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Grabstelen im Römerlapidarium Foto: Michael Himml

ARRIANIS Das Römerlager unter dem Kloster

Im Altstift gefundenes Skelett eines jungen Mannes Foto: Michael Himml

Stift Klosterneuburg macht Jahrtausende alte Geschichte sichtbar

Jetzt ist es endlich gesichert. Das lange vermutete Römerlager Arrianis befand sich tatsächlich an der Stelle, an der sich heute majestätisch das Stift Klosterneuburg erhebt. Der Limes zog sich dort entlang der Donau, um den germanischen Nachbarn am nördlichen Ufer des Flusses klar zu machen, dass das Imperium Romanum gewillt war, sich und seine Kultur zu verteidigen. Visavis von Klosterneuburg hausten die Quaden, von denen man annimmt, dass sie eher friedliche Handelbeziehungen zu den Römern bevorzugten. Sie verfügten über weite Felder und waren für die Römer nicht uninteressant, wenn es um Importe von Getreide ging, mit dem die zivile Bevölkerung und die Soldaten ernährt werden konnten. Ab dem ersten Jahrhundert nach Christus befand sich hier der Standort einer Hilfstruppenkohorte, die den Donauübergang sichern sollte. Sicher ist sicher, dachte man, und befestigte die Kaserne mit entsprechenden Mauern. Im Laufe der Zeit sind diese im Boden verschwunden und konnten nur durch archäologische Grabungen festgestellt werden.

Grabstele der Familie des Ulpius Avitus Foto: Michael Himml

Auf dem Weg über den Stiftsplatz wandelt man ohne es zu wissen über römische Befestigungen und taucht wenige Schritte später hinab zu den freigelegten Mauern, um an einer begehbar gemachten Stelle staunenden Auges vor einem Aufriss zweitausendjährigen Baugeschehens zu stehen. Man betritt diese architektonische Zeitreise bei einem sogenannten Punktfundament eines Eckpfeilers des gotischen Kreuzgangs. Dieser wurde bereits mit behauenen Steinen und mit Scherben von solid gebrannten und sorgsam gestempelten Dachziegeln der Römer verstärkt. Daneben erkennt man die romanischen Grundmauern des Altstiftes und, sofern man darauf aufmerksam gemacht wird, römisches Mauerwerk selbst.

Archäologische Grabung im Kreuzgangbereich des Stiftes. Foto: Michael Himml

Das Römerlager Arrianis steht bis 18. November 2018 im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die mit wohl ausgewählten Objekten den Blick auf das Leben der Legionäre öffnet. Dank einiger Zufallsfunde verfügt man heute über großartiges Anschauungsmaterial aus dieser Zeit. Eine Zisterne barg entsorgte Grabsteine, die sich in der feuchten Dunkelheit bestens erhalten haben. Man kann noch die Texte lesen, um zu wissen, wem sie gestiftet waren (Familie des Ulpius Avitus).

Zu erkennen sind sogar noch die Gesichter der ehemaligen Römer, besser gesagt, der romanisierten Bewohner. Auf einem von ihnen ist ein Mann in Toga erkennbar, neben seiner Ehefrau, die deutlich keltischen Schmuck und Bekleidung trägt. Ein römischer Münzfund aus 1736 wurde von Benedict Prill, einem damals bereits wissenschaftlich arbeitenden Herrn des Stiftes, sauber dokumentiert. Im Mittelpunkt steht aber ein römisches Militärdiplom, eine bronzene Tafel, die der Erkennungsmarke unseres Bundesheeres entspricht. Da diese Platten aus gesuchtem Material bestanden, haben sich trotz einer damals großen Anzahl nur wenige erhalten. Die in Klosterneuburg gezeigte ließ durch ihren guten Erhaltungszustand die Rekonstruktion eines gesamten Diploms zu. Ausgestellt wurde sie am 13. Juni 80 n. Chr. an den Soldaten Soio, Sohn des Muscellus aus Stamm der Besser im Zuge der Verleihung des römischen Bürger- und Eherechts.

 

In der Sala terrena Galerie setzt sich der Gedanke des römischen Erbes in Form einer Kunstausstellung fort. Im Chorherrenstift hatte man stets großes Interesse an der Antike und sammelte Gemälde und Statuen, die von Künstlern bis heute geschaffen wurden. Diese hatten, wenn sie mit Staffelei und Palette in ihr Arkadien gereist waren, nur mehr Ruinen vorgefunden, diese aber mit dem zauberhaften Licht des Südens für die Zeitgenossen im Norden auf die Leinwand gebracht.

Sie schließen damit den Bogen zu den realen Hinterlassenschaften der hier angesiedelten Römer, denen man mit dieser Ausstellung fühlbar nahekommt. Man trifft einen Lar Compitalis, einen römischen Hausgott, oder das Skelett eines Mannes, der bei Umbauarbeiten im Stift entdeckt wurde. Abgerundet wird die Schau mit einer Dokumentation und den Grabungsergebnissen, mit denen die Archäologen dem Besucher Einblick in ihre überaus spannende Arbeit zwischen den Zeiten geben.

Kreuzgang des Stiftes. Foto: Michael Himml
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