Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Das Geheimnis der 3 Tenöre Ensemble © Rolf Bock

DAS GEHEIMNIS DER 3 TENÖRE bringt gaudiges Chaos in die Opernwelt

Leila Strahl, Stephan Paryla-Raky © Rolf Bock

Ehekrise auf Italienisch mit Blitzkarriere eines Kofferträgers aus Venedig und das alles in Paris

Ken Ludwig hat das richtige G´spür für den Lachreiz des Publikums. Sein „Othello darf nicht platzen“ wurde zum weltweiten Komödienhit. Auch wer von der Oper wenig Ahnung hat, biegt sich vor Lachen, wenn der Startenor von einem Möchtegernsänger so gut ersetzt wird, dass niemand was davon merkt. Einige Jahrzehnte später hat sich Ken Ludwig wieder dem ganz normalen Wahnsinn in der Operwelt zugewandt und lässt gleich drei, bzw. vier Tenöre ihr Unwesen vor einem Monsterkonzert in einem Pariser Stadion treiben. Allein eine solche Ansammlung von Natur aus verschrobener Ritter des Hohen C wäre schon komisch genug. Aber der amerikanische Autor hat noch einige Ideen auf Lager, um das Chaos, das ein einziges italienisches Ehepaar schon zu schaffen imstande ist, vollends in eine schier ausweglose Situation zu führen. Da wäre Carlo Nucci als junger und ebenso stimmgewaltiger Konkurrent des großen Tito Merelli, der ausgerechnet seine Tochter geschwängert hat, aber von der Schwiegermutter in spe beim Schließen seines Hosentürls beobachtet wird. Grande Aufregung!

Michael Duregger, Gerhard Dorfer © Rolf Bock

Die gute Gattin hat sich offensichtlich einen Liebhaber zugelegt. Dass es Tito mit ehelicher Treue auch nicht immer so genau genommen hat, wirbelt in der Person einer russischen Sopranistin ins ohnehin schon komplizierte Geschehen. Als sich ein Tenor nach dem anderen verflüchtigt, bleibt dem Konzertmanager nichts anderes mehr übrig, als den Gepäckträger des Hotels, der Tito aufs Haar ähnlich sieht und gleich gut singen kann, zu engagieren. Mit diesem Doppelgänger wird das Durcheinander vollends perfekt. Die Absage des Konzerts steht im Raum, aber...

Soffi Schweighofer, Stephan Paryla-Raky, Ben Marecek © Rolf Bock

Marcus Strahl hat mit seiner Neuen Bühne Wien diese Komödie bereits erfolgreich bei den Wachaufestspielen in Weißenkirchen auf die Bühne gebracht und ist nun auf einer der zahlreichen Zwischenstationen auch ins Theater Center Forum (bis 31. 12. 2018) gekommen, um dort mit diesem Schwank aus der Opernwelt das Zwerchfell des Wiener Publikums zu strapazieren. Es wird in Italienisch gestritten, auf Französisch verhandelt, auf Russisch geflirtet und trotzdem ist alles bestens zu verstehen.

Martin Gesslbauer hat die Bühne, ein elegantes Hotelzimmer in Paris, problemlos vom Teisenhoferhof in dieses charmante Theater transferiert, um auch hier mit Tür auf, Tür zu dem rasanten Tempo dieser Inszenierung gerecht zu werden. Henry Saunders, der genervte Konzermanager, ist Gerhard Dorfer, der kein Verständnis für gestorbene Mütter oder Ehekriege auf Italienisch aufbringt. Eine Spur von Gefühl ergreift ihn erst, als ihm sein Schwiegersohn Max (gewohnt großartig komisch: Michael Duregger) mitteilt, dass er Großvater geworden ist und der Kleine ebenfalls Henry heißen soll. In dieser emotionalen Aufwallung lässt er sich sogar dazu hinreißen, kraft seines Amtes als gewester Bürgermeister von Cleveland das reizende junge Paar Mimi Merelli (Soffi Schweighofer) und den feschen Carlo Nucci (Ben Marecek) zu trauen.

Als verführerische Russin Tatiana Racón vergreift sich Eva-Christina Binder am Doppelgänger ihres ehemaligen Geliebten, um die nicht minder attraktive Leila Strahl in der Rolle der Maria, Gattin von Tito, als dessen Mutter anzureden. Nur einer kann hier noch für Ordnung sorgen. Stephan Paryla-Raky ist sowohl Tito Merelli als auch der Hotelboy Beppo und schafft es zu guter Letzt, als eine einzige Person zwei verrückte Tenöre in Personalunion wahrhaft zum Z´reißen darzustellen.

Das Geheimnis der 3 Tenöre Ensemble © Rolf Bock
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