Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


DIE FRAU, DIE MAN(N) nach dem Sex abschalten kann (oder darf)

Die Frau, die man nach dem Sex abschalten kann, Plakat © Thomas Koziol

Die Frau, die man nach dem Sex abschalten kann, Sujet © Thomas Koziol

Ein skeptisch-heiterer Blick in eine Zukunft mit Robot- und KI-Partnern

Wenn´s zwischen Männlein und Weiblein nicht mehr funktioniert, dann müssen eben Maschinen her. Genau eine solche ist Olympia, die lebensechte Puppe, die sich der von einer missglückten Partnerschaft frustrierte Siggi bei einer geheimnisvollen Noreply-Adresse bestellt hat. Garantiert wird im Beipacktext täuschende Ähnlichkeit mit Frauen, zumindest was deren Körper betrifft. Sie fühlt sich an und reagiert wie eine menschliche Bettgenossin, mit dem (angeblichen) Vorteil, sie nach Belieben aus- und einschalten zu können. Als Bonus lässt sie sich nach allen Regeln männlicher Pornofantasien einkleiden und verschafft so dem Kunden das einmalige Erlebnis, ein extrem heißes und tolles Weib zu vögeln, und wenn´s nur 14,52 Sekunden sind. Als dieser Homunkulus jedoch am Morgen damit beginnt, für Siggi das Frühstück zu richten und mit ihm zu diskutieren, dann wird´s dem Burschen unheimlich. Wird er als durchschnittlich intelligenter Mensch damit umgehen können? Oder geht er in einer Art geistiger Kastration neben diesem mit allen erdenklichen Algorithmen ausgerüsteten Computer unter? Oder wird er sich gar verlieben?

Thomas Koziol, Natascha Ties, Anja Hrauda © Thomas Koziol

Thomas Koziol, Natascha Ties, Anja Hrauda © Thomas Koziol

Oliver Hebeler, Natascha Ties © Thomas Koziol

Oliver Hebeler, Natascha Ties © Thomas Koziol

Dr. Sven Eric Panitz ist an sich Professor an der FH Wiesbaden im Bereich Compilerbau und Programmiermethodik, aber er ist auch Literat und versteht es grandios, sein technisches Wissen in Unterhaltung vom Feinsten umzusetzen. Oben genannte Olympia ist seine Schöpfung; zum Glück bisher nur als Figur einer Komödie, die derzeit im Theater Center Forum für lustige und genauso besinnliche Abende sorgt. „Die Frau, die man nach dem Sex abschalten kann“ ist als Titel letztlich irreführend, was aber nichts an der Zertrümmerung uralter männlicher Träume von einer bis zum „Aus-Knopf“ unterwürfigen Bettgespielin ändert. Umgesetzt wird diese Auseinandersetzung von einem spielfreudigen Quartett unter der Leitung von Thomas Koziol. Der Regisseur selbst hat die Rolle von Werner, des Freundes von Siggi, übernommen. Er darf ungläubig blöd lachen, peinlich die Puppe betatschen und sich sehnlich eine Frau mit Strapsen wünschen. Die ihm angetraute Nikole (Anja Hrauda) hätte zwar die Figur für ein derartiges Outfit, besprüht aber lieber ihre Umwelt mit Desinfektionsmitteln und findet ihre Erfüllung in sozialen Projekten. So bleibt ihm nur der neidvolle Blick auf Siggi, den Oliver Hebeler in sehenswert chaotischer Komik mit seiner doch ungewöhnlichen Partnerin hadern lässt. Natascha Ties lässt nämlich keinen Moment daran zweifeln, dass sie ein Roboter ist, zwar ungemein charmant und zum Abbusseln, wenn sie Wikipedia aufsagt, nicht ohne die unvermeidliche Werbung wie „Billa, sagt der Hausverstand“ anzufügen. Aber sie ist eine KI (künstliche Intelligenz), der ein noch von herkömmlichen Synapsen gesteuertes Hirn à la longue unterlegen sein muss. So wird auch ihr Fazit über unsereins verständlich, wenn sie mit herzigstem französischen Akzent meint: „Menschen sind Scheiße, merde!

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