Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


DER HERR RUDI Sauna-Monolog eines Anti-Herr Karl

Rudi Larsen auf der Saunabank © Rolf Bock

Kein Abend für Weicheier und politisch Überkorrekte

Ein Aufguss öffnet die Poren für den Schweiß, aber auch den Mund für so manches Bonmot. In einer richtigen Wiener Sauna muss der Schmäh rennen, wenn sich nackte Körper an den heißen Dämpfen, die ihnen von einer offenbar hitzebeständigen Person freundlich zugewachelt werden, mit lautem Grunzen und Stöhnen ergötzen. Denn kaum sind die ersten Wellen der auf der Haut brennenden Atmosphäre verebbt, geht die Goschen auf und gibt Dinge von sich, die am besten innerhalb der schalldichten Holzkabine mit dem Taferl „Aufguss, nicht eintreten!“ verbleiben. Es ist dies ein klug formulierter Imperativ der Verschwiegenheit. Denn kämen so manche dort geäußerte Ansichten nach draußen, über den Ruheraum oder die Bierschank hinaus an die Öffentlichkeit, gäbe es wohl mehr Skandale als Whats-App und SMS zusammen je generieren können.

Georg Franz „Schurli“ Danzer (viel zu früh 2007 verstorben) hat sich seinerzeit über dieses Verbot hinweggesetzt und ein Einpersonenstück voll mit schrägen und in ihrer Treffsicherheit schockierenden Texten verfasst. Aufgeführt wurde diese köstliche Miniatur der dramatischen Kleinkunst zum letzten Mal 1983, bis sie in der Stille des zermürbenden Corona-Lockdowns von Marcus Strahl als Prinzipal der Neuen Wiener Bühne und dem genial authentischen Schauspieler Rudi Larsen wieder entdeckt wurde und derzeit im Theater Center Forum zu erleben ist.

 

Strahl und Larsen haben Danzers Texte organisch mit aktuellen Geschichten angereichert. So wird ohne Scheu die Problematik der Migration angesprochen, und zwar in einer Weise, wie viele Leute darüber denken. Die sagen es freilich nicht laut, weil sie es sich nicht trauen. Die mit Zahlen belegten Überlegungen zum erschreckenden Bevölkerungswachstum auf der Erde, vor allem in Afrika, münden in der überraschenden Erkenntnis, dass die heutigen Tschuschen eigentlich die deutschen Zuwanderer sind. Political Correctness hat auf der Lattenbank neben dem Saunaofen einfach keinen Platz. Rudi Larsen, umgürtet mit einem Handtuch, behängt mit angeberischem Goldketterl und im Übrigen nackt, wird so wahrhaftig zum redseligen Schwitzer, dass etliche Zuschauer der Meinung sind, sie müssten ganz wie bei einem echten Aufguss ihre Ansichten beisteuern. Larsen lässt sich davon nicht irritieren, er scheint dadurch vielmehr zu weiteren Geschichten inspiriert zu werden. So erfährt man, dass der patscherte Blade vor dem Fußballkäfig eigentlich Karli heißt und trotz seiner kickerischen Unfähigkeit ein großes Tier in der MA48 wird.

Rudi Larsen mit großer Botschaft © Rolf Bock

Wichsen, oder wie es hier heißt, „die Uhr aufziehen“, erweist sich als probate Reaktion junger Männer auf den Mangel an realen Weibern. Herr Rudi versichert auch, dass er nichts, wirklich gar nichts, gegen sexuell anders Orientierte wie die Warmen hat, aber... Perverslinge wie beispielsweise Kinderverzahrer sollten umgehend um einen Kopf kürzer gemacht werden oder wie er vorschlägt: „Alle aufhängen!“ Er verbreitert sich freimütig über den Seelenzustand des Terroristen am Schwedenplatz, um darauf berührend eine Friedensbotschaft aus König Ottokars Glück und Ende von Franz Grillparzer zu zitieren. Den wahren Sinn des Lebens hat schon Danzer damit erklärt, dass man anderen „soviel Freude wie möglich machen“ muss. Damit wird DER HERR RUDI zum Anti-Herr Karl, dem man trotz aller Ausrutscher gegen die von diversen Meinungsmachern lancierten Sprechvorschriften getrost in seiner kantigen Meinung folgen darf.

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