Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Palais Niederösterreich © Museum NIederösterreich

184∞ DIE VERGESSENE REVOLUTION am Originalschauplatz

Die Höh, berittene Polizei bei der Niederschlagung der Revolution

Ein besinnicher Blick auf die blutigen Wurzeln unserer republikanischen Demokratie

Den Ereignissen, die am 13. März 1848 mit Gewalt losbrachen, war ein Hungerwinter vorangegangen. Der Deckel der Zensur und Unterdrückung hielt dem Druck des kochenden Unmuts in der Bevölkerung nicht mehr stand. Im Hof des Landhauses der Niederösterreichischen Stände versammelte sich am Morgen dieses Tages eine dichte Menschenmenge. Der Grund war die Versammlung der niederösterreichischen Stände, die für die Forderungen der Studenten gewonnen werden sollten. Sie hatten sich das „Beschwerde- und Petitionsrecht“ erhalten und hätten die Anliegen der aufgebrachten Menge an die Regierung weiterleiten können. Flammende Reden wurden gehalten, so wurde auch das Manifest des ungarischen Revolutionärs Lajo Kossuth vorgelesen, und es wurde gewaltsam versucht, in das Landhaus einzudringen. Das Militär unter dem Kommando von Erzherzog Albrecht ließ in die unbewaffnete Menschenmenge schießen. Das „erste Opfer für Recht und Freiheit“ war der jüdische Technikstudent Karl Spitzer. Die Revolution stand in Vollbrand, dem sich Staatskanzler Fürst Metternich noch am selben Abend durch Flucht entzog. Kaiser Ferdinand der Gütige versucht abzuwiegeln und versprach die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung.

Auf dieser Stele im Stiegenhaus laufen die Namen der Opfer der 1848er Revolution

Die Revolution gloste weiter und flammte immer wieder auf. Am 6. Oktober dieses Jahres wurde Kriegsminister Graf Theodor von Latour gelyncht, der Hof mit Kaiser Ferdinand floh nach Olmütz und der inzwischen konstituierte Reichsrat zog sich nach Kremsier in Ostmähren zurück. Die Revolutionäre, die die Innere Stadt zwar fest verbarrikadiert hatten, aber im übrigen kaum über militärische Kenntnisse verfügten, konnten sich nur kurz halten. Am 23. Oktober griffen kroatische Truppen unter Banus Joseph Jelačić und von Prag kommend kaiserliche Truppen unter Feldmarschall Alfred Fürst zu Windischgrätz die Stadt an und hatten diese am 31. Oktober endgültig erstürmt. Rund 2000 Aufständische waren gefallen, ein Teil der Überlebenden wurde zum Tod und standrechtlicher Erschießung oder gnädigerweise zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Ausstellungsansicht mit Flugblättern © Museum NIederösterreich

Das Revolutionslied „Was kommt dort von der Höh“ war ausgeklungen, geblieben ist der Begriff „Die Höh“ für die berittene Polizei, die mit den Säbeln von den Pferden herab auf die Menschen einschlug. Nach Jahrzehnte langem schweigendem Einverständnis, nie mehr eine berittene Polizei auf die Bürger zu hetzen, wird eben in diesen Monaten eine solche wieder in der Wiener Sicherheitswache installiert... Nicht umsonst ist der letzte Achter zum Unendlichkeitszeichen umgelegt worden.

Die einigermaßen runde Zahl, es sind 170 Jahre, und die stattliche Sammlung an Lithographien und Flugblättern des DÖW (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes)-Begründers und Historikers Herbert Steiner waren quasi der Auftrag, zum Hundertjahr-Jubiläum der Entstehung unserer Republik dieses wesentlichen Teils unserer demokratischen Vorgeschichte zu gedenken. Bühnenbildner und Ausstellungsgestalter Hans Hoffer schaffte mit knappem Budget und vielen guten Ideen die eminent wichtige Schau mit dem Titel „184∞ DIE VERGESSENE REVOLUTION“ am Originalschauplatz, dem heutigen Palais Niederösterreich, ansprechend einzurichten.

Bis 31. Oktober 2018 ist sie hier bei freiem Eintritt zu sehen, dann wird sie in den 15. Bezirk in die Alte Schieberkammer wandern. Erschienen ist dazu ein Katalog, der die Geschehnisse dieser Tage und deren politische Hintergründe mit reicher Illustration zum Nachlesen bietet und Hauptakteure dieser Revolution wie den Bauernbefreier Hans Kudlich, das „Opfer“ Wenzel Messenhauser oder den glühenden Anhänger der Demokratie Robert Blum dem Vergessen entreißt.

Blauer Salon mit Portrait Renner und Barrikade © Museum NIederösterreich

Symbolfoto Graten © Erich Steiner

GARTEN: LUST. LAST. LEIDENSCHAFT und eine große Liebe

Bauerngarten im Museumsdorf Niedersulz © Museumsdorf Niedersulz

Gartln von der Jungsteinzeit bis zum Urban Gardening

Irgendwann in grauer Vorzeit hat ein findiger Mensch begonnen, ein Stück Land abzuzäunen. Das war die einzige Möglichkeit, sich Landeigentum zu schaffen. Er musste, wie es Jean Jacques Rousseau ausgedrückt hat, nur genügend Dumme finden, die ihm seinen Anspruch auch abgenommen haben. Dieser erste Gärtner war also, so der Umkehrschluss, intelligenter als die anderen Zeitgenossen. Die Wildtiere konnten nicht mehr so einfach die von ihm kultivierten Pflanzen abgrasen und den anderen Vertretern der Spezies Homo sapiens waren gleichermaßen deutliche Grenzen gesetzt. Vielleicht rührt daher die alte Weisheit, dass Nachbarn nichts einander so nahe bringt wie ein guter Zaun. Er stellt klare Verhältnisse her und erlaubt trotzdem den freundlichen Tratsch. Diese Erkenntnis steht auch am Beginn der Ausstellung im Museum Niederösterreich, die unter dem Titel „GARTEN: Lust. Last. Leidenschaft“ bis 10. Februar 2018 eine Kulturgeschichte dieses vitalen menschlichen Bedürfnisses auf sehr kurzweilige und mit vielen Objekten anschauliche Art vermittelt.

Der Igel, ein beliebter und vor allem nützlicher Gartenbewohner

Die ursprünglichsten Vertreter dieser Art sind die Bauerngärten, die seinerzeit nicht viel anders ausgesehen haben mögen als wir sie heute bei einer Wanderung neben manch einem Bauernhaus bewundern können. Sie sind die Domäne der Hausfrau, die auf wohl gepflegten Beeten nicht nur den Küchenbedarf an Salat und Karotten zieht, sondern auch ihren Schönheitssinn auslebt, indem sie einer vielfältigen Blumenpracht Platz bietet. Dieses von den Feldern abgezwickte Stück Boden ist jedoch nur eine der vielen Arten, wie die Menschheit ihre Umgebung gärtnerisch gestaltet. Es gibt den Lehrgarten, botanische Gärten, den Therapiegarten und gar nicht so neu auch den Dachgarten, besser gesagt, das begrünte Dach. Um diese Vielfalt auch entsprechend an den Besucher zu bringen, wird er zu einer Zeitreise durch die verschiedensten Epochen eingeladen.

So begegnet man Werkzeugen aus Holz, zum Beispiel einer Sichel, die mit Feuersteinklingen besetzt ist. Aus der Bronzezeit stammen Tongefäße, in denen Emmer, Einkorn, Dinkel, Rispenhirse, Saubohne oder die Früchte der Linsenwicke aufbewahrt wurden. Färberwau, Färberwaid und Färberkrapp erlaubten gelbe, blaue und rote Textilien, mit denen sich der Mensch der Frühzeit bereits farbenfroh einkleiden konnte. Zur Anschaulichkeit werden Beispiele dieser uns zum Teil längst unbekannten Gewächse vorgestellt.

Mit Pflanzen gefärbte Wolle

Die Auswahl, die einem heutigen Gärtner zur Verfügung steht, war damals noch unvorstellbar. Aber das weiß man ohnehin aus der Geschichte. Paradeiser, Kukuruz und Erdäpfel, dafür musste erst die Neue Welt entdeckt werden. Davor besiedelten jedoch die Kelten unsere Lande und brachten neue Pflänzchen wie Roggen, Lein, Hafer, Dille und sehr wahrscheinlich auch den Wein, den die Römer zuerst in bester Qualität aus dem Süden importierten, um ihn später auch an der Donau zu kultivieren. Mit den Legionen kam auch der Horus rusticus, der eine vollkommen neue Dimension an Gartenkultur darstellte. Ins Mittelalter hinüber retteten die Mönche das Wissen um den Anbau all der köstlichen Früchte, die im Mittelmeerraum längst als eine Selbstverständlichkeit zählten.

Garten im Museum Niederösterreich © Daniel Hinterramskogler

Karl dem Großen wird eine lange Liste an Pflanzen zugeschrieben, die in seiner Dreifelderwirtschaft zu gedeihen hatten. Hildegard von Bingen ist zweifellos der Star dieser Tage, die kräuterkundig ihre eigene Medizin herstellte. Auf der Bodenseeinsel Reichenau wirkte Abt Walahfrid Strabo, der uns mit einem in lateinischer Sprache abgefassten Gedicht einen Überblick über das Wissen um die heilbringende Wirkung vieler der Pflanzen übermittelte.

Über die Renaissance, die beispielsweise im Garten der Schallaburg wieder belebt wurde, dem Barock, der den Pflanzen mathematische Strenge angedeihen ließ, dem englischen Landschaftsgarten, der Bäumen und Sträuchern wieder scheinbare Freiheit schenkte, und dem Stadt- und Volksgarten kommt man irgend wann wieder im Hausgarten an.

Als die Stadtbevölkerung im 19. Jahrhundert aufgrund von Nahrungsmangel nach Möglichkeiten suchte, diesen selbst zu beheben, kamen die Schrebergärten auf, das Grabeland, wo man um eine kleine Pacht Rüben, Gurken und anderes nützliches Gemüse ziehen konnte. Viele dieser kleinen Parzellen haben ihre ursprüngliche Funktion allerdings verloren. Sie wurden wegen einfacherer Pflege zu rasenbedeckten „Koniferengärten“ verunstaltet und dienen nicht selten dem deutlichsten Ausdruck des Kleingeistes: Sie sind die Heimat der Gartenzwerge, die frech aus Sagen und Märchen in die Kleingärten übersiedelt sind.

 

Der wahre städtische Gärtner hat sich mittlerweise andere Betätigungsfelder gesucht. Er bearbeitet eigens für das Gartln geschaffene Hochbeete in Parks, pflegt liebevoll sein kleines Grün in den Kräutertöpfchen auf dem Balkon oder nutzt sogar die Senkrechte, um an einst grauen Mauern mittels Vertical Gardening wie weiland im Bauerngarten Gemüse, Grünpflanzen und Blumen üppig gedeihen zu lassen.

Gartenzwerg
Landesmuseum NÖ Logo 300

Statistik