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Austellungsansicht High Moon

HIGH MOON Mondgestein und ein Vintage-Raumanzug aus 1969

Ausstellungsansicht High Moon

Liebevoll gepflegte Erinnerungen an einen großen, vielleicht den größten Schritt der Menschheit

Dass es am 21. Juli 1969 spät in der Nacht war, exakt 3.56 Uhr, spielte damals keine Rolle. Man saß fasziniert vor dem Fernseher, hörte die Stimme des Kommentators Peter Nidetzky, der freudig erregt verkündete, dass der Astronaut Neil Armstrong soeben den Mond betreten hätte. Den historischen Satz vom kleinen Schritt eines Menschen und dem großen der Menschheit konnte man nicht verstehen, bekam ihn aber umgehend in Deutsch serviert und fühlte sich als ein Teil einer aufbrechenden Generation, der bald das ganze Weltall offen stehen würde. Die Erde hat jedoch beachtliche Schwerkraft bewiesen. Mit fünf weiteren Mondlandungen war vorläufig einmal Schluss mit den Träumen von Reisen in unendliche Fernen. Wir sind auf unserem Planeten geblieben und von der ambitionierten Aktion des Apollo-Programms sind einige eher utopisch anmutende Pläne, wie beispielsweise die Errichtung eines Außenpostens in der Nähe des Südpols unseres Trabanten, geblieben. Die 32-stündige TV-Aufzeichnung des ORF hat nicht überlebt. Das Band wurde überspielt. Der Rest zeigt nur ein kleines Stück des Geschehens.

Mondgestein und österreichische Fahne von der Apollo-11-Mission © Technisches Museum Wien

Es endet just ein paar Minuten vor dem Ausstieg aus der Landekapsel. Hätte man das Material rechtzeitig dem Technischen Museum Wien überlassen, könnte man vergnüglich die vielen Stunden der Übertragung genießen, ganz stilvoll im Retro-Fauteuil vor einem Schwarzweiß-Apparat, wie er für die Ausstellung „High Moon. 50 Jahre Mondlandung im TMW“ (bis 6. Oktober 2019) den Besuchern zur Verfügung steht.

 

Kurator Dr. Christian Klösch hat Memorabilia an dieses epochale Ereignis aus den Beständen des Museums ausgegraben und als Rundgang durch diese überaus spannenden Tage angeordnet. Es beginnt mit dem „Space Race“, das zwischen der UDSSR und den USA ausgetragen wurde, erzählt vom Sputnik-Schock und führt über das Wettrennen zum Mond zum Start der bis heute stärksten Rakete, der Saturn-V-Rakete, am 16. Juli 1969. Man erfährt von den Schwierigkeiten, die der Anflug auf das Zielgebiet im Mare Tranquillitatis bereitete und vom Problem des zur Neige gehenden Treibstoffes, um zur Kommandokapsel zurückkehren zu können.

Ein Astronaut im Raumanzug, ein Modell der Apollo-Kommandokapsel oder des Lunar Landers sind Stationen auf dieser faszinierenden Mondfahrt, die mit dem Apollo-Programm ermöglicht wurde. Man blickt auch zurück auf die aufgehende Erde und spürt möglicherweise den „Blue Marble“-Effekt, der schon Buzz Aldrin und Neil Armstrong begeistert hat. Die beiden waren bei ihren seltsam hüpfenden Ausflügen fleißige Sammler von Mondgestein (382 kg), von dem einige Brösel ihren Weg auch nach Österreich gefunden haben. Diese Steinchen sind nunmehr der Höhepunkt einer vom Umfang zwar kleinen, in ihrer Bedeutung für die kollektive Erinnerung aber eminent wichtigen Schau.

Modell der Saturn-V-Startrampe  Maßstab 1:144 © Technisches Museum Wien

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

ARBEIT & PRODUKTION und was uns Menschen davon bleibt

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Wie und womit funktioniert so ein 3D-Drucker denn nun wirklich?

Der vollständige Titel der neuen Ausstellung im Technischen Museum Wien lautet „Arbeit & Produktion. weiter_gedacht_“ und weist damit darauf hin, dass es sich um den zweiten Teil einer Trilogie handelt, die mit „Zukunft der Stadt“ begonnen hat. Was kommt also in den beiden Bereichen Arbeit & Produktion alles auf uns zu oder ist bereits Gegenwart, wie man sich an bereits funktionierenden, teils utopisch anmutenden Technologien überzeugen kann. So steht man einem Roboter gegenüber, der 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und das über Jahrzehnte ohne gewerkschaftlich zugesicherte Pause oder Urlaub seine Arbeit verrichtet. Ob solche Maschinen eventuell streiken könnten, hängt ganz von der Zuverlässigkeit der dahinter stehenden Software ab, die „handgedacht“ ist, also ein menschliches Produkt. Das Ausstellungsstück ist ein Arm, der mit einem Scanner Karosserieteile auf ihre Sicherheit überprüft. Man kann ihm eine kurze Auszeit gönnen, wenn man sich nähert. „Hautnah agieren“ ist das Stichwort, das Mensch und Roboter gefahrlos näher zusammenrücken lässt.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Es kann sich um eine „Airskin“ handeln oder um einen Cobot, einem „kollaborativen Roboter“, der im laufenden Betrieb direkt mit einem Menschen zusammenarbeiten kann. So zeigt eine Ampel grün, das heißt malochen, malochen, wenn sie auf Gelb umschaltet, wird die Bewegung des Roboterarms langsamer. Bei Rot, also bei gefährlicher Nähe zu einem lebenden Wesen, hält dieser inne und wartet, bis sein Umfeld wieder von Störungen rein ist. Mit gespenstischem Eifer wird die Arbeit wieder aufgenommen. Dem Apparat wird es auch nicht zu blöd, dass aus Organisationsgründen stets im Museum der gleiche Kotflügel auf Materialschwächen abgetastet wird. Die Autoindustrie setzt seit langem auf mechanische Arbeiter, die wohl verlässlicher sind als es je ein Mensch könnte; sie sind, trotz hoher Anschaffungskosten, billiger als ein Angestellter und das berühmte Montagauto, an das sich manch einer vielleicht noch erinnert, ist damit ausgeschlossen.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Bei solchen Blicken in eine bereits zur Vergangenheit verurteilte Zukunft gibt es genug zum Staunen. Die Gestaltung setzt auf Interaktivität mit dem Besucher. Hands on! ist die Devise, diverse Entwicklungen als persönliches Erlebnis leichter zu kapieren, wobei sich allerdings das eigene Zutun auf das Drücken von Schaltern beschränkt, das ein im weiteren Verlauf autonomes Geschehen in Gang setzt, dem man nur staunend zuschauen kann und sich ein bisserl wie ein Depp vorkommt.

Auf fünf Ebenen und in drei unterschiedlichen Bereichen ist das Thema über einen guten Teil des Technischen Museums angeordnet. Es beginnt mit einem Aufstieg zum Thema „In Produktion“. Mit jedem Stockwerk, das man über die gut beleuchtete Treppen erreicht, öffnet sich ein neuer Blick hinter die Mechanismen der industriellen Produktion und auf aktuelle Entwicklungen und Trend aus Forschung und Industrie. So erfährt man, dass der als Magister bezeichnete Apotheker nicht mehr seine meiste Zeit mit dem Ordnen des Medikamentenlagers verbringen muss und sich damit intensiver dem Kunden widmen kann. Das Prüfen von Alblaufdaten, das Nachbestellen und die Ausgabe werden hurtig maschinell erledigt.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

„In Arbeit“ ist eine Dauerausstellung, die für „Arbeit & Produktion“ mit einem nostalgisch anmutenden Aspekt industrieller Produktion und deren historischer Entwicklung erweitert wurde. Kleine Geschichten erzählen beispielsweise über den Chilesalpeter oder die Bedeutung tropischer Fette und Öle seit der Kolonialisierung. Bestellte Versandwaren, die noch immer mit viel Handarbeit verladen und per Boten ausgeliefert werden, könnten längst an einer Drohne hängend direkt ins Haus zugestellt werden.

Dazu fehlt nur mehr das OK des Gesetzgebers in Sachen Flugverkehr. So treffen in diesem Bereich Science-Fiction, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und wie es dort heißt, „menschliche Abenteuerlust und die Bereitschaft zum Risiko aufeinander.“

 

Im techLAB wird endlich die Frage gestellt, welche Kompetenzen werden wir in unserem Leben in Zukunft überhaupt noch brauchen? Angesprochen werden dabei Kinder ebenso wie Senioren, die hier Werkzeuge kennenlernen können, die sie bisher nicht kannten, und sie können Dinge schaffen, die man sich vorher nicht zugetraut hätte. Zum Probieren stehen verschiedene computergesteuerte Werkzeuge zur Verfügung, so auch 3D-Drucker, die man unter fachkundiger Anweisung des Personals bedienen darf, um sich eine kleine Zierfigur oder ein praktisches Lesenzeichen zu basteln.

Nachdem, wie man aus Zeitungsartikeln weiß, mit diesen Druckern im Grunde alles hergestellt werden kann, sogar eine Pizza, wird man hier in die Grundzüge des digital gesteuerten Schaffens eingeführt. Offene Werkstätten bieten Privatpersonen Zugang zu den dort eingesetzten Maschinen. Man blickt zumindest ansatzweise durchs Schlüsselloch in Fablabs, in denen sogenannte Maker an praktischen, genialen und innovativen Dingen, kurz gesagt an der Gestaltung unseres Daseins, tüfteln.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz
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