Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht Wolfgang Paalen Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

WOLFGANG PAALEN Ein Maler mit Öl und Kerzenrauch

Fumage, 1938 Kerzenrauch Foto: Jens Ziehe, Berlin © Succession Wolfgang Paalen et Eva Sulzer

Ein Österreicher mitten unter den Großen des Surrealismus

Der Prophet gilt nichts in seiner Heimat. Der Maler Wolfgang Paalen ist einer der Betroffenen. Er wurde 1905 in Wien geboren. Die Familie zog es aber schon in seinen frühen Jahren (1913) nach Schlesien (Deutschland)und 1919 nach Paris. Paalen wurde in den folgenden Jahren zum Europäer mit Aufenthalten in Rom, Berlin, wiederum Paris und München. Dort nahm der junge Künstler 1927 ein Studium an der Hans Hofmann Schule auf, das ihn während eines Sommerkurses nach Cassis in Südfrankreich führte. Ab 1930 wurde er wieder Pariser. Er nahm am Salon des Surindépendents teil und besuchte die Malklasse Fernand Légers. 1935 kam es endlich zur Bekanntschaft mit André Breton, der ihn mit offenen Armen in die Gruppe der Surrealisten aufnimmt. Im Dezember des Jahres 1938 erreichte ihn die Einladung der großen Frida Kahlo, zu ihr nach Mexiko zu kommen. Er bricht auf und wird 1940 dort von ihr empfangen. 1942 wird Paalen in der Kunstszene New Yorks zum Gesprächsthema.

Wolfgang Paalen, „Paysage totémique“, 1938 © Private collection, courtesy of Malingue S. A.

Die drei von ihm herausgegebenen Hefte der Kunst- und Literaturzeitschrift DYN führen im Big Apple zu Kontroversen. Der Künstler selbst bleibt in Mexiko, wenngleich seine Werke auch in Peggy Guggenheims Galerie Art of this Century in New York zu sehen sind. 1945 erscheint von Paalen als Literat dessen Essaysammlung „Form and Sense“ in Robert Motherwells Publikation „Problems of Contemporary Art und sein Theaterstück „The Beam of the Balance“ wird fertiggestellt. 1946 wird die erste Monografie über Wolfgang Paalen publiziert. Ein Jahr später wird er Staatsbürger von Mexiko, übersiedelt jedoch 1949 nach Mill Valley bei San Francisco, wo er die Dynaton-Gruppe mit Gordon Onslow Ford und Lee Mullican gründet. Malerei und Schriftstellerei wechseln sich in seinem Schaffen ab. Erfolg war also mit Sicherheit nicht der Grund, dass sich Wolfgang Paalen 1959 durch einen Kopfschuss das Leben nimmt.

Nuage articulé II, 1937–40 Naturschwamm auf Regenschirm © Succession Wolfgang Paalen et Eva Sulzer

Bis 19. Jänner 2020 sind nun Leben und Werke dieses Weltbürgers mit österreichischen Wurzeln im Unteren Belvedere zu sehen. Man betritt Räume, in denen mit Wandtexten und Fotos Information zu Wolfgang Paalen geboten wird. Dazwischen hat Kurator Andreas Neufert, ein profunder Kenner Paalens, eine Fülle an Arbeiten zusammengetragen. Sie reichen von den frühen surrealistischen Gemälden über Skulpturen, denen Humor deutlich anzusehen ist. Immer wieder steht bei der Beschreibung der Objekte auch „Öl mit Kerzenrauch“.

Es handelt sich um die sogenannten Fumage-Bilder. Gemalt wurden sie mittels Kerzenrauch auf der leeren Leinwand, aber auch auf Holz und Papier, was einen seltsam indifferenten, beinahe halluzinatorischen Ausdruck ergibt. Mit Ölfarbe wurde manches Mal assoziativ weitergearbeitet. Sie waren sein originärer Beitrag, so heißt es im Belvedere, zur Aufnahme in die Gruppe der Surrealisten. Mit Marcel Duchamp, Man Ray und Savaldor Dalí konzipierte Paalen die bahnbrechende Exposition internationale du Surréalisme in der Galerie des Beaux-Arts in Paris, eine der spektakulärsten Ausstellungen mit Werken der Größten des Surrealismus, die er aber bald darauf verließ, um sich neuen Ufern und anderen künstlerischen Richtungen zuzuwenden.

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