Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der Vater, Ensemble © Karin Vogt

Der Vater, Ensemble © Karin Vogt

DER VATER Strindberg und der Hader mit der Frau

Anna Dangel, Erwin Bail © Karin Vogt

Anna Dangel, Erwin Bail © Karin Vogt

Die ewige bange Frage des Mannes: Bin ich´s? oder bin ich´s nicht?

Das Stück beginnt mit der den gesamten Abend bestimmenden Diskussion, ob ein Mann sich je sicher sein könnte, der Erzeuger seiner Kinder zu sein. Der junge Soldat Nöjd hat mit dem Mädchen zwar geschlafen, ob er auch an ihrer Schwangerschaft Schuld trägt, will er nicht so einfach bejahen. Sogar der Pastor schlägt sich auf seine Seite, als ihn der Rittmeister brüsk auffordert, doch zu diesem Kind zu stehen. In diesem Moment ahnt der Offizier jedoch nicht, dass er selber noch am selben Tag in diese Auseinandersetzung hineingezogen wird. Seine Frau Laura ist die bösartige Verschlagenheit persönlich. Sie will ihren Mann loswerden, am besten durch Entmündigung und sät Zweifel bezüglich seiner Vaterschaft an der Tochter Berta. Die Dinge nehmen ihren verhängnisvollen Lauf, bis zur endgültigen Vernichtung des Mannes. August Strindberg hat 1887 in „Vater“ die Unterlegenheit des Mannes einer Frau gegenüber in anschaulicher Weise dargelegt und damit diesen von ihrer Seite mit den gemeinsten Mitteln geführten Krieg als Warnung seinen Geschlechtsgenossen ins Stammbuch geschrieben.

András Sosko, Alexander Novotny, Erwin Bail © Karin Vogt

András Sosko, Alexander Novotny, Erwin Bail © Karin Vogt

Helga Leitner, Erwin Bail © Karin Vogt

Helga Leitner, Erwin Bail © Karin Vogt

Im Theater Experiment in der 9., Liechtensteinstraße 132 hat man bis 5. November 2022 eine der seltenen Gelegenheiten, dieses Drama in seiner ganzen zwischenmenschlichen Brutalität zu erleben. Fritz Holy hat mit Erwin Bail Regie geführt. In einem kühlen Zimmer – an der Wand Bücher, Schreibtisch, Säbel und Pistole des Rittmeisters – prallen die Eheleute aufeinander.

Laura hat mit Doris Drechsler eine Darstellerin gefunden, der man so nicht echten Leben begegnen wollte. Wie eine geniale Schachspielerin kennt sie die Züge ihres Mannes (Erwin Bail als sowohl cholerisch polternder Rittmeister als auch feinsinniger Wissenschaftler) längst im Voraus. Sie hat seine Forschungen boykottiert und treibt ihn mit ihrem Zynismus zum Äußersten. Der Gedanke, dass er nicht der Vater von Berta (Anna Dangel als ihm herzlich zugetane Tochter) sein könnte, wird von ihr wie Gift in die Streiterei eingeträufelt. Die gläubige Amme (Helga Leitner) sieht in ihm noch immer das Kind, das sie einst gesäugt hat, und bleibt doch zwischen den Parteien neutral. Der Pastor ist der Bruder von Laura (András Sosko). Er erkennt sehr wohl, dass sein Schwager nicht geisteskrank ist, aber Blut ist eben dicker als Milch. Das entscheidende Urteil stünde dem Arzt Dr. Östermark zu. Alexander Novotny schafft es, mit subtilen Zweifeln immer wieder Hoffnung für den Rittmeister aufkeimen zu lassen und fällt dennoch auf Laura herein, die damit gegen die Männer ihrer Umgebung ihr dreckiges Spiel bravourös gewinnt.

Doris Drechsler, Anna Dangel, Erwin Bail © Karin Vogt

Doris Drechsler, Anna Dangel, Erwin Bail © Karin Vogt

theater experiment Logo 300

Statistik