Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Corona Impact Ausstellungsansicht

CORONA IMPACT führt zum An- u. Überdenken der 17 SDGs

Der Babyelefant als Zeichen für Social Distancing

Spannende Gegenwart in einer Pop-up-Installation aus „Rapid Response Collecting“

Es sind etliche neue Begriffe, die uns nicht zuletzt das international aktive Virus mit dem sattsam bekannten lateinischen Namen wieder ins Gedächtnis gerufen bzw. beschert hat. Um diese Wörter, die sich im Zuge der Pandemie ungeahnter Aktualität erfreuen, auch international zu positionieren, sind sie der Einfachheit halber englisch. So steht die Abkürzung SDG für „Sustainable Development Goals“. Dahinter steckt die ehrgeizige Vereinbarung, 2015 getroffen von allen Staats- und Regierungschefs der Welt, 17 globale UN Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 zu bewältigen. Was bisher etwas dahin gedümpelt ist, hat sich nun als probates Werkzeug erwiesen, dem tückischen Krankheitserreger über die medizinische Forschung hinaus entgegentreten zu können. Wenn wir, und damit ist die gesamte Menschheit gemeint, Armut, Ungleichheit, Klimakrise, Umweltzerstörung in den Griff bekommen und für Frieden und Gerechtigkeit sorgen wollen, dann wäre es an der Zeit, ein SDG nach dem anderen im Licht der gegenwärtigen Bedrohung abzuarbeiten.

Corona Impact Ausstellungsansicht

Peter Aufreiter, neuer Direktor des TMW (technisches Museum Wien) setzt dabei auf eine Pop-up-Installation, also keine große Ausstellung, sondern einen kurzen, aber intensiv nachdenklich machenden Rundgang unter dem Titel „Corona Impact: An-Denken in 17 Stationen“ bis 4. September 2020. Um diese Schau entsprechend mit Objekten bestücken zu können, kam „Rapid Response Collecting“ zum Einsatz, rasend schnelles Sammeln von Gegenständen, die stellvertretend für die seltsame Zeit seit dem „Shutdown“ und dem Umgang mit der nach wie vor bestehenden Infektionsgefahr stehen.

 

Eingestiegen wird mit „keine Armut“ und „kein Hunger“. Säckchen mit Sach- und Lebensmittelspenden, wie sie während des strengen Ausgehverbots am sogenannten Gabenzaun zur Entnahme durch Bedürftige aufgehängt wurden, sind das berührende Beispiel einer anonymen Solidarität in schwerer Zeit. Geschmunzelt darf bei „nachhaltiger Konsum und Produktion“ werden. An den wohl nie geklärten irrationalen Run auf Klopapier erinnert die Schneekugel mit einer Rolle Toilettepapier. „Hochwertige Bildung“ gab es durchaus auch im „Homeschooling“, wenngleich die „Geschlechtergleichheit“ auf beiden Seiten dadurch in eine empfindliche Spannung geriet. „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ ist einer der Punkte, der nach Kurzarbeit, Massenentlassungen und Betriebsschließungen die Gesellschaft noch eine Weile beschäftigen wird. Ins Hintertreffen gerieten in jüngster Zeit die „Maßnahmen zum Umweltschutz“, obwohl der Stillstand der Flugzeuge bestechend gute Ideen zum Abbau von CO₂ geliefert hätte.

Die Rettung des Klimas wird uns aber weiter fordern, falls wir ernsthaft verhindern wollen, dass unsere Enkeln am Nordpol in lauwarmem Wasser baden können. Der Blick wird auch auf das „Leben unter Wasser“ gerichtet und dabei wie durch ein Teleskop auf Venedig. Die kolportierten Delphine waren ein Fake, anders als die sauberen Kanäle, deren Boden nicht von kriminell nahe vorbei fahrenden riesigen Kreuzfahrtschiffen aufgewühlt ist. Jede der 17 SDG-Stationen bietet damit auf ihre Weise Stoff zum Grübeln und Diskutieren. Die Besucher sollen sich in Lebensrealitäten anderer hineinversetzen, beispielsweise bei diversen Lebensnotwenigkeiten wie „sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen“, die uns selbstverständlich sind, in anderen, gar nicht so fernen Teilen der Welt einen nahezu unerreichbaren Luxus darstellen. Hinterfragt werden abschließend die Chancen für „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“, die wohl kaum ohne verlässliche „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ bewältigt werden können.

Schneekugel mit KLopapierrolle

Filmstudio / Rückprojektion Filmstudio / Rückprojektion © TMW/Paul Bauer

SPECIAL EFFECTS Filmfans, ab aufs Set und an die Kamera!

Green-Screen-Brücke © TMW/Paul Bauer

Eine interaktive Ausstellung gibt Einblick in das trickreiche Schaffen der Filmemacher

Es geht darum, die Grenzen des Aufnehmbaren zu überwinden und Geschichten (fast) ohne Einschränkungen erzählen zu können. Seit dem Moment, als die Bilder laufen lernten, waren Regisseure und Kameraleute bemüht, eine Welt zu erschaffen, die man nicht einfach ablichten konnte, indem man die Kamera darauf richtete. Monster, Saurier oder fliegende Elefanten gibt es einfach nicht in der Wirklichkeit. Also braucht es viel Grips und noch mehr technischen Aufwand, um diese Ausgeburten der Phantasie später auf der Leinwand auch gruselig, realistisch bewegt oder lebendig erscheinen zu lassen. Natürlich soll der Zuschauer nicht gleich dahinter kommen, wie es möglich ist, eine Person einfach verschwinden oder noch komplizierter, gleich doppelt und dreifach erscheinen zu lassen. Wer keine Angst hat, sich die Illusion der Magie zu zerstören und genügend neugierig ist, hat nun die Möglichkeit, den findigen cineastischen Zauberern auf die Finder zu schauen, besser gesagt, deren Möglichkeiten zu studieren und sogar selbst eigenhändig auszuprobieren.

Mr. Monster © Ph Levy-EPPDCSI

Die interaktive Ausstellung „Special Effects“ (bis 5. Juli 2020) lädt ein, Schritt für Schritt in die Produktion eines Filmes einzusteigen. Es beginnt im Produktionsbüro. In der Planungsphase oder Pre-Production werden die Effekte geplant und skizziert und vor allem die Kosten überschlagen. Die Besucher werfen einen Blick in die Filmgeschichte und sehen an 30 Beispielen, welche Streifen bahnbrechende Spezialeffekte beinhalten. Es geht einerseits um die visuellen Effekte (VFX). Diese werden im Rechner generiert. Und um die Spezialeffekte (SFX), mit denen am Set gearbeitet wird. Neben vielen anderen Entscheidungen wird auch die Ästhetik, die Concept Art, des Films festgelegt. So vorbereitet geht es auf das Set, wo die Dreharbeiten stattfinden. Es bedarf dabei einer ganzen Reihe von Spezialisten. Gefragt sind solche für Pyrotechnik, Stunts, Dekor und Accessoires, Spezial-Make-up oder Bild-für-Bild-Animation. An dieser Stelle wird man Zeuge, wie Lebewesen erschaffen, wie Schauspieler bis zur Unkenntlichkeit verändert werden oder Reales mit Virtuellem für das Auge untrennbar vermischt wird. Die nächste Station ist das Studio.

Raumschiffe, Menschenmengen, Explosionen, Unwetter oder Traumschlösser, all diese Bilder werden in der Postproduktion erzeugt. Der Ton spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage, wie tief ein Film unter die Haut geht, wenn er im Dunkel des Kinosaals abläuft. Dort wird nun überprüft, wie gut die Effekte eingesetzt wurden. Das Publikum weiß natürlich, dass nicht echt sein kann, was vor ihm abläuft, soll aber für die Dauer des Films so gefangen werden, dass nicht der kleinste Zweifel an der vorgespielten Realität aufkommt.

 

Das besondere Angebot dieser Ausstellung ist der persönliche Trailer. Versehen mit einem Armband oder QR-Code am Handy wird eine Nummer mittels Scan aktiviert. An den einzelnen Stationen wird nun Film gemacht. Man rast wie James Bond auf dem Moped durch die Hochschaubahn, schlägt auf schwarzem Boden liegend die tollsten Kapriolen oder begibt sich auf das wild wogende Meer, besteht so die tollsten Abenteuer und verlässt mit diesem selbstgedrehten Streifen als Filmstar und Superheld das technische Museum, WOOW!

Greenscreen-Technik © TMW/Paul Bauer

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

ARBEIT & PRODUKTION und was uns Menschen davon bleibt

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Wie und womit funktioniert so ein 3D-Drucker denn nun wirklich?

Der vollständige Titel der neuen Ausstellung im Technischen Museum Wien lautet „Arbeit & Produktion. weiter_gedacht_“ und weist damit darauf hin, dass es sich um den zweiten Teil einer Trilogie handelt, die mit „Zukunft der Stadt“ begonnen hat. Was kommt also in den beiden Bereichen Arbeit & Produktion alles auf uns zu oder ist bereits Gegenwart, wie man sich an bereits funktionierenden, teils utopisch anmutenden Technologien überzeugen kann. So steht man einem Roboter gegenüber, der 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr und das über Jahrzehnte ohne gewerkschaftlich zugesicherte Pause oder Urlaub seine Arbeit verrichtet. Ob solche Maschinen eventuell streiken könnten, hängt ganz von der Zuverlässigkeit der dahinter stehenden Software ab, die „handgedacht“ ist, also ein menschliches Produkt. Das Ausstellungsstück ist ein Arm, der mit einem Scanner Karosserieteile auf ihre Sicherheit überprüft. Man kann ihm eine kurze Auszeit gönnen, wenn man sich nähert. „Hautnah agieren“ ist das Stichwort, das Mensch und Roboter gefahrlos näher zusammenrücken lässt.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Es kann sich um eine „Airskin“ handeln oder um einen Cobot, einem „kollaborativen Roboter“, der im laufenden Betrieb direkt mit einem Menschen zusammenarbeiten kann. So zeigt eine Ampel grün, das heißt malochen, malochen, wenn sie auf Gelb umschaltet, wird die Bewegung des Roboterarms langsamer. Bei Rot, also bei gefährlicher Nähe zu einem lebenden Wesen, hält dieser inne und wartet, bis sein Umfeld wieder von Störungen rein ist. Mit gespenstischem Eifer wird die Arbeit wieder aufgenommen. Dem Apparat wird es auch nicht zu blöd, dass aus Organisationsgründen stets im Museum der gleiche Kotflügel auf Materialschwächen abgetastet wird. Die Autoindustrie setzt seit langem auf mechanische Arbeiter, die wohl verlässlicher sind als es je ein Mensch könnte; sie sind, trotz hoher Anschaffungskosten, billiger als ein Angestellter und das berühmte Montagauto, an das sich manch einer vielleicht noch erinnert, ist damit ausgeschlossen.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

Bei solchen Blicken in eine bereits zur Vergangenheit verurteilte Zukunft gibt es genug zum Staunen. Die Gestaltung setzt auf Interaktivität mit dem Besucher. Hands on! ist die Devise, diverse Entwicklungen als persönliches Erlebnis leichter zu kapieren, wobei sich allerdings das eigene Zutun auf das Drücken von Schaltern beschränkt, das ein im weiteren Verlauf autonomes Geschehen in Gang setzt, dem man nur staunend zuschauen kann und sich ein bisserl wie ein Depp vorkommt.

Auf fünf Ebenen und in drei unterschiedlichen Bereichen ist das Thema über einen guten Teil des Technischen Museums angeordnet. Es beginnt mit einem Aufstieg zum Thema „In Produktion“. Mit jedem Stockwerk, das man über die gut beleuchtete Treppen erreicht, öffnet sich ein neuer Blick hinter die Mechanismen der industriellen Produktion und auf aktuelle Entwicklungen und Trend aus Forschung und Industrie. So erfährt man, dass der als Magister bezeichnete Apotheker nicht mehr seine meiste Zeit mit dem Ordnen des Medikamentenlagers verbringen muss und sich damit intensiver dem Kunden widmen kann. Das Prüfen von Alblaufdaten, das Nachbestellen und die Ausgabe werden hurtig maschinell erledigt.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz

„In Arbeit“ ist eine Dauerausstellung, die für „Arbeit & Produktion“ mit einem nostalgisch anmutenden Aspekt industrieller Produktion und deren historischer Entwicklung erweitert wurde. Kleine Geschichten erzählen beispielsweise über den Chilesalpeter oder die Bedeutung tropischer Fette und Öle seit der Kolonialisierung. Bestellte Versandwaren, die noch immer mit viel Handarbeit verladen und per Boten ausgeliefert werden, könnten längst an einer Drohne hängend direkt ins Haus zugestellt werden.

Dazu fehlt nur mehr das OK des Gesetzgebers in Sachen Flugverkehr. So treffen in diesem Bereich Science-Fiction, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und wie es dort heißt, „menschliche Abenteuerlust und die Bereitschaft zum Risiko aufeinander.“

 

Im techLAB wird endlich die Frage gestellt, welche Kompetenzen werden wir in unserem Leben in Zukunft überhaupt noch brauchen? Angesprochen werden dabei Kinder ebenso wie Senioren, die hier Werkzeuge kennenlernen können, die sie bisher nicht kannten, und sie können Dinge schaffen, die man sich vorher nicht zugetraut hätte. Zum Probieren stehen verschiedene computergesteuerte Werkzeuge zur Verfügung, so auch 3D-Drucker, die man unter fachkundiger Anweisung des Personals bedienen darf, um sich eine kleine Zierfigur oder ein praktisches Lesenzeichen zu basteln.

Nachdem, wie man aus Zeitungsartikeln weiß, mit diesen Druckern im Grunde alles hergestellt werden kann, sogar eine Pizza, wird man hier in die Grundzüge des digital gesteuerten Schaffens eingeführt. Offene Werkstätten bieten Privatpersonen Zugang zu den dort eingesetzten Maschinen. Man blickt zumindest ansatzweise durchs Schlüsselloch in Fablabs, in denen sogenannte Maker an praktischen, genialen und innovativen Dingen, kurz gesagt an der Gestaltung unseres Daseins, tüfteln.

Arbeit & Produktion Ausstellungsansicht © Technisches Museum/APA-Fotoservice/Juhasz
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