Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Keine Ruh´ für´s Donauweibchen Ensemble © Sam Madwar

KEINE RUH´ FÜR´S DONAUWEIBCHEN unter und über´m Wasser

Katrin Fuchs, Michaela Ehrenstein, Martin Gesslbauer, StefanParyla-Raky © Sam Madwar

Mit einem reizenden Märchen in alte Wachau-Zeiten abtauchen

„Es war einmal...“, wer sonst als Waltraut Haas kann diese drei Wörter so verheißungsvoll sagen, um damit die Neugier zu wecken, was sich in Weißenkirchen in den Jahren nach den Franzosenkriegen abgespielt hat. Gleichzeitig macht der Prolog klar, dass es sich nicht um einen historischen Abriss dieser Epoche handelt. Es geht um die zeitlose Verwirrung der Herzen zwischen Weinrieden, Wirtshaus und Donaustrom, die sich in den Jahren der Verwüstung und des Geldmangels um 1800 gar nicht so sehr vom späteren Mariandl nach dem Zweiten Weltkrieg unterscheidet. Die deutsche Autorin Susanne Felicitas Wolf hat die Seele dieser wunderbaren Landschaft gesucht und in einer Komödie um eine liebenswürdige Sagenfigur auch gefunden. Wassergeister sind ja nicht immer freundlich zu den Menschen. Das weiß man in der Wachau am besten, wenn die Donau über ihre Ufer steigt und die malerischen Ortschaften grausam überschwemmt. Mit dem Donauweibchen hat man sich sozusagen einen wundersamen Schutzwall aufgebaut und berichtet darüber nur nette Dinge.

Waltraut Haas als Erzählerin © Sam Madwar

Aus den Geschichten, die man sich einst an den Abenden nach der Arbeit in den Weinterrassen erzählt hat, wurde nun ein Märchen, in dem diese Fee aus den Fluten energisch in das Leben der Menschen eingreift. Das Donauweibchen wird zur gnadenlosen Kupplerin, die genau weiß, wer am Ende mit wem den Bund der Ehe schließen soll und schafft dabei die ungewöhnlichsten Verbindungen. Wer mit wem zusammenkommt, wird natürlich nicht verraten, das bleibt zum Schluss offen. Nur so viel: Jede und jeder kommt unter die Haube.

Eva-Christina Binder, Serge Falck, Margot Ganser-Skofik, Leila Strahl © Sam Madwar

Marcus Strahl, der dieses Stück für seine 15. Intendanz in Auftrag gegeben hat, war nach der erfolgreichen Premiere am 16. Juli 2019 überglücklich. Maßgeschneidert auf das pittoreske Weißenkirchen und die stimmungsvollen Arkaden im Teisenhoferhof ist es für das Publikum ein leichtes, sich 200 Jahre zurückfallen zu lassen und mit den Betroffenen zu leiden und vor allem zu lachen. Im Gasthaus „Zum Donauweibchen“ regiert die Witwe Mizzi Rosenberger (Michaela Ehrenstein).

Sie kann ihren Gästen Tag für Tag nur Knödel mit Knödel und Einbrenn´ zum Essen vorsetzen. Dafür gibt´s aber genug Wein und den Marillenschnaps, bei dem die resolute Wirtin ganz in der Manier von Nestroy ihren Spaß am witzigen Zerkauen von Wörtern hat. Zu ihren Stammgästen zählen der ledige Weinbauer Leopold Hörmer (Serge Falck), der ein Auge auf die hübsche Kellnerin Lisa Kropf (Katrin Fuchs) geworfen hat, und der reiche Privatier und seines Zeichens „Söhnchen“ Martin Stierschneider (Martin Gesslbauer, der auch die praktische Kulisse erdacht hat), der seinerseits Lisa in seine Heimat Bayern entführen will. Aus dem fernen Russland ist Olga Baranowa (Leila Strahl) auf der Suche nach ihrem in den Kriegen in Verstoß geratenen Geliebten eingetroffen, begleitet von ihrem Diener Dimitri Zarevskij (StefanParyla-Raky). Sie begehrt von der Rosenbergerin ein Zimmer, groß genug um dort ihre Ballettkünste ausüben zu können.

Serge Falck, Leila Strahl © Sam Madwar

In den aus diesem ungewöhnlichen Zusammentreffen resultierenden Spannungen hat Eva-Christina Binder als Donauweibchen ihren großen Auftritt. Nachdem sie für die Betroffenen meiste Zeit unsichtbar ist, kann sie ihre Pläne zur Bereinigung der verwickelten Beziehungen ungestört ausführen. Eine große Hilfe ist ihr dabei die alte Annamirl, der Margot Ganser-Skofik alle Lebensweisheit mitgibt, um die vor Liebeskummer fast gebrochenen Leutchen wieder ins Leben zurück zu führen.

Nicht leicht macht es ihr der Komiker Michael Duregger, der als Fischer Jakob Brösel zumeist allein mit seiner schweigsamen Jagdbeute ist und dem bei Menschenbegegnungen Herz und Mund übergehen. Er fühlt sich als Dichter und lässt mit seinen patscherten Reimen niemanden unverschont, am wenigsten die Frauen, von denen er wenigstens eine, ganz egal welche, heiraten will.

Von anderer Qualität sind da schon die Verse der Gesangsnummern, die wie der gesamte erfreulich hiesig klingende Text voll kabarettistischer Einlagen sind. Für die musikalische Begleitung sind die Pianistin Elena Gertcheva, die Cellistin Gudula Urban, der Klarinettist Winfried Aichner und der Geiger Balazs Schwartz zuständig. Sie schaffen mit ihren fein abgestimmten Arrangements bekannter Melodien das Flair einer in diesem Stück zwar alten, aber dennoch immer romantischen Wachau.

StefanParyla-Raky, Michaela Ehrenstein © Sam Madwar
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