexander Findewirth). Sie hat aber ein Ablaufdatum, als sich das Mädchen in den aufmüpfigen Neuen verliebt. Raphael Groß ist der sympathische Revoluzzer Ren MacCormack. Mit sehenswerter Lebendigkeit wirbelt er durch das Städtchen Bomont, das es, falls sein Plan aufgeht, ihm zu verdanken hätte, wenn die allgemeine Trauer endlich gründlich weggetanzt werden kann.

Raphael Groß als Ren MacCormack © ShowSlot / Jens Ochmann

Raphael Groß als Ren MacCormack © ShowSlot / Jens Ochmann

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