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Stechen. Kratzen. Beißen. Mit den Waffen der Natur Ausstellugnsansicht

Stechen. Kratzen. Beißen. Mit den Waffen der Natur

Terrarium mit bedornten Reptilien

Weil auch Tiere und Pflanzen sich verteidigen müssen

Keine Brennnessel wird jemals einen Menschen anfallen. Sie wird ihn mit ihren beißenden Haaren verschonen, solange er ihr nur Ruhe gibt und nicht versucht, sie abzureißen und zu Spinat zu verkochen. Ein Wolf, so bewehrt er auch mit einem scharfen Gebiss ist, wird sich beim Herannahen eines Schwammerlsuchers eher ins Unterholz verdrücken, bevor er dem Eindringling in sein Reich bedrohlich knurrend die Zähne zeigt. Sollte es aber zu einer Konfrontation kommen, dann hat die Natur vorgesorgt. Sie hat von den schwächsten bis zu den stärksten Wesen die meisten von ihnen mit einem entsprechenden Arsenal an Verteidigungswaffen ausgerüstet. Wer kennt nicht den Wespenstich?! Aber warum tut das die Wespe? Weil man sie vom Bierglas vertreiben will und sie gar nicht einsehen kann, warum gerade ihr die Nahrungsaufnahme verwehrt werden soll. Mit ein wenig Rücksichtnahme und Ruhe kann man derartigen Attacken stechender Insekten ausweichen. Man braucht auch den Fliegenpilz nicht auszureißen, nur weil er so hübsch ist. Die weißen Punkte auf seiner roten Kopfhaut signalisieren ohnehin: Ich bin nicht genießbar! Ähnlich hält es der Pfeilgiftfrosch, der mit seinen knalligen Farben einem potentiellen Feind anzeigt: Wenn du mich frisst, dann bist du des Todes!

Zebras mit Streifen als Abwehrwaffe

Die großen Säuger wie Nashorn oder Büffel machen kein Hehl daraus, ihren Kopfschmuck dem Gegner unverzüglich in den Leib zu rammen, sofern dieser die Grenze erlaubter Nähe überschreitet. Andere wieder versuchen es mit dem Schrecken, nicht nur die Heuschrecken. So stößt der Totenkopffalter bei Gefahr schrille pfeifende Geräusche aus, die auch einen hungrigen Insektenfresser in den meisten Fällen das Weite suchen lassen.

Die Stacheln (eigentlich verhärtete Haare) des Igels sollen das kleine Tier schützen

Was alles es in Fauna und Flora an Möglichkeiten gibt, sich bei unerwünschten Begegnungen zu schützen, ist Thema einer ungemein bunten und im wahrsten Sinn des Wortes lebendigen – es gibt eine ganzen Reihe an von Insekten und anderen Tieren bevölkerten Terrarien und Aquarien – Sonderausstellung im Museum Niederösterreich mit dem Titel „Stechen. Kratzen. Beißen. Mit den Waffen der Natur“ (bis 16. Februar 2020). In einer Art Parade werden die Waffen zuerst vorgestellt.

Allein schon bei dieser Station ist das Staunen groß, wie viel Phantasie in der Schöpfung waltet, um ihren Wesen das Überleben zu sichern. Angefangen von chemischen Mitteln wie dem Gift hinter den Zähnen einer Schlange über Stacheln bis zu Klauen und scharfen Schnäbeln. Spielerisch erfährt man, dass Geweihe und Hörner nicht das gleiche sind. Geweihe werden jedes Jahr abgestoßen, um später wieder nachzuwachsen, Hörner zieren üblicherweise ein Leben lang das Haupt des Stieres. Eine andere wesentliche Unterscheidung findet sich im Pflanzereich, wenn es um Dornen und Stacheln geht. Ausgerechnet die Rose hat keine Dornen, sondern Stacheln, wo hingegen der stachelige Kaktus Dornen hat. Was machen wir nun mit dem Dornröschen? Fragen wir die Biologen!

 

Immer wieder laden „Hands on“ ein, sich mit den Tieren in der Kunst der Feindabwehr zu vergleichen und in Videos schaut man beispielweise zu, was herauskommt, wenn man ein Lama zu sehr reizt. Die Lösung: Es spuckt einem ganz gewaltig und vor allem gezielt ins Auge.

Kinder haben garantiert ihren Spaß bei dieser unmittelbaren Begegnung mit der Natur, die ihnen nicht selten nur mehr aus dem TV ein Begriff ist. Dass sie draußen einem Bären begegnen, ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Vor den mächtigen Krallen des Allosaurus bleibt ihnen nur das Gruseln, die Riesenechse selbst gibt´s schon lang nicht mehr. Eine praktische Erkenntnis, die der erwachsene Besucher mit nachhause nimmt, wurde den Zebras abgeschaut. Lange Zeit ging man davon aus, dass deren Streifen der Tarnung dienten. Mittlerweile weiß die Wissenschaft, dass durch die ansprechende Zeichnung des Fells blutsaugende Insekten irritiert werden und deswegen nicht zubeißen. Ihre Facettenaugen können sich in diesem Muster nicht zurechtfinden und ziehen eher bequemere Wirte vor. Apropos Wirte. Im Gastgarten ist es also zu abendlicher Stunde von Vorteil, gestreifte Oberbekleidung zu tragen. Mit etwas Glück lassen sich die Gelsen verwirren und wenden sich den anderen Tischgenossen zu, um sich dort den Bauch mit Blut zu füllen.

die Raupe der Ritterfalter verfügt sogar über eine Geheimwaffe
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