Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Sujet der Ausstellung „Künstliche Intelligenz?“ © Technisches Museum Wien

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ? Zum Staunen und Gruseln

Flötenspielautomat „Automa suonatore di flauto“, 1849 © Sebastian Weissinger / TMW

Fakten und Mythen zu einem (Alb-)Traum der Menschheit

Waren es vor ein, zwei Jahrhunderten noch (aus heutiger Sicht) einfache mechanische Erfindungen, die als Sensationen ganze Theatersäle füllten, ist das Betriebssystem der Kybernetik mittlerweile unsichtbar geworden. Für die meisten von uns sind diese von Algorithmen gesteuerten Errungenschaften neuester Technik unbegreifbar, ganz einfach, weil man das Geschehen, das in hochkomplizierten Computerprogrammen abläuft nicht angreifen kann. Dennoch hat sich das Technische Museum Wien über dieses Thema gewagt und dazu die Sonderausstellung „Künstliche Intelligenz?“ gestaltet. Kurator Christian Stadelmann ist es gelungen, diesem Phänomen, das mehr und mehr Beklommenheit und Angst erzeugt, die Aura einer weit jenseits unserer Begriffsfähigkeit liegenden Existenz zu nehmen und in unseren Alltag herüber zu führen. Empfangen wird der Besucher von Cruzr, einem Serviceroboter, der auf seinem Display Fragen freundlich beantwortet. Er ist die jüngste Schöpfung von Humanoiden, deren ältester Vertreter ein Flötenspieler aus dem 19. Jahrhundert ist.

Das gläserne Gehirn © Technisches Museum Wien

Es sind – vereinfacht gesagt – Roboter, die zwar dem Menschen von weitem ähnlich sehen, mit dessen eigentlichen Wesen aber wenig gemeinsam haben. Künstliche Intelligenz hat keine androide Gestalt. Näher kommt man der Wahrheit bereits an der Station, in der man sich von Sensoren umfassend vermessen lassen kann. Erhoben werden in dieser stillen Kammer nicht nur biometrische Daten, sondern auch Verhaltensweisen. Das Ergebnis ist nicht selten eine Überraschung und möglicherweise bereits der Anfang einer maschinellen Psychoanalyse.

Neuronale Netze, Ausstellungsansicht © Sebastian Weissinger / Technisches Museum Wien

Vorbild ist und bleibt für die Künstliche Intelligenz, kurz KI, das menschliche Gehirn. Forscher ließen sich vom Gespinst der neuronalen Netze inspirieren. Sie kopierten die Eigenschaften sowie die Struktur und trainierten sie mit Unmengen von Daten. Noch ist der Erfolg überschaubar. An einer Wand mit handlichen Tafeln aktiviert man einen Teil durch Druck, indem man beispielsweise eine Zahl formt, die am Ende eines Gewirrs von Drähten über der richtigen Zahl eine Bildsäule aufleuchten lässt.

Leichter zu kapieren ist die Entwicklung von KI bei Wachmaschinen, die von einer einfachen Trommel aus dem 18. Jahrhundert über die noch in jüngster Zeit verwendeten Lochkarten bis zum Vollautomaten die Entwicklung dieser Haushaltshilfe zeigen. Es wird auch der Frage, ob KI kreativ sein kann, anschaulich nachgegangen und die Frage gestellt, ob es sich um einen genialen Akt handelt, wenn eine programmierte Maschine eine ganze Symphonie komponieren kann.

Die Künstler unter uns dürfen beruhigt weiterschaffen. Herauskommt am Ende bei der Maschine nur das, was vom Programmierer eingegeben wurde. Aber inspirieren kann man sich an der in der dort aufgestellten Klaviatur lassen. Ist man ganz oben angekommen, auf gleicher Höhe mit den vom TMW ausgestellten Flugapparaten, geht es um „Mobilität im Wandel“. Schon in der 1930er-Jahren wurde stolz ein selbstfahrendes Auto präsentiert. Seither wurden zig Prototypen dieser lenkerlosen Fahrzeuge konstruiert. Vergessen wurde dabei aber auf das Bedürfnis des Menschen, beim Autofahren auch Spaß zu haben, wenn man auf das Gaspedal steigt, um ein anderes Auto zu überholen oder ein Gegenüber hat, dem man den Scheibenwischer bzw. Stinkefinger zeigen kann. Ernsthafter wird es abschließend in einer Videoinstallation, in der Wissenschaftspublizist Florian Aigner die Auswirkungen dieser und andere Zukunftsszenarien unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit evaluiert.

Kybernetische Maschine „MM7, Selektor“, 1961 © Technisches Museum Wien

Die Treib- und Kuppelräder mit 1,96 Metern Durchmesser © Technisches Museum Wien

DIE DAMPFLOK 12.10 ein Erlebnis, auch ohne Rauch und Dampf

Seitenansicht der aufwendig restaurierten Dampflok 12.10 im Museum © Technisches Museum Wien

Eine Eisenbahn-Legende ist ins Technische Museum Wien zurückgekehrt

Der schwarze Koloss nötigt dem Betrachter Respekt ab. 138 Tonnen von Stahl wurden zu diesem Wunderwerk der Mobilität verschweißt, vernietet und schließlich lackiert. Der Prototyp 214.01 wurde ab 1928 in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik gebaut. Diese Dampflokomotive sollte die größte, schwerste, stärkste und schnellste in Österreich sein und damit den vermehrt eingesetzten E-Lokomotiven Konkurrenz bieten. Gleichzeitig wollte man die nach dem Ersten Weltkrieg eingebrochene Produktion von Dampflokomotiven am Leben erhalten. Eingesetzt wurden sie vor allem auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg. Von den 13 Stück, die bis 1936 die Fabrik verließen, hat sich jedoch nur ein einziges Exemplar unzerlegt erhalten, die 12.10er, wie sie von der ÖBB nach dem Zweiten Weltkrieg benannt wurde. Bis 1956 zog sie Schnellzüge mit einer Geschwindigkeit bis zu 120 km/h und bewältigte, wie es im Eisenbahnjargon heißt, mit einer indizierten Leistung von 2.162 kW eine Dienstmasse von 118/123,5 t. Danach blieb aber auch ihr das museale Schicksal nicht erspart.

Führerstand der Dampflok 12.10 © Technisches Museum Wien

Mit unglaublichem Aufwand wurde nun die 12.10er aus dem Eisenbahnmuseum Strasshof zuerst per Schwertransport nach Korneuburg zur Restaurierung verfrachtet und zuletzt wieder in das Technische Museum Wien zurück überstellt. Bei besonderen Anlässen ist es Eisenbahnfreaks erlaubt, in den Führerstand zu klettern, um eine Ahnung zu erhalten, wie mühsam und der Gesundheit absolut unzurtäglich das Leben eines Lokführers in diesen dampfenden Zeiten war. An einer Hands-on-Station kann man jederzeit probieren, Kohlen zu schaufeln und wird nach einigen Versuchen kraftlos die Arme sinken lassen. Dem Heizer waren derlei Pausen nicht möglich.

Der Wasservorrat von 29,5 m3 wollte am Dampfen gehalten werden, um die mit massiven Treibstangen verbundenen Räder bis zu 154 km/h – damals österreichischer Rekord – laufen zu lassen. Eine Videoinstallation an der Wand neben der Lokomotive gibt eins zu eins Einblick in ihr Innenleben und lässt Zugpassagieren, die mittlerweile mit guten 260 km/h gen Westen brausen, den Mund vor Staunen offen stehen, wenn sie erfahren, was allein mit Dampfdruck bereits alles möglich war.

Projektion der Dampflok im Maßstab 1:1 © Technisches Museum Wien
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