Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Die Treib- und Kuppelräder mit 1,96 Metern Durchmesser © Technisches Museum Wien

DIE DAMPFLOK 12.10 ein Erlebnis, auch ohne Rauch und Dampf

Seitenansicht der aufwendig restaurierten Dampflok 12.10 im Museum © Technisches Museum Wien

Eine Eisenbahn-Legende ist ins Technische Museum Wien zurückgekehrt

Der schwarze Koloss nötigt dem Betrachter Respekt ab. 138 Tonnen von Stahl wurden zu diesem Wunderwerk der Mobilität verschweißt, vernietet und schließlich lackiert. Der Prototyp 214.01 wurde ab 1928 in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik gebaut. Diese Dampflokomotive sollte die größte, schwerste, stärkste und schnellste in Österreich sein und damit den vermehrt eingesetzten E-Lokomotiven Konkurrenz bieten. Gleichzeitig wollte man die nach dem Ersten Weltkrieg eingebrochene Produktion von Dampflokomotiven am Leben erhalten. Eingesetzt wurden sie vor allem auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg. Von den 13 Stück, die bis 1936 die Fabrik verließen, hat sich jedoch nur ein einziges Exemplar unzerlegt erhalten, die 12.10er, wie sie von der ÖBB nach dem Zweiten Weltkrieg benannt wurde. Bis 1956 zog sie Schnellzüge mit einer Geschwindigkeit bis zu 120 km/h und bewältigte, wie es im Eisenbahnjargon heißt, mit einer indizierten Leistung von 2.162 kW eine Dienstmasse von 118/123,5 t. Danach blieb aber auch ihr das museale Schicksal nicht erspart.

Führerstand der Dampflok 12.10 © Technisches Museum Wien

Mit unglaublichem Aufwand wurde nun die 12.10er aus dem Eisenbahnmuseum Strasshof zuerst per Schwertransport nach Korneuburg zur Restaurierung verfrachtet und zuletzt wieder in das Technische Museum Wien zurück überstellt. Bei besonderen Anlässen ist es Eisenbahnfreaks erlaubt, in den Führerstand zu klettern, um eine Ahnung zu erhalten, wie mühsam und der Gesundheit absolut unzurtäglich das Leben eines Lokführers in diesen dampfenden Zeiten war. An einer Hands-on-Station kann man jederzeit probieren, Kohlen zu schaufeln und wird nach einigen Versuchen kraftlos die Arme sinken lassen. Dem Heizer waren derlei Pausen nicht möglich.

Der Wasservorrat von 29,5 m3 wollte am Dampfen gehalten werden, um die mit massiven Treibstangen verbundenen Räder bis zu 154 km/h – damals österreichischer Rekord – laufen zu lassen. Eine Videoinstallation an der Wand neben der Lokomotive gibt eins zu eins Einblick in ihr Innenleben und lässt Zugpassagieren, die mittlerweile mit guten 260 km/h gen Westen brausen, den Mund vor Staunen offen stehen, wenn sie erfahren, was allein mit Dampfdruck bereits alles möglich war.

Projektion der Dampflok im Maßstab 1:1 © Technisches Museum Wien

Corona Impact Ausstellungsansicht

CORONA IMPACT führt zum An- u. Überdenken der 17 SDGs

Der Babyelefant als Zeichen für Social Distancing

Spannende Gegenwart in einer Pop-up-Installation aus „Rapid Response Collecting“

Es sind etliche neue Begriffe, die uns nicht zuletzt das international aktive Virus mit dem sattsam bekannten lateinischen Namen wieder ins Gedächtnis gerufen bzw. beschert hat. Um diese Wörter, die sich im Zuge der Pandemie ungeahnter Aktualität erfreuen, auch international zu positionieren, sind sie der Einfachheit halber englisch. So steht die Abkürzung SDG für „Sustainable Development Goals“. Dahinter steckt die ehrgeizige Vereinbarung, 2015 getroffen von allen Staats- und Regierungschefs der Welt, 17 globale UN Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 zu bewältigen. Was bisher etwas dahin gedümpelt ist, hat sich nun als probates Werkzeug erwiesen, dem tückischen Krankheitserreger über die medizinische Forschung hinaus entgegentreten zu können. Wenn wir, und damit ist die gesamte Menschheit gemeint, Armut, Ungleichheit, Klimakrise, Umweltzerstörung in den Griff bekommen und für Frieden und Gerechtigkeit sorgen wollen, dann wäre es an der Zeit, ein SDG nach dem anderen im Licht der gegenwärtigen Bedrohung abzuarbeiten.

Corona Impact Ausstellungsansicht

Peter Aufreiter, neuer Direktor des TMW (technisches Museum Wien) setzt dabei auf eine Pop-up-Installation, also keine große Ausstellung, sondern einen kurzen, aber intensiv nachdenklich machenden Rundgang unter dem Titel „Corona Impact: An-Denken in 17 Stationen“ bis 4. September 2020. Um diese Schau entsprechend mit Objekten bestücken zu können, kam „Rapid Response Collecting“ zum Einsatz, rasend schnelles Sammeln von Gegenständen, die stellvertretend für die seltsame Zeit seit dem „Shutdown“ und dem Umgang mit der nach wie vor bestehenden Infektionsgefahr stehen.

 

Eingestiegen wird mit „keine Armut“ und „kein Hunger“. Säckchen mit Sach- und Lebensmittelspenden, wie sie während des strengen Ausgehverbots am sogenannten Gabenzaun zur Entnahme durch Bedürftige aufgehängt wurden, sind das berührende Beispiel einer anonymen Solidarität in schwerer Zeit. Geschmunzelt darf bei „nachhaltiger Konsum und Produktion“ werden. An den wohl nie geklärten irrationalen Run auf Klopapier erinnert die Schneekugel mit einer Rolle Toilettepapier. „Hochwertige Bildung“ gab es durchaus auch im „Homeschooling“, wenngleich die „Geschlechtergleichheit“ auf beiden Seiten dadurch in eine empfindliche Spannung geriet. „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ ist einer der Punkte, der nach Kurzarbeit, Massenentlassungen und Betriebsschließungen die Gesellschaft noch eine Weile beschäftigen wird. Ins Hintertreffen gerieten in jüngster Zeit die „Maßnahmen zum Umweltschutz“, obwohl der Stillstand der Flugzeuge bestechend gute Ideen zum Abbau von CO₂ geliefert hätte.

Die Rettung des Klimas wird uns aber weiter fordern, falls wir ernsthaft verhindern wollen, dass unsere Enkeln am Nordpol in lauwarmem Wasser baden können. Der Blick wird auch auf das „Leben unter Wasser“ gerichtet und dabei wie durch ein Teleskop auf Venedig. Die kolportierten Delphine waren ein Fake, anders als die sauberen Kanäle, deren Boden nicht von kriminell nahe vorbei fahrenden riesigen Kreuzfahrtschiffen aufgewühlt ist. Jede der 17 SDG-Stationen bietet damit auf ihre Weise Stoff zum Grübeln und Diskutieren. Die Besucher sollen sich in Lebensrealitäten anderer hineinversetzen, beispielsweise bei diversen Lebensnotwenigkeiten wie „sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“, die uns selbstverständlich sind, in anderen, gar nicht so fernen Teilen der Welt einen nahezu unerreichbaren Luxus darstellen. Hinterfragt werden abschließend die Chancen für „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“, die wohl kaum ohne verlässliche „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ bewältigt werden können.

Schneekugel mit KLopapierrolle
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