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Njola Impressions: Kiteezi Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien

Njola Impressions: Kiteezi Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien, Foto: Jakob Gsöllpointner

NJOLA IMPRESSIONS KITEEZI

Ein Motorrad aus dem Abfall von Kampala

Njola Impressions Kiteezi Collection © Giulio Molfese

Njola Impressions Kiteezi Collection © Giulio Molfese

Kunst aus einer afrikanischen Müllhalde als Mahnung an unsere Wegwerfgesellschaft

Kiteezi ist der Name eines gewaltigen Mistplatzes in der Nähe von Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Im August 2024 wurden er und etliche Häuser in angrenzenden Siedlungen mitsamt ihren Bewohnern von einem verheerenden Erdrutsch erfasst. Durch diese Katastrophe wurde Künstlerin Nabukenya Allen (Künstlername: Njola) auf das Müllproblem ihrer Heimat aufmerksam. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit den Tausenden von Menschen, die täglich auf dieser Deponie ihr Auskommen suchen. Dazu zählen auch die am Rand der Gesellschaft stehenden Boda-Boda-Fahrer, die mit ihren Motorradtaxis das urbane Leben in Bewegung halten und nicht zuletzt für den Transport der Abfallstoffe zuständig sind. Dazu kommt die Herkunft des Mülls, der zum erheblichen Teil aus – wie es hier heißt – globalen Warenströmen stammt, oder anders gesagt, dieser Platz dient mit seinen täglichen 2.000(!) Tonnen Müll zu einem guten Teil dem globalen Norden für die praktische Entsorgung von Problemstoffen aller Art.

Njola Impressions: Kiteezi  Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien

Njola Impressions: Kiteezi Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien, Foto: Jakob Gsöllpointner

Njola Impressions Kiteezi Collection © Giulio Molfese

Njola Impressions Kiteezi Collection © Giulio Molfese

Deswegen betrifft die Botschaft der Installation, die unter „Njola Impressions Kiteezi“ bis 11. Oktober 2026 unser Gewissen aufrütteln soll, auch unseren Umgang mit immer kurzlebigeren Konsumgütern und einer damit verbundenen Wegwerfmentalität. Dass für diese Ausstellung ein an die Antike angelehnter Tempel als Schauplatz gewählt wurde, erscheint grotesk, aber es ist die klare saubere Architektur, in der diese höchst ungewöhnlichen Werke in ihrer Wirkung verstärkt werden. Im Zentrum thront das aus Plastik und Gummi gebaute Motorrad auf einer transparenten Plexiglasbühne. Der Kasten ist gefüllt mit Farbpigmenten aus pulversierten Flipflops. Die bunten Streifen dokumentieren die Bodenschichten, die durch Plastikmüll verseucht sind.

Darüber hängen zwei aus Polyäthylen gewebte Säcke, ebenfalls mit Müll gefüllt. Rundum reihen sich wie Darsteller eines düsteren Theaters Figurinen der Boda-Boda-Fahrer. Njola hat für sie eine 13-teilige Kollektion und farbenprächtige Standflächen entworfen, hergestellt aus Autoreifen. Zu sehen sind darauf konkrete Regionen Ugandas, die mit einem Seil verbunden sind, um den weltweiten Fluss des Mülls von Norden nach Süden zu symbolisieren. Zu der von ihr angewandten Technik sagt Njola: „Reifenplatten dienen mir als Leinwand, Bestandteile von Flipflops als strukturelle Elemente. Durch Reinigen, Schneiden, Zerkleinern und Umformen entstehen daraus pulverförmige Pigmente, die ich mit Zusatzstoffen mische, um eigene Farben herzustellen.“ Verstärkt wird das Erlebnis durch Projektionen und Soundelementen, wobei dem eher zufällig erscheinenden Publikum mitten in der Rosenpracht des Volksgartens ausführliche Wandtexte den Zugang zu dieser irritierenden, aber erstaunlich geruchlosen Ansammlung von kunstvoll verarbeitetem Müll ermöglichen.

Njola Impressions: Kiteezi  Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien

Njola Impressions: Kiteezi Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband, Weltmuseum Wien, Foto: Jakob Gsöllpointner

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