Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Michael Duregger, Martin Oberhauser © Rolf Bock

RAIN MAN Vom panischen Autisten zur berührenden Berührung

Michael Duregger, Leila Strahl © Rolf Bock

Eine große Filmstory gewinnt neue Dimensionen auf der Bühne

Man kennt die Geschichte von den zwei mehr als ungleichen Brüdern, seit der US-Streifen „Rain Man“ aus 1988 die Kinos gefüllt hat. Der eine ist ein windiger Autohändler, der seine Kundschaft übers Ohr zu hauen versucht, so lange, bis diese die Geduld verlieren und ihm, wie man in Wien so schön sagt, zuwisteign und seine Existenz ernsthaft in Gefahr bringen. Mit dem Tod seines verhassten Vaters muss er, statt die satte und rettende Erbschaft einzustreichen, erfahren, dass er einen älteren Bruder hat, dem abgesehen von einem seltenen Oldtimer, dem Buick Roadmaster Serie 80 Cabriolet, das gesamte Vermögen vermacht wurde. Dabei handelt es sich um einen Autisten, einen Savant, dessen Inselbegabung darin besteht, sich die unnötigsten Kleinigkeiten zu merken. Im Übrigen ist er aber nicht allein lebensfähig und hat den Großteil seiner Tage in einem Sanatorium verbracht. In erster Linie ist es die Angst vor Berührungen, die bei ihm panische Attacken auslösen. Was am Anfang wie der Versuch aussieht, an das Erbe zu kommen, wird mehr und mehr zu einer Annäherung der beiden zu lang voneinander getrennten Brüder.

Michael Duregger als Raymond © Rolf Bock

Dabei werden mehr und mehr Schranken überwunden, die einen Autisten von angeblich normalen Leuten trennen. Es bleibt allein vom Grad der persönlichen Wahrnehmung abhängig, um eine gemeinsame Basis für Kommunikation zu finden und – so viel darf verraten werden – sie findet sich am Ende in einer sehr berührenden Berührung der beiden gegensätzlichen, aber jeden in seiner Art liebenswerten Charaktere.

Michael Duregger, Judith Rumpf, Martin Oberhauser © Rolf Bock

Der israelisch-amerikanische Autor Dan Gordon hat aus dem Drehbuch ein Bühnenstück geformt, indem er die Schauplätze gestrafft, die Handlung eingekocht und die Besetzungsliste auf einig wenige, aber wesentliche Typen reduziert hat. Von der Neuen Bühne Wien wurde diese geglückte Essenz von „Rain Man“ nun erfolgreich im Theater Center Forum produziert. Regisseur ist Marcus Strahl, Prinzipal der Truppe, der dafür auf die engagierte Mitarbeit seines Ensembles setzen durfte.

Martin Gesslbauer hat eine genial vielseitige Kulisse geschaffen, die sich mit ein paar Handgriffen vom hektischen Büro in das beschauliche Sanatorium, von dort in ein Hotelzimmer, ein Fast Food Restaurant und schließlich in eine Bar in Las Vegas verwandeln lässt. Gesslbauer beweist mit seinen Einsätzen als Rechtsanwalt Mr. Mooney, Polizist mit spanischem Einschlag und aalglatter Dr. Marston überdies seine schauspielerische Variationsbreite, die er mit Judith Rumpf teilt, die als Sekretärin Lucy, einer kessen Kellnerin und der letzten der tanzenden Nutten namens Iris stets authentisch ist. Als attraktive Susan lässt Leila Strahl ihr Naturtalent im Umgang mit schwierigen Burschen aufblitzen, wenn sie mit ihrem Freund Charlie, dem windigen Autohändler, Engelsgeduld aufbringt, aber mehr noch, wenn es ihr einfühlsam gelingt, den Autisten zu einem Kuss zu verführen. Der berüchtigte Charlie Babbitt ist Martin Oberhauser, der die schräge Art seines Helden mit viel Humor garniert und damit klarstellt, dass er ein so schlechter Mensch nicht sein kann, wie ihn der Leiter des Sanatoriums Dr. Bruener (Gerhard Dorfer) gerne hinstellen möchte.

Michael Duregger ist ein herzergreifender Raymond Babbitt. Die Finger seiner rechten Hand spielen unablässig auf dem Rücken seiner Linken, die Züge des Gesichts spiegeln nervös zuckend die geistige Behinderung und seine Sprache ist abgehackt und leise, wenn er unglaubliche Gedächtnisleistungen zum Besten gibt. Dass er der Rain Man ist, der für Charlie in seiner Not immer wieder gesungen hat, scheint unwahrscheinlich, wird aber von Raymond selbst mit einem Foto der beiden Brüder bewiesen.

Michael Duregger, Leila Strahl, Martin Oberhauser, Gerhard Dorfer © Rolf Bock

Die Neue Bühne Wien geht nach der Serie im Theater Center Forum mit Rain Man auf Tournee:

THEATER AKZENT 1. April 2020, 19.30 Uhr, 1040, Theresianumg. 18 Tel: 01/501 65-13306

GASTSPIELE NIEDERÖSTERREICH

LAXENBURG, KAISERBAHNHOF 13. März 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 02236/710-420

KOTTINGBRUNN, KULTURSZENE 15. März 2020, 18.00 Uhr, Tel.: 02252/743 83

STRASSHOF A.D. NORDBAHN, KUMST 21. März 2020, 19.00 Uhr, Tel.: 0660/191 70 80

BADEN, THEATER AM STEG 25. März 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 02252/868 00-630

MELK, TISCHLEREI 26. März 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 02752/540 60

ZIERSDORF, KONZERTHAUS WEINVIERTEL 27. März 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 02956/2204-16

WIENER NEUDORF, FREIZEITZENTRUM 18. April 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 02236/62 501-143

GASTSPIELE BURGENLAND

EISENSTADT, KULTUR KONGRESS ZENTRUM 14. März 2020, 19.30 Uhr, Tel. 02682/719-1000

GÜSSING, KULTURZENTRUM 4. April 2020, 19.30 Uhr, Tel. 03322/421-46

GASTSPIELE OBERÖSTERREICH

WELS, THEATER VOGELWEIDE 30. März 2020, 19.30 Uhr

PREGARTEN, BRUCKMÜHLE 17. April 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 07236/25 70

GASTSPIEL STEIERMARK

MARIAZELL, RAIFFEISENSAAL 28. März 2020, 19.30 Uhr, Tel.: 07672/26 644

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