Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht Klima & ich

„KLIMA & ICH“ Was wir Kleinen im Kleinen beitragen können

Die glühend rote Weltkugel soll am Ende grün sein

P.T. Besucher werden gebeten, selbst Hand anzulegen, um unseren Planeten zu retten

Die erste Sonderausstellung des neuen wissenschaftlichen Leiters Ronald Lintner greift mutig ein Thema auf, das à la longue unser Dasein auf Erden in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Geht es mit der Erwärmung unser Atmosphäre im derzeitig flotten Tempo weiter, ist abzusehen, wann unsere Nachkommen am Nordpol ins warme Wasser köpfeln können. Freilich gibt es genügend Scharlatane, die aus der „Klimarettung“ eine scheinheilige Teeny-Show machen und mit leerem Herumreden die wahren Umweltsünder verschweigen. Weinerlich ist die Rede allgemein von Politikern, die endlich etwas dafür tun sollten. Man weiß seit vielen Jahren, wie man die fatale Temperaturzunahme einigermaßen in den Griff bekommen würde, hat aber panische Angst, damit die heilige Kuh namens Wirtschaft zu prügeln. Wann gibt es endlich den Aufschrei gegen das Abbrennen der Regenwälder, gegen eine Supermacht, deren Präsident Umweltschutz als Kinderei abtut und die Perversion von Gourmets, die alles andere als ein Steak von CO₂ furzenden argentinischen Rindern als kulinarische Zumutung empfinden?

Kuratorin Therese Christine Brandl mit einer Demotafel

Blieben die Flugzeuge am Boden, wäre schon, wie man in den vergangenen Wochen gesehen hat, ein großer Schritt getan. Aber nicht nur die verheerende Mobilität, betrieben mit fossilen Brennstoffen, auch die Energie fressende Produktion von Konsumgütern wie unser geliebtes Smartphone darf überdacht werden; und nicht zuletzt der Wahnsinn, der es ermöglicht, dass Früchte wie nix über den Globus flitzen, um im Supermarkt um die Ecke jederzeit frische Erdbeeren und zur vollkommenen Unzeit reife Weintrauben anbieten zu können. Ein gewohnter Lebensstil lässt sich aber nicht so leicht ändern. In wenigen Jahren sind alle diese Klimatodsünden zu Selbstverständlichkeiten geworden, die, sofern sie als solche angeprangert werden, eher den Griff an die Stirn (bist a bisserl deppert?) zeitigen als das schuldige Schamgefühl, das wir angesichts der Zerstörung unserer einzigen Lebensbasis empfinden sollten.

Wie viel CO2 erzeugt welche Mobilität

In genau diese Kerbe schlägt „KLIMA & ICH“. Bis 7. März 2021 kann im Haus der Natur im Museum Niederösterreich in dieser Sonderausstellung eindrücklich erfahren werden, wo unsereins ansetzen könnte, um zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, was wir so alles mit bestem Gewissen der Umwelt antun. Nach einem historischen Rückblick auf natürliche Klimaänderungen wird in sechs Stationen aktuelles Nachdenken gefordert. Hands on wecken den Spieltrieb.

So angelockt, ist der Griff nach den Texten, versteckt in Infostelen, nicht mehr weit. Zieht man ein Blatt heraus, gibt es erstaunliches Wissen zu erlesen, passend und schmackhaft angerichtet für jede Altersgruppe und dennoch profund recherchiert. Auf sportliche Besucher wartet ein Fahrrad mit Riesendynamo, damit die sich elektrischen Strom selbst erstrampeln.

Was im Spaß beginnt, stellt dort „Strom & Energie“ ernsthaft vor, ohne erhobenen Zeigefinger, aber doch eindringlich. Wasser, Biomasse, Erdwärme, Wind und Sonne als die wichtigsten erneuerbaren Energiequellen sind nichts Neues. Könnten sie aber die kalorischen Kraftwerke irgendwann zu 100% ersetzen, gäbe es garantiert ein erleichtertes Aufatmen der geschundenen Atmosphäre. Bei „Essen & Trinken“ wird erschreckend aufgedeckt, wie viel CO₂ in unserer Nahrung steckt und gleichzeitig deer Vorschlag vermittelt, wie diese Last durch ein bisschen Rücksichtnahme reduziert werden kann. „Abfall & Wertstoff“ sind Brüder, die jedem von uns täglich zumindest die Mühe wert sein sollten, wertvollen Müll dem Recycling zuzuführen. Dass die Sohle eines Schuhs auch einen Doppler aushält, ist eine der vergessenen Weisheiten, an die in „Konsum & Lifestyle“ erinnert wird. Potential zum CO₂–sparen steckt auch in „Bauen & Wohnen“ und in der Dreckschleuder „Reisen & Mobilität“. Es gibt eine bessere Welt, allerdings nur in der Utopie des „grünen Dorfes“, das diesen Rundgang tröstlich abschließt.

Fahrrad mit Riesendynamo
Landesmuseum NÖ Logo 300

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