Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Was war einmal...? Szenenfoto © Veronika Thim

Was war einmal...? Szenenfoto © Veronika Thim

WAS WAR EINMAL...? Original Stegreif Klassik als „Märchenonkel“

Was war einmal...? Szenenfoto © Veronika Thim

Was war einmal...? Szenenfoto © Veronika Thim

Launiger Nachhilfeunterricht für erzählfreudige Erwachsene

Nachdem Märchenbücher seit langem in Bücherregalen verstauben, haben selbst die Hauptfiguren ihre eigenen Geschichten vergessen und „versumpern” im Märchenwald. Doch plötzlich gilt es, einen potenziellen Leser für sich und die Geschichten zu begeistern.

Es wird alles versucht, um sich wieder zu erinnern. Aber wie war das nochmal? Und wer… und wo… und warum…? Geht es einem nicht selbst auch so, wenn Kinderaugen wissen wollen, was mit Rotkäpchen passiert und einem nicht um die Burg einfallen will, was dieser blöde, pardon, böse Wolf gesagt und getan hat. Man darf also neugierig sein, was der Stegreif dieses Mal aus den Brüdern Grimm & Co. zaubern wird.

 

Es spielen und improvisieren Bettina Enenkel, Georg Hasenzagl, Jürgen Kapaun, Markus Richter, Thomas Schreiweis, Natascha Shalaby, Manuela Stachl nach einer Idee von Jürgen Kapaun.

DIE TSCHAUNER BÜHNE 2022 Altbewährte Gaudi hinter neuer Fassade

Neue Fassade, alter Bürgermeister und Tschauern-Honoratioren © Tom Peschat

Neue Fassade, alter Bürgermeister und Tschauner-Honoratioren © Tom Peschat

Komm ein bisschen mit nach Italien, um Zuständ´ wie im alten Rom zu erleben...

Ab Juni geht´s wieder los, draußen in der Vorstadt, genauer gesagt, in der Maroltingergasse 43 in Ottakring. Man muss zwei Mal hinschauen, um das alte Brettl wiederzuerkennen. Die über hundert Jahre alte Fassade wurde mutig erneuert. Aber damit hat es sich schon an großen Reformen. Drinnen ist alles so ziemlich beim Alten geblieben. Knackwurst und Bier sind ebenso vorhanden wie das Schiebedachl, das auch an verregneten Abenden den ungestörten Spielbetrieb ermöglicht.

 

Unter „Stegreif Klassik“ gibt es wieder „Das Freudenhaus vom Liebhartsthal“ oder den „Mord in der Wurlitzergasse“, ergänzt mit Novitäten wie „Lady Power“ oder „Salon Pitzelberger“.

Wenn wir schon beim Lachen sind, sollte auf „3 Engel für Tschauner“ mit „Stegreif 2.0“, auf das Musical „Zuständ´ wie im alten Rom“ oder die erste Premiere am 8. Juni 2022 „Komm ein bisschen mit nach Italien“ nicht vergessen werden. Wenn dann noch „Tscharleys Tante Sing Along“ in einer Wiederaufnahme über die Bühne fegt, bleibt bestimmt kein Auge trocken und vom Mitsingen der alten Hadern sollte beim Schlussapplaus die Kehle so rau sein, dass nur ein Schluck Schwechater Abhilfe schafft.

Szenenfoto Tscharleys Tante © Bettina Frenzel

Szenenfoto Tscharleys Tante © Bettina Frenzel

Geblödelt wird auch heuer Im Grauen Rössl, genauso wie bei der Premiere anno 2021:
 

Die Tschauner Bühne 110 Jahre jung

Die Tschauner Bühne

IM GRAUEN RÖSSL rennt der Klassik-Stegreif-Schmäh

Im Grauen Rössl, Ensemble © Veronika Thim

Im Grauen Rössl, Ensemble © Veronika Thim

Immaterielles Kulturerbe entsteht, wenn sich Knackwurst, Schwechaterbier und gaudiges Theater treffen

Rollen lernen? Ach wo! Hauptsache, das Ensemble weiß, wohin die Handlungsreise gehen soll. Den Rest erledigt die Improvisationsgabe der Schauspieler. Die Wissenschaft nennt es Stegreif-Theater und findet dessen Wurzeln in der Commedia dell´Arte im Italien des 17. und 18. Jahrhunderts und im Alt-Wiener Volkstheater, aber auch im modernen Impro-Theater auf experimentellen Bühnen. Draußen in Ottakring, am Rand der Großstadt, hat sich eine der unterhaltsamsten Formen dieser Kunst erhalten, das Tschaunern. Vor mehr als 110 Jahren hat ein gewisser Gustav Tschauner in Wien eine Sommerbühne gegründet, die 1957 in die Maroltingergasse 43 im 16. Bezirk umgezogen ist. Nach seinem Ableben 1961 hat die wesentlich jüngere Gattin Karoline das Brettl weitergeführt. Es wurde später an das Wiener Volksbildungswerk verkauft und 1989 als „Original Wiener Stegreifbühne, vormals Tschauner“ neu eröffnet. Das Programm erfuhr eine der Zeit angepasste Erweiterung. Zur Tschauner Klassik kamen Stegreif 2.0 und eine Reihe von Veranstaltungen wie Konzerte, Kabarett bis zum Musical.

Christian Schiesser, Thomas Schreiweis © Veronika Thim

Christian Schiesser, Thomas Schreiweis © Veronika Thim

Manuela Stachl, Thomas Schreiweis © Veronika Thim

Manuela Stachl, Thomas Schreiweis © Veronika Thim

Gleich geblieben ist das Ritual der Besucher. Vor der Vorstellung und in der Pause wird fleißig gegessen und getrunken. Kult ist das Tschauner-Menü. Knackwurst und Bier liefern genügend Kraft, um sich aus den Zuschauerreihen heraus mit witzigen Bemerkungen am Geschehen auf der Bühne zu beteiligen. Derlei Zwischenrufe sind keinesfalls eine Störung, sie gelten eher als Prüfung der Schlagfertigkeit der jeweiligen Schauspieler, die sogar ein Hupen auf der Straße davor oder das Folgetonhorn eines Einsatzwagens gekonnt und, wie man in Wien sagt, mit dem entsprechenden Schmäh in ihre Dialoge einzubauen verstehen. Der Lohn: 2018 Ernennung durch die österreichische UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe.

 

So kommt es auch am idyllischen, allerdings sehr einsamen Schlunzlsee zu urbanem Verkehrslärm. Dort betreibt das aus dem „Weißen Rössl“ am Wolfgangssee umgesiedelte Ehepaar Vogelhuber-Brandmeyer das marode Hotel „Zum Grauen Rössl“. Es gibt lustigere Themen als das Herumschlagen mit nicht bezahlten Rechungen, mit einer drohenden Zwangversteigerung und den Plänen, den See zubetonieren zu lassen, die Berge abzutragen und ein Businesszentrum zu errichten. Dass man trotzdem herzlich lachen kann, ist allein das Verdienst der Darsteller. Markus Richter ist der fesche Kellner Leopold, der so gerne für seine Gäste singen würde, wenn man ihn ließe. Aber weder der Piccolo (die reizende Sarah Braun, die dem Alten ihr Geschlecht als Piccolina nicht und nicht beibringen kann) noch die resche Postlerin Ursula Anna Baumgartner wollen ihm zuhören.

Markus Richter, Christian Schiesser, Ursula Anna Baumgartner © Veronika Thim

Markus Richter, Christian Schiesser, Ursula Anna Baumgartner © Veronika Thim

Seine Frau Josepha (Manuela Stachl) sieht eher darin ein Problem, dass sich ihr Gemahl zu oft bei den Dopplern im Weinkeller herumtreibt. Da es sich um eine Parodie auf die Parodie einer Operettenparodie handelt, haben auch der Deutsche Giesecke (Christian Schiesser) und ein windiger Geschäftsmann, hier heißt er Dr. Sidlov (Jürgen Kapaun), ihren Auftritt. Der eine soll den anderen vertreiben, als Gespenst. Giesecke verkleidet sich als Kaiser Franz Joseph – und trifft auf den aus der Kapuzinergruft auferstandenen echten Kaiser. Mit hinreißender Komik lenkt Thomas Schreiweis (Emmy Schörg, schau owa!) als Geist des alten Monarchen schließlich die ganze Misere zum Guten. Sein „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“ gilt jedoch nicht nur für dieses Stück. Klassische Stegreif-Hetz gibt es auch im „Salon Pitzelberger“, beim „Mord in der Wurlitzergasse“ und im „Freudenhaus vom Liebhartsthal“, die alle noch im August dieses Jahres zu erleben sind.

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