Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE

als leicht gekürzte Hetz zum Mitspielen

 Shakespeares sämtliche Werke © Walter Pobaschnig

Shakespeares sämtliche Werke © Walter Pobaschnig

Eine amüsante Herausforderung sogar für erfahrene Theaterprofis

Ein paar Statistische Daten vorweg: Shakespeare werden 37 bzw. 38 Dramen, dazu Versdichtungen und 154 Sonette zugeschrieben. Wollte man allein sein dramatisches Œuvre in einem Zug aufführen, bräuchte man dazu mindestens 120 Stunden, das sind fünf ganze Tage, wobei die Pausen nicht mitgerechnet sind. Eine einigermaßen seriöse Zusammenfassung wäre nach wie vor eine Mammutaufgabe für jedes Publikum, das dieses über ungebührlich lange Zeit von Freunden und Familie fernhalten und den Theaterbuffets ungeahnte Umsätze bescheren würde. Um sich eine Trennungszulage und Überfütterung mit Mayonnaisebrötchen zu ersparen, haben die drei (nota bene!) Amerikaner Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield das Adjektiv „leicht“ in ihrer Weise interpretiert und manche der Dramen auf eine Länge von einigen Minuten skelettiert. Eine Förderung der Allgemeinbildung, sollte man meinen, tatsächlich ist es aber ein turbulenter Spaß, zu dem man ungeniert lachen kann, wenn man auch nicht immer ganz genau weiß, welcher englische König gerade ermordet oder welche Sauerei in einer der Komödien, die laut der Autoren längst nicht so lustig sind wie die Tragödien, von den Protagonisten begangen wird.

Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

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Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

Christoph Prückner hat sich mit seiner Truppe dieser Kurzfassung für das Theater Center Forum unterzogen. Er benötigt dafür zwei Schauspielerinnen und einen „zufällig ausgewählten Gast“ aus dem Publikum. Anaïs Marie Golder, Viktoria Hillisch und David Stöckl sind die Mutigen, die, wie großspurig angekündigt wird, alle von Shakespeare vorgesehenen Rollen verwirklichen wollen. Auf den schwarzen Wänden der von Erwin Bail gestalteten Bühne sind die Titel wie auf einer Schultafel mit Kreide notiert. Nach dem launigen Prolog geht es an die berühmteste und traurigste Lovestory aller Zeiten. Anaïs ist ein zarter Romeo, David higegen Julia und nebenbei der streitlustige Tybalt.

Viki kann als Prinz nur ein erschütterndes Resümee zu den letalen Vorgängen abgeben. Nach Einsatz einer versenkbaren Klinge zwecks Suizid wird mit dem Schnellzug durch die Komödien und Königsdramen gebraust. Man hat zugegebenermaßen Mühe, bei diesem Tempo die einzelnen Geschichten den richtigen Titeln zuzuordnen. Klar wird es erst nach der Pause. Es geht ausschließlich um Hamlet. Für das Theater im Theater wird das von Anaïs gezeichnete Shakespeareporträt weggeklappt und von der Minibühne aus Claudius mit seiner Untat konfrontiert. David lässt dabei den dänischen Thronräuber als sattsam bekannten US-Präsidenten erscheinen, der derlei Kritik einfach verbietet und lachend Fake News verbreitet. Das logische Ende: Alle Beteiligten liegen sterbend am Boden, denn der Rest ist Schweigen – und der Applaus von Menschen, die immer wieder zum aktiven Mitmachen animiert wurden und diese konzentrierte Literaturstunde bis zum finalen Schnelldurchlauf sichtlich genossen haben.

Shakespeares sämtliche Werke, Szenenfoto © Walter Pobaschnig

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